Entwicklung der 2. Generation der Raubkopierer

Die Mitglieder der ersten Generation konnten noch weitgehend im Verborgenen agieren. Ihre digitalen Treffpunkte waren schwer zu durchschauen, der gewöhnliche Computernutzer gelangte nur über Freunde oder Kollegen an Raubkopien.

Mit dem Aufkommen des Internets gelangten jedoch immer mehr Raubkopien noch am Tag ihrer Erstellung zu den Gelegenheitskopierern. Das Internet ermöglichte jedoch jedem, selber Software in digitaler Form zu tauschen und zu verbreiten, was als Privileg bisher nur denen vorbehalten war, die ein Teil der Raubkopierer-Szene waren.

Neue Technologien wie CDs, DVDs und schnelle Internetverbindungen eröffneten aber auch neue Möglichkeiten. So wurde nun nicht mehr nur Software, sondern auch Raubkopien von Filmen oder Musik-CDs erstellt und verbreitet. Da viele dieser neuen Medien keinen Kopierschutz mehr aufwiesen, den es zu knacken galt, trat die Tätigkeit des Crackens in den Hintergrund. Es ging vielmehr darum, eine Kopie überhaupt zu erstellen und zu veröffentlichen (im szeneinternen Jargon: releasen). Neben den Cracking Groups gab es nun weitere Gruppen, die sich auf die neuen Medien spezialisierten. Da nunmehr das Erstellen und Verbreiten einer Raubkopie nicht mehr zwangsläufig mit dem Knacken eines Kopierschutzes verbunden war, erschien die Bezeichnung Cracking Group irgendwann unpassend für die neuen Gruppierungen. Aus diesem Grund wird jede Gruppe, die Raubkopien veröffentlicht, mittlerweile als Release Group (manchmal auch als Warez Group) bezeichnet.[1] Es entstand eine neue Generation der Raubkopierer-Szene, die Release-Szene, deren aktuelle Strukturen in Kapitel 4.1. geschildert sind. Die Release Groups der zweiten Generation bilden dennoch keine völlig neue Szene. Sie stehen in einer engen Tradition mit ihren Vorgängern. Die Hackerkultur der 60er Jahre und die Ideen der Cracker der 80er Jahre wurden unbewusst weitergereicht. Durch frühere Aufzeichnungen und Erzählungen sind die Namen ehemals großer Gruppen in Erinnerung geblieben. Viele Cracker der 80er Jahre gelten heute der neuen Generation als Vorbilder. Nach wie vor versteht man sich als Teil einer Gemeinschaft die sich weiterhin „Die Szene“ nennt.


[1] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Releasegroup (Stand: 22.02.2006).

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