Entstehung der ersten Cracker

1982-1999

Während in der Industrie der Umgang mit dem Computer immer selbstverständlicher wurde, war für den Privatanwender zunächst der Faktor Unterhaltung ein entscheidender Kaufgrund. Anfang der 80er Jahre wurden Spielhallen zunächst in den USA, kurze Zeit später auch in Europa, beliebt.

Schon bald konnten sich die ersten Anwender dieser Freizeitbeschäftigung auch zu Hause nachgehen.[1] Der Begriff „Home Computer“ wurde geboren.[2] Die kleinen, damals noch leistungsarmen Computer waren nun für jeden Interessierten zu erschwinglichen Preisen im Handel erhältlich. Bereits 1982 gab es zahlreiche Minicomputer auf dem Markt, die oft nicht größer waren als ein kleiner Aktenordner. Die Tastatur bestand teilweise aus unkomfortablen Folientasten, als Monitor musste man den Computer häufig an den hauseigenen Fernseher anschließen. [3] Festplatten und Disketten waren für den Privatanwender zunächst nicht vorgesehen.[4]

Gespeichert wurde die Software vielmehr auf günstigen Magnetbändern. Dabei handelte es sich meist um handelsübliche Musikkassetten. In den Computer geladen wurde die Software dann auch mit dementsprechenden Laufwerken. Sie trugen zwar Namen wie „Datasette“[5], unterschieden sich jedoch kaum von einem Kassettenspieler.[6] Lange Ladezeiten einer Software in den Computer gehörten zum Alltag eines Anwenders. So dauerte das Laden eines Computerspiels mit ca. 64 Kilobytes noch bis zu zehn Minuten.

Diese Speichermedien zu kopieren war zunächst für einen Anwender auch mit wenig technischen Kenntnissen möglich. Er brauchte dazu lediglich einen Kassettenspieler und einen Kassettenrekorder. Dennoch nutze nur ein Bruchteil von Anwendern diese Methode, um Kopien von Original-Kassetten zu erstellen. Die Idee, eine Software auf diese Weise zu kopieren war noch nicht verbreitet. Im Jahr 1981 besaßen gerade einmal 0,4% der amerikanischen Haushalte einen PC-Computer.[7] Die Gefahr der unerlaubten Verbreitung einer Kopie war zu dieser Zeit gering. Die damaligen Anwender nutzten die Kopiergeräte vielmehr zum Kopieren von Musik.[8] Zudem wies bereits die zweite Kopie eines Originals deutliche Qualitätsdefizite auf, ähnlich wie beim Kopieren von Musikkassetten.[9] Wurde die Software zu oft kopiert, passierte es, dass die Kopie nicht mehr funktionierte, da das Kopieren eines Magnetbandes durch Störfaktoren beeinflusst wird.[10]


[1] Vgl. Twigg-Flessner 1995, S. 10 ff.
[2] Vgl. N.n. 2003 (a), S. 414.
[3] Ebd., S. 1008.
[4] Ebd., S. 414.
[5] Ebd., S. 206.
[6] Ebd., S. 414.
[7] Vgl. N.n. 1983.
[8] Vgl. Endres 2003.
[9] Vgl. Tamás 2005..
[10] Vgl. N.n. 2003 (a), S. 555 ff.

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