Hacker im Visier der Justiz

In den 80er Jahren entwickelte sich Cracken und Hacken zu einer Art Volkssport. Nur den besten Hackern war es möglich, über all die Jahre unentdeckt zu bleiben. Fast jeder langjährige destruktive Hacker mit krimineller Energie hatte irgendwann in seinem Leben wahrscheinlich schon einmal Probleme mit der Polizei. Und es gibt nicht wenige Hacker, die nach einer solchen Begegnung, bei der sie noch einmal mit dem Schrecken davon gekommen sind, ihr illegales Treiben eingeschränkt haben.

Wer einmal eine Hausdurchsuchung miterlebt hat, denkt oft ein zweites Mal über einen Neueinstieg nach. Das Problem ist wohl noch zu jung, als dass die Justiz wirklich begriffen hätte, wie sie mit diesem Personenkreis am besten verfährt. Rein rechtlich gesehen sind Hacker, die unerlaubt in fremde Systeme eindringen, Kriminelle. Doch die Betrachtung aus einem anderen Blickwinkel zeigt, dass die Realität meist ganz anders aussieht. Einige Hacker brechen in fremde Systeme ein und hinterlassen bloß eine kleine Nachricht, ähnlich der Fahne eines Bergsteigers, der einen Berg zuerst erklommen hat. Es ist wohl nicht nötig zu erklären, dass solche Hacker keinen reellen Schaden anrichten. Trotzdem fühlen sich viele Institutionen durch diese unerlaubten Besuche geschädigt und fordern Schadensersatz und strengere Strafen. Es mag für viele nur schwer nachvollziehbar sein, aber der Großteil der Hacker arbeitet rein zum Spaß. Nur ein ganz kleiner Prozentsatz derer, die das computerspezifische Know-how haben, nutzen diese Fähigkeiten zur eigenen Bereicherung.

Ganze Arbeit in Sachen Hacken leisten auch Geheimdienste. Diese haben oft eigene Hacker, die ihre Erfahrung in Ermittlungen gegen Hacker einbringen. Feuer bekämpft man nun mal am besten mit Feuer. Wie weit die staatliche Aneignung von Hackermethoden mittlerweile geht, wird an der öffentlichen Diskussion über staatliche DoS-Attacken (s. „Bombenanschläge via Email“) deutlich. Eine bekannte Geschichte handelt von einem jungen Computerhacker namens Karl Koch alias Hagbard. Seine kurze Lebensgeschichte war die Grundlage für den aktuellen deutschen Film namens „23 – Nichts ist so wie es scheint“. Im Jahre 1986 verkaufte Koch angeblich aus amerikanischen Militärrechnern gestohlene Informationen an den KGB. Das blieb nicht lange unentdeckt. Polizei und Geheimdienste waren ihm auf den Fersen, und der junge Karl Koch, der durch seine Aktionen einen der größten Spionagefälle der deutschen Geschichte angezettelt hatte, nahm sich, überfordert durch den Druck am 23. Mai 1989 das Leben, indem er sich mit Benzin übergoss und anzündete – so lautet jedenfalls die offizielle Version.

Die Geschichte von Karl Koch ist nicht nur aufgrund ihres tragischen Ausgangs eine Ausnahme. Es kommt nicht alle Tage vor, dass sich ein Hacker, wie beispielsweise Kevin Mitnick, in einen Computer der Größenordnung des Hauptcomputers des Pentagon einschleichen kann. Dafür sind die Sicherheitsvorkehrungen zu groß und die Strafen für einen aufgeflogenen Versuch zu hart. Viele Hacker sind – oftmals ohne genau zu wissen, was sie wirklich angestellt hatten – für mehrere Jahre hinter Gitter gewandert.

Die Bestrafung dieser zum Teil sehr jungen Leute ist eine reine Prestigeangelegenheit des Rechtsstaates. In China beispielsweise wurde der Hacker Shi Biao wegen elektronischen Raubs umgerechnet zu ca. knapp 80.000 Mark verurteilt und im April 1993 hingerichtet.

Hacker können auch große Beiträge zur Sicherheit öffentlicher Computersysteme leisten. Hacker, die nicht unbedingt wie Karl Koch Spionage betreiben, machen auch oft auf technische Probleme aufmerksam, die vorher noch gar nicht erkannt worden waren. Der Zentralrechner des Pentagon beispielsweise zählt heute zu den sichersten der Welt. Ohne die Erprobung durch Hacker wäre der heutige Sicherheitsstandard niemals erreicht worden.

Die genannten Schäden, die in den letzten Jahren angerichtet wurden, sind oft übertrieben und in vielen Fällen nicht vorhanden. Elektronischer Einbruch wird oft durch in den Medien hochgespielt. Hacker, die es über Jahre geschafft haben, in fremde Systeme einzudringen, stehen inzwischen vor immer größeren Barrieren: Gesetze und Strafen. Die Hacker gehen bei ihren Aktivitäten mittlerweile vorsichtiger vor. Vor allem in der Scene sind Hacker, die zerstörerisch in fremde Systeme eindringen können, fast nur noch Legende. „Der böse Hacker“ ist mittlerweile auch in Insider kreisen ein Mythos, und es gibt Hunderte von mehr oder weniger wahren Geschichten, die man sich über ihn erzählt.


5. Die Kunst des Hackens

Der Mythos Hacker
Elektronischer Hausfriedensbruch
Maden im Internet
Bombenanschläge via EMail
Website Killer
Berufshacker
Etwas Sinnvolles tun, eine Bank überfallen
Sicher ist sicher!
Kreditkartenbetrug im Internet
Kryptographie
Wie werde ich zum Hacker?
Hacker im Visier der Justiz


6. Hauptsache Spaß

Vom Cracker zum Coder
Demos: Die elektronische Kunst
Wenn die Scene feiert

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