Nichts ist unknackbar

Jeder Kopierschutz weist gewisse Schwachstellen auf, die ein Cracker lediglich aufspüren muss, um den Schutz auszuhebeln. Die Filmindustrie musste dies bei ihrem angeblich unknackbaren Kopierschutz „Content Scrambling System“ (CSS) erfahren, der Ende der 90er Jahre das neue Medium DVD vor dem Kopieren schützen sollte. Im Herbst 1999 tauchte das Programm DeCSS im Netz auf, das den Inhalt einer DVD unverschlüsselt auf der Festplatte speichern konnte. Programmiert hatte es der erst fünfzehnjährige Norweger Jon Lech Johansen aus der Not heraus. Auf seinem Linux-Rechner war der CSS-Kopierschutz nicht lauffähig, und so konnte er nicht einmal handelsübliche DVD-Filme anschauen. Daher knackte er CSS und veröffentlichte seine Vorgehensweise getreu der Open-Source-Ideologie im Internet. DeCSS verbreitete sich auf der ganzen Welt, bis sich die Industrie gezwungen sah, auf ein anderes Verschlüsselungsverfahren umzusteigen, das mittlerweile ebenfalls geknackt ist. 2001 gelang es dem russischen Programmierer Dmitri Sklyarov, den angeblich unknackbaren Sicherheitscode der eBook-Software der Firma Adobe ohne weiteres zu entschlüsseln.

Der Grund, warum es bislang keinen ultimativen Kopierschutz gibt, liegt in der Beschaffenheit von Computerdaten. Wenn man annähme, es gäbe den perfekten Schutz, müssten Daten so aufgebaut sein, dass ein Computer sie nicht lesen kann. Daten, die auf diese Weise geschützt werden, könnten auch nicht manipuliert werden. So simpel und effizient diese Methode in der Theorie erscheint, sie hätte einen entscheidenden Nachteil: Die Daten wären komplett unbrauchbar, da kein Computer sie lesen und somit auch nicht verarbeiten könnte. Der perfekte Kopierschutz wäre somit nutzlos für alle Beteiligten.

Daten müssen zwangsläufig kopierbar sein, um verarbeitet werden zu können. Da jede Datei letzten Endes aus computerlesbaren Zahlen besteht, kann sie auch verändert werden. Ein perfekter Kopierschutz scheint zumindest unter heutigen Voraussetzungen nicht möglich zu sein.


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