Hackerbuch

stComputer, Juni/Juli 1999

Das Logbuch der Szene: Hackerland

In ihrem gerade erschienen Buch Hackerland – Das Logbuch der Szene treten die beiden Autoren Denis Moschitto und William Sen den in den Medien immer noch gängigen, falschen Darstellungen der illegalen und der daraus entstandenen legalen Computerszene entgegen.

In sieben Kapiteln wird der Mythos des Hackers entworren. Die Gestaltung dieser Kapitel als Einträge im „Logbuch der Szene“ macht den eigentlichen Charakter des Buches aus, das sich als Kombination aus Sachbuch und Reportage versteht. Daraus resultiert eine interessante Mischung aus wissenswerten Informationen und spaßigen Geschichten aus der Szene, die den Grenzbereich zwischen Legalität und kriminellen Handlungen der Hackerszene verdeutlicht. Das gängige Klischee über die Hackerszene wird aufgelöst und dabei beschrieben, wie aus der illegalen Szene die legale Szene entstanden ist, deren Unterschied in der Motivation der Tätigkeit liegt: Kommerz versus Spaß!

Geschichtliches
Chronologisch beginnen die Autoren bei den Aktivitäten der ersten Raubkopierer im kleinen Stil in den frühen 80er Jahren und den ersten Schritten krimineller Gruppen bei der zunehmend professionellen Vermarktung der Software. Im fogenden vermitteln die Autoren ihr Wissen über die Strukturen der Gruppen, die aus mehreren Mitgliedern mit unterschiedlichen Aufgaben bestehen, und der Organisation innerhalb der illegalen Szene sowie über die historischen und aktuellen Methoden der Verbreitung der gecrackten Proragmme über die Post und Mailboxen bzw. Boards und zunehmend auch über das Internet. Anhand von expliziten Beispielen und mehreren Interviews mit Szenemitgliedern und Softwareherstellern wird die Funktion der einzelnen Mitglieder der illegalen Gruppen aufgeschlüsselt und erklärt, wie in den 90er Jahren aus der illegalen Szene die legale Szene hervorgegangen ist, welche Aufgaben sie sich gesetzt und auch erfüllt hat. Anhand dieser Schritte wird der Unterschied zwischen illegaler und legaler Szene trotz fließender Übergänge ineinander demonstriert. Während die legale Szene hauptsächlich durch den Spaß an der Produktion von eigener, frei zugänglicher Software und den Zusammenhalt der Mitglieder gekennzeichnet wird, leidet die illlegale Szene häufig unter Konkurrenzdenken und dem Kampf um Macht und Kommerz durch den Verkauf von fremder, gecrackter Software. Der Bekämpfung dieser kriminellen Handlungen durch die Softwarefirmen, die Polizei und die mächtigen Anwälte, die teilweise ihrerseits nahe am Rande der Kriminalität agieren, wird ebenfalls ein eigenes Kapitel gewidmet. Im Anhang befindet sich neben einem Lexikon, das über den Fachjargon der Szene aufklärt, auch eine nützliche Übersicht über Homepages der Szene im Internet.

Keine Namen, bitte!
Namen, die zur Überführung von Mitgliedern der illegalen Szene führen könnten, sucht der Leser vergeblich. Die Nennung von „heißen“ Namen in der Öffentlichkeit entspräche nicht dem Ehrencodex der Szene. Ebenso wenig stößt der Leser auf eine Anleitung zum Hacken, sondern einfach nur auf einen nüchternen und verständlichen aber dabei auch unterhaltsamen Einblick in die Strukturen der Hackreszene.

Fazit
Kritisierend anzumerken wäre die mitunter überspitzte Darstellung einiger Thesen, so dass bei Lesern, die sich in der Materie nicht auskennen, an einigen Stellen leichte Missverständnisse auftreten können, zumal die Autoren bei ihrer Leserschaft bewusst nicht ausschließlich von Mitgliedern der Szene ausgehen. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen werden die im allgemeinen sorgfältig recherchierten Zusammenhänge und Begriffe von Grund auf und sehr verständlich erklärt, so dass das Buch für jeden zu empfehlen ist, der sich für die Arbeit der im Untergrund (illegal) und im Öffentlichen (legal) agierenden Szene interessiert. Der Amiga selbst wird übrigens nicht häufig erwähnt, allerdings sind beide Autoren Mitglider der Amiga-Demogruppe „Nuance“. In den Greetings am Ende des Buches werden somit fast nur Gruppen aus der Amiga-Szene gegrüßt. Abschließend und passend zum Anlass wollen wir, ganz ohne Kommentar, die „offzielle“ Hackerhymne auf uns einwirken lassen:

„Finde vom Chef die Freundin raus,
Probiere ihren Namen aus,
Tast‘ Dich ran mit Ruh‘ im Nu‘,
Zum Hacken, Hacken, Hacken.“
von Nico Barbat

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