Abgesehen von den größeren Parties, gibt es in der Scene auch andere Orte, an denen man sich in kleinerem Rahmen begegnen kann. Früher wurden diese kleineren Versammlungen Copyparties genannt, da sich Scener dort hauptsächlich trafen, um Kopien zu tauschen. Wie auch auf den heutigen Parties durfte auf Copyparties der eigene Computer nicht fehlen und viele brachten ihren Rechner und kistenweise elektronische Bauteile in vollbeladenen PKWs mit.

Kopierparties, auf denen nur die Elite eingeladen war, fanden an geheimen Orten ohne Öffentlichkeit oder Außenstehende statt. Die Scene war damals noch völlig im Untergrund. Heute ist sie nicht mehr dieselbe geschlossene Gesellschaft wie früher. In den letzten zehn Jahren sind viele weitere Treffpunkte dazugekommen, die mittlerweile auch der Öffentlichkeit zugänglich sind. Die alljährliche Computermesse in Köln ist ein solcher Ort. Am Anfang war diese Messe, die jedes Jahr an einem Novemberwochenende stattfindet, noch ausschließlich als Messe für Amiga-Benutzer gedacht. Im Laufe der Jahre hat sie sich zu einer Besucher- und Fachmesse entwickelt, auf der alle möglichen Systeme und weitere Computerperipherie vertreten sind. Seit den Anfängen ist es Scene-Tradition, sich am zweiten Tag, dem Samstag, zu versammeln. Früher geschah das noch durch interne Bekannt-gaben. Mittlerweile hat sich dieses Treffen etabliert.

Zur Computermesse Köln, die parallel zur Kunstmesse „Art Cologne“ stattfindet, reisen Hunderte von Scenern aus ganz Europa an. Die Mitglieder legen für diesen besonderen Tag oft sehr weite Strecken zurück, nur um sich hier mit den Mitgliedern ihrer und anderer Gruppen zu treffen. Die Messeveranstalter haben schon seit längerer Zeit mit der Scene zu kämpfen. Vor allem in den Anfangszeiten der Computermesse machte sie stets deutlich auf sich aufmerksam. Mit Sprühdosen und Eddings beschmierten Scener die Wände der Messe und verewigten sich und ihre Gruppen in großen Graffitis. Bei der großen Zahl von Scenern war es für die Sicherheitsleute der Messe unmöglich, ein Messeverbot zu erteilen, das von erkennbarer Wirkung gewesen wäre. Die Messeveranstalter lernten aus ihren Fehlern und sahen ein, dass ein Ausschluss der Scene von der Veranstaltung keine Lösung sein konnte. Man musste sich also etwas ausdenken, um diese „Bande von Chaoten“ in die Messe zu integrieren und dabei den Schaden so niedrig wie möglich zu halten. Daher wird mittlerweile von der Messeveranstaltung an diesem Samstag eine Scene-Wand eingerichtet. Diese Wand wird mit weißem Papier bespannt, damit die Scene ihre Graffitis nicht direkt auf die Wände schmiert.

Amiga Messe 1997

Die Scene-Wand nach Ende der Amiga-Messe 1997

Seltsamerweise ließ sich die Scene auf den Kompromiss ein, und seit diesem geglückten Versuch kann man nun so manchen abgedrehten Spruch an der Scene-Wand lesen. Oft findet man dort auch wertvolle Informationen. Adressen von Homepages und Systempasswörter von Boards, durch die man in direkten Kontakt mit der Scene treten kann, sind keine Seltenheit.

Die Messeveranstalter geben den Sicherheitsbeauftragten jedes Jahr die ausdrückliche Order, den Scenern freien Lauf zu lassen. Zudem werden neben den Sicherheitsleuten des Hauses noch weitere Kräfte angestellt, die, mit Lederjacken und Jeans bekleidet, möglichst unauffällig die Scene observieren sollen. Dieses Wachpersonal, das jährlich nur für diesen Zweck engagiert wird, hatte zunächst sicher keine leichte Aufgabe. Meist hatte die Sicherheitstruppe mit Randalierern und Computer-Anarchisten zu tun, die manchmal in Gruppen brüllend durch die Messehallen zogen. Auch konnte man nicht selten beobachten, dass Scener einfach wild in der Gegend herumpöbelten und Aussteller von renommierten Computerfirmen, die sie als Feindbilder sahen, durch ihre ungehobelte Art aus der Ruhe brachten. Mittlerweile hat sich die Security mit der Scene auf freundlicher Basis einigen können. Auf der Computermesse 1997 konnte man beobachten, wie die Security entlarvt, von der Scene umzingelt und mit Aufklebern von Scenegruppen beklebt wurde.

Bei der Computermesse Köln kann man tatsächlich von einem öffentlichen Scene-Treffen sprechen, bei dem jeder einen Einblick bekommen kann. Die verächtlichen Blicke der meisten Messebesucher, die leicht irritiert an der Scene-Wand vorbeilaufen, kann man jedes Jahr aufs Neue sehen. Dennoch ist sie für einige Computerfirmen nicht wegzudenken. Viele Softwarehersteller sind auf die Scene angewiesen. Hier findet man die besten Programmierer, Grafiker und Musiker. Die besten Programmierer der Welt, insbesondere was Systemprogrammierung angeht, sind in der Scene zu finden. Auf der „Computer 97“ konnte man beobachten, wie sich ein Aussteller der Firma Software 2000, eine der renommiertesten Softwareentwickler in Deutschland, mitten unter die Scene mischte und nach Programmierern fragte. Auch die Firma Data Becker, die ebenfalls auf der Computermesse ausstellt, profitiert von der Scene. So brachte Data Becker 1991 mit der weltweit agierenden Scene Group „Red Sector“ im Rahmen der „Goldenen Serie“ das Programm „Demomaker“ auf den Markt, das es Anwendern ermöglichte, Demos per Mausklick und ohne Programmiererfahrung zu erstellen. Diese und weitere Produktionen von Red Sector wurden bei Data Becker zu Verkaufsschlagern. Eine andere Scene Group fasste auf dem kommerziellen Markt sogar soweit Fuß, dass sie mit einigen Leuten eine eigene Softwarefirma gründete und heute unter dem Namen „Factor 5“ mit Spielen wie „Turrican“, „Star Wars Rogue Squadron“ und „Indiana Jones“ weltweit bekannt ist.

Fairlight Scene Group

Das Logo der berühmten Scene Group „Fairlight“ von Angeldawn.


7. In Kontakt mit der Szene

„Eine Bande von Chaoten“
Internet als Treffpunkt