Herstellerschikanen

Einige Schutzmechanismen verlangen von den Käufern, zunächst selbst aktiv zu werden. Wenn ein Anwender eine Software kauft und installiert, wird er beispielsweise aufgefordert, das Unternehmen per Internet oder Telefon zu kontaktieren. Der Hersteller sorgt dann übers Internet dafür, dass die Software auf dem Computer des Benutzers ohne Einschränkungen genutzt werden kann. Es ist jedoch mit einer negativen Reaktion der potentiellen Käufer zu rechnen, wenn auf diese Art und Weise Software vertrieben wird. Gerade Anwender mit wenig Erfahrung erwarten, dass ein Programm nach der Installation einwandfrei funktioniert. Wenn weitere Hürden des Herstellers auf die Anwender zukommen, sind sie überfordert und frustriert. Der Versuch, mit komplizierten Methoden Schwarzkopierer aufzuhalten, kann so für die Hersteller kontraproduktiv werden.

Microsoft machte als eines der ersten Unternehmen Schlagzeilen mit seiner rigorosen Lizenzpolitik. Als das Betriebssystem Windows XP auf den Markt kam, sollte es nicht mehr auf herkömmliche Weise installiert werden können. Seitdem haben Nutzer von Windows XP nach der Installation 30 Tage Zeit, das Produkt entweder telefonisch oder übers Internet zu aktivieren, obwohl sie es rechtmäßig erworben haben. Wenn das Produkt nach Ablauf dieser Frist nicht aktiviert wird, verweigert es die vollständige Funktion. Die große deutsche Computerzeitschrift PC-Welt sprach von „Schikanen“ und sorgte für eine langanhaltende Diskussion: „Microsoft muss sich nach wie vor den Vorwurf gefallen lassen, dass die Produktaktivierung alles andere als kundenfreundlich ist. Sie hält keinen Schwarzkopierer davon ab, Windows XP zu kopieren, sondern belastet den ehrlichen Käufer, der sich mit einer Schikane konfrontiert sieht.“

Noch bevor Microsoft die offizielle Version veröffentlichen konnte, waren trotz des Schutzes diverse Cracks über die einschlägigen Quellen im Internet erhältlich. Im Grunde gab es in der Geschichte der Crackerszene noch nie so viele verschiedene Cracks für eine bestimmte Software. Windows XP sorgte dafür, dass nicht nur konventionelle Release Groups die Software crackten, sondern auch Einzelgänger außerhalb der Szene ihr Glück versuchten. Einige Cracker führen noch heute ihre Begeisterung fürs Cracken auf den Versuch zurück, Windows XP zu knacken.

Je strikter die Maßnahmen des Herstellers, desto mehr Cracker fühlen sich anscheinend berufen, sie zu überlisten. Selbst Anwender mit einer legal erworbenen Lizenz verweigern oft die erforderliche Aktivierung. So kann man auch bei gewöhnlichen Anwendern beobachten, dass sie eine gecrackte Software installieren, während sie die rechtmäßig erworbene Lizenz in der Schublade behalten.


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