Der Mythos Hacker

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Gerade in Zeiten des Internets, in denen sich die Medien besonders auf die zwielichtige Seite der Hacker fixiert haben, ist es notwendig geworden, den Mythos Hacker zu entwirren und ein klares Bild davon zu entwerfen, was ein Hacker eigentlich ist.

Verfolgt man die Berichterstattung des Fernsehens und der Printmedien genauer, scheint der Hacker heute gefährlicher denn je, und keiner ist vor ihm sicher. Es gibt Zeiten, da fühlt sich die gesamte Boulevardpresse der Welt dafür verantwortlich, auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die von einem Hacker ausgehen, und vor ihm zu warnen.

Die Kölner Boulevardzeitung „Express“ beispielsweise veröffentlichte 1995 eine Serie mit dem Titel „Der Hacker vom Rhein“. Die Aufmachung der Reportage verriet die Intention des Journalisten: er wollte durch Horrorvisionen bestehende Vorurteile gegen Hacker schüren. Ursache einer gewissen Skepsis gegenüber neuen Technologien und ihren Schöpfern ist sicherlich die rasante Entwicklung im Computerbereich. Die damit einhergehende Unüberschaubarkeit macht vielen Menschen Angst. Ein Zitat aus dem genannten Artikel dokumentiert, wie dies ausgenutzt wird. Der Bericht lässt die Person des Hackers Reiner G. wie ein unterkühltes Wesen aus einer gefährlichen fremden Welt erscheinen: „Ich schaue in seine stahlblauen Augen und sie machen mir Angst, große Angst“. Ein Foto dieser „angsteinflößenden“ Augen unterstreicht neben der Headline den „gefährlichen Gesamteindruck“ des Superhirns. Was aber weder dem Journalisten noch den Lesern damals klar war und nur Eingeweihte wissen konnten: Dieser angebliche Hacker war eher berüchtigt als berühmt. Hinter dem Pseudonym „Antivirus“ versteckte sich ein notorischer Lügner, der weder mit der Scene, noch mit anderen Hackergruppen einen Kontakt hatte und kaum computertechnisches Wissen besaß. Der Bericht machte eines deutlich: Die Figur des Hackers wird auch in Zukunft Gesprächsstoff liefern, egal, ob die Geschichten der Informanten der Wahrheit entsprechen oder nicht.

Den typischen Hacker gibt es im Grunde nicht. Ein Computerfreak ist vielleicht sogar nicht immer sonderlich zielstrebig und gut organisiert. Unter dem Begriff „hacken“ versteht man in der Regel den enthusiastischen Umgang mit Technologien. Es gibt sicherlich auch Hacker, die ihre Kenntnisse missbrauchen. Oft handelt es sich um einen Begeisterten, der nichts weiter ist als ein undisziplinierter User. Bei derartigen Nutzern findet nach einem erfolgreichen elektronischen Einbruch eventuell sogar ein Akt der Verwüstung statt. Der ethische Hacker dagegen legt Wert darauf, dass er zwar in Systeme eindringt, dies allerdings nur tut, um seine Neugier zu befriedigen oder auch Sicherheitslücken aufzudecken. Im Vordergrund steht der kritische und neugierige Umgang mit Computern.

Es gibt daneben auch die sogenannten Script Kiddies – pubertäre Teenager, die von anderen Hackern programmierte Scripts benutzen, um in fremde Systeme einzudringen. Da Anwender ihre Hack-Erfahrung mittlerweile hauptsächlich im Internet oder in speziellen Chatkanälen sammeln, kann selbst ein Außenstehender durch intensives Suchen an bestimmte Informationen gelangen. Es scheint dabei oft die Devise zu gelten, auf dem direktesten Weg einen schnellen und destruktiven Hack ohne jedes Faktenwissen zu erzielen. Dass dies nur dann funktioniert, wenn man sich blind vorliegender Methoden bedient, ist offensichtlich. Das Hacken durch Kreativität und den gegenseitigen Austausch von Wissen mit Gleichgesinnten zu erwerben, scheint bei Skript Kiddies nicht im Vordergrund zu stehen. Sie gehören meist keiner Hacker-Organisation an und sind Einzelgänger.

Doch nichts ist vergleichbar mit den richtigen Kontakten zu den richtigen Leuten. Nur so ist es einem Hacker überhaupt möglich, die verschiedenen Varianten und Künste des Hackens kennenzulernen und sie innerhalb seiner Gruppe weiterzuentwickeln. Der Austausch und die Erweiterung von elektronischen Hardwarebauplänen, das mühsame Löten und Ätzen von Schnittstellen und Platinen sowie die Entwicklung eigener Software, gehört unabdingbar zum Leben eines wirklichen Hackers. Der Zugang zu derartigen Informationen und Chatkanälen wird selbst von angeblich transparenten Institutionen wie dem Chaos Computer Club luftdicht abgeriegelt.

Mittlerweile gibt es Tausende von selbsternannten kleinen Hackergruppen, die sich seit dem Internetboom der späten 90er verbreitet haben. Die meisten dieser Gruppen kennen allerdings kaum ihre eigenen Beweggründe.


5. Die Kunst des Hackens

Der Mythos Hacker
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