Wie wurde man Mitglied?

Die Telefonnummer eines Boards wurde von den Mitgliedern und dem Systembetreiber normalerweise geheim gehalten. Solche Telefonnummern wurden oft nur an Gruppen und Scenern weitergegeben, die man persönlich kannte. Viele Systembetreiber ließen über dies noch die Telefonnummern ihres Boards von der Telefongesellschaft in regelmäßigen Abständen ändern.

Hatte ein Scener über Beziehungen oder aus anderen Quellen die aktuelle Telefonnummer eines Boards bekommen, konnte er sich mit einem handelsüblichen Modem dort einwählen. Im Loginfeld wartete aber auch schon das erste Hindernis auf den Besucher: denn der Eintritt in ein Board war, insofern es kein gesperrtes System (Closed System) war und einen Neueintrag erlaubte, nur durch die korrekte Eingabe eines Systempassworts (SPW) möglich, das vom Systemleiter innerhalb von kurzen Zeitabständen geändert wurde.

Die Abfrage des Systempassworts erfolgte sofort nach dem Aufbau der Verbindung zu einem Board. Bei falscher Eingabe des Passworts wurde die Verbindung automatisch unterbrochen, und der kleine Ausflug in die Welt der illegalen Scene endete, wie so oft, sehr schnell.

Sollte einem Benutzer, der sich ganz neu in ein Board eintragen wollte, das obligatorische Systempasswort bekannt sein, erfolgte vom System die zweite Passwortabfrage nach dem sogenannten „New User Password“ (NUP). Bei dieser zweiten Passwortabfrage scheiterten Neulinge meist endgültig. Das NUP wurde nur dann verlangt, wenn der Benutzer nach der Eingabe des Systempassworts keine gültige Zugangsberechtigung vorweisen konnte, die aus dem Benutzernamen (Handle) und einem individuellen Passwort bestand. Das System erkannte also automatisch, ob es sich um einen Neuling handelte, der damit gezwungen war, einen komplett neuen Antrag auf Mitgliedschaft zu stellen.

Die eingetragenen Benutzer kannten zwar das Systempasswort, aber sie kannten nicht das NUP, da sie als eingetragene Benutzer nicht mehr danach gefragt wurden. Selbst wenn einem also jemand das Systempasswort eines Boards verraten hätte, hätte man nur schwer das zusätzlich erforderliche NUP in Erfahrung bringen können. Das NUP wurde in der Regel unabhängig vom Systempasswort in regelmäßigen Abständen geändert, damit es nur vom Systembetreiber selbst an ausgesuchte Personen weitergegeben werden konnte. Zudem hatten einige Boards ein Auto-Logoff. Wer die Passwörter nicht schnell eintippen konnte, flog nach einigen Sekunden ebenfalls raus.

BBS Login

Das Login in ein Board erwies sich als sehr schwierig für Neulinge. Selbst wenn man das SPW kannte, musste man als neuer User auch das NUP kennen. Zudem hatte man nur 10 Sekunden Zeit und nur einen Versuch. Wer nicht schnell tippen konnte, hatte auch mit den richtigen Passwörtern keine Möglichkeit sich einzuwählen.

Falls jemand durch eine erfolgreiche Eingabe des Passworts beide Sicherheitsbarrieren passiert hatte, stand dem Eindringling noch eine nicht weniger schwere Aufgabe bevor. Zuerst erfolgte eine automatisierte Abfrage über realen Namen, komplette Anschrift und Telefonnummer. Danach wurden Fragen zur Gruppenzugehörigkeit und Aufgabenbereich gestellt, den man in der Scene abdeckte. Auch wurden an den Neuling allgemeine Fragen über die Scene gerichtet. Meistens wurde die Eingabe von Abkürzungen aus dem Scene Jargon verlangt, die zum größten Teil nur von der illegalen Scene genutzt wurden. Üblich waren Fragen wie: „Was ist CC?“, „Was bedeutet SCX?“, „Wofür steht TRSI?“. Zum Schluss musste der Antragsteller noch drei Bürgen nennen, die eingetragene Mitglieder des Boards sein mussten und drei Namen von weiteren Boards angeben, in denen er eingetragenes Mitglied war.

Der Eintrag in das allererste Board wurde damit erkennbar schwierig. Eine Rezept-Lösung für dieses Problem gab es nicht. Selbst die erfolgreiche Beantwortung der Fragen war einem Systembetreibe noch nicht Beweis genug, dass der Antragsteller ein erfahrener Scener war. Deshalb wurde die Verbindung nach dem Antrag kurzerhand mit der Aufforderung unterbrochen, sich nach zwei Wochen wieder zu melden. Der Systembetreiber nutzte diese Zeit, um alle Angaben des Antragstellers auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Für einen hartgesottenen Trader, der sich durch seine ständigen Touren von Board zu Board genügend Scene-Wissen angeeignet hatte und die nötigen Referenzen locker aus dem Ärmel schütteln konnte, war ein Antrag auf Mit-gliedschaft innerhalb weniger Minuten erledigt. Die Aufnahme in das Board seiner Wahl war für ihn so gut wie sicher, und spätestens nach zwei Wochen konnte er sich zu den ordentlichen Mitgliedern des Boards zählen.

Bereits eingetragene Mitglieder eines Boards hatten es durch die ständig wechselnden Passwortabfragen nicht leicht, Mitglied zu bleiben. Hatte man sich eine gewisse Zeit nicht mehr gemeldet, hatte sich das Systempasswort geändert. Danach gab es keine direkte Möglichkeit mehr, sich in das System einzuloggen. Gewöhnlich erfolgte sogar nach einem Nicht-Melden der automatische Rauswurf für immer.

Horizon Cracktro

In Cracktros warben früher die Cracking Groups mit den Rufnummern ihrer Boards. Die Rufnummern waren zwar öffentlich, aber der Zugang war Außenstehenden so gut wie unmöglich.

Innerhalb des Systems waren außerdem sogenannte „Timeouts“ bei besonders elitären Systemen üblich. Wer einige Sekunden im System nichts getippt hatte, flog ebenfalls raus. In besonders elitären Systemen musste man eine ständige Tastenaktivität vorweisen. Wenn man in solchen Systemen 3 Sekunden lang nichts tippte, wurde die Verbindung ebenfalls getrennt und sogar der Zugang für den Trader für 24 Stunden gesperrt. Die meisten Boards hatten daher ausschließlich nur aktive Mitglieder. Die Mitgliederzahlen lagen bei größeren Boards oft um die 100. In einem kleinen Board reichten bereits 10 regelmäßige Trader aus, um riesige Datenmengen um den Globus zu schicken und für große Bekanntheit und Respekt innerhalb der Scene zu sorgen.

Auf diese Weise schützte sich ein Board vor Personen, die ihre Mitgliedschaft nicht ernst genug nahmen oder nur aus Prestigegründen eingetragene Mitglieder des Boards waren. Beides störte den reibungslosen und schnellen Softwareverkehr und wurde von keinem elitären Systembetreiber geduldet.


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