Interview mit Mitchell Reichgut

Mitchell Reichgut

Mitchell Reichgut

Kaum eine Medienagentur hat in der letzten Zeit für so viel Diskussionsstoff innerhalb der Online-Foren gesorgt wie das US-Unternehmen Jun Group Entertainment. Gründer Mitchell Reichgut kam auf die Idee einen Episoden-Film über die Szene zu drehen und ihn über die eigene Website sowie natürlich über Filesharing-Programme frei zur Verfügung zu stellen verteilen. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich „The Scene“ zu einem der bekanntesten Filme innerhalb der Community.

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, einen Film zu drehen und ins Netz zu stellen?
Wir haben das Projekt mit der Idee gestartet, dass Filesharing ein rapide wachsendes Massenmedium ist. Es erreicht eine demographisch sehr gefragte Gruppe von kaufkräftigen jungen Nutzern.Wir haben ein Modell entwickelt,wie wir legale Inhalte zu diesen Menschen bringen können.

Warum ausgerechnet das Thema Szene?
Viele Millionen Menschen tauschen Dateien übers Internet. Und nur eine kleine Zahl von ihnen weiß, wie diese Dinger überhaupt dorthin gelangen.
Die Szene ist eine geheime Welt innerhalb unserer Gesellschaft mit ihren eigenen Regeln und einer eigenen Moral.Was könnte spannender sein?

Aber wo sind die Special Effects?
Wir haben The Scene als Spaßprojekt gestartet. Wir dachten, das könnte lustig werden. Erst danach ist uns das Potential bewusst geworden. Unser
Medium zielt auf ein ganz anderes Publikum ab.Wir wollten etwas nur für den Computer entwerfen. Der Zuschauer sollte Teil des Geschehens werden.

Wie ist die Reaktion der echten Szene? Gibt es Anfeindungen, weil ihr Geheimnisse ausplaudert?
Ja, wir haben definitiv einige Gemüter erregt. Aber wir verraten wirklich keine Sachen, von denen wir glauben, dass deswegen jemand Probleme bekommen könnte. Unser Film ist weder für noch gegen die Szene. Wir erzählen einfach eine Geschichte, von der wir glauben, dass sie faszinierend ist.

In eurem Film gibt es einen fiktiven Undercoveragenten namens Gryffin. Wenige Wochen nach dieser Geschichte fand in der Szene ein echter Bust statt, die Operation Site Down. Der hierfür verantwortliche FBI-Agent hieß Griffen …
Ha. Die ehrlichste Antwort darauf ist, dass es ein Zufall war. Ich war es, der den Namen „Gryffin“ ausgesucht hat, und ich hatte wirklich keine Ahnung, dass das mal zu so einer riesigen Diskussion ausarten würde.

Die Industrie ist vom Filesharing wenig begeistert. Sie versucht, das Problem auf ihre Art zu lösen. Was hältst du davon?
Meine persönliche Meinung ist, dass die Unterhaltungsindustrie das Ganze falsch anpackt. Ich habe mit denen gearbeitet und kenne das Umfeld. Ihre Situation ist nicht einfach. Aber sie verpassen große Chancen und verschwenden sehr viel Geld in ihre derzeitigen Strategien.

Glaubst du, die Industrie gewinnt diesen „Krieg“ eines Tages?
Das bezweifle ich sehr. Ein Ende des Filesharings ist nicht in Sicht. Die Leute teilen Software, weil das eine höhere Ebene ist, ein Medium zu konsumieren. Ich denke nicht, dass die meisten das tun, weil sie jemandem schaden wollen. Filesharing ist ein kulturelles Phänomen, kein technisches.

Das Interview wurde geführt am 8. August 2005 in South Norwalk, Connecticut, USA.




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