Schni Schna Schnappi

Aus den 90er Jahren wird ausgerechnet von Bill Gates die Äußerung überliefert, Schwarzkopien hätten Microsoft in den chinesischen Markt geholfen. Nachdem das Land erst einmal auf den Geschmack gekommen war, habe man Wege finden können, den Trend auch in Geld umzumünzen.

Mittlerweile wird diese positive Sicht auf Schwarzkopien bei Microsoft verschwiegen. Die Softwareindustrie kann aber unter bestimmten Umständen tatsächlich von illegalen Kopien profitieren, da diese eventuell auch solche Computernutzer an ein Programm heranführen, die nicht zur Käuferschicht gehören.

Viele Softwareunternehmen verkaufen ihre Software an Studenten zu günstigeren Tarifen. Die Corel Corporation bietet ihre Software Studenten beispielsweise bis zu einem Drittel günstiger an. Gegen Vorlage eines Studentenausweises geben auch Unternehmen wie Microsoft, Macromedia und viele andere erhebliche Rabatte auf ihre Software. In amerikanischen Elite-Universitäten ist es sogar gang und gäbe, allen Studenten freien Zugang zu kostenpflichtigen Informationsportalen zu gewährleisten. Es ist dort auch üblich, dass viele Softwareunternehmen ihre Programme an Studierende spenden. Die Unternehmen gehen bei ihren „Donations“ davon aus, dass einige Studenten nach dem Abschluss Entscheidungsträger in größeren Unternehmen werden. Über den massenhaften Kauf von Lizenzen entscheiden die Manager dann oft aufgrund ihrer persönlichen Erfahrung mit der Software.

Genauso könnte es aber auch sein, dass ein Student jahrelang die Schwarzkopie einer teuren Software nutzt, da er sich dessen Original nicht leisten kann. Später im Berufsleben kauft er sich dann die aktuelle Version, da er nun über die nötigen finanziellen Mittel verfügt. Eine hohe Anzahl von Schwarzkopien einer bestimmten Software kann somit durchaus den Bekanntheitsgrad erhöhen und der Marktdurchdringung eines Programms helfen.

2001 hielt Dr. Barbara Kreis-Engelhard an der Universität München einen Vortrag im Rahmen der Vorlesung „Internetökonomie“. Dort berichtete sie unter anderem über die Auswirkung der Schwarzkopien für Microsoft. Sie sprach vom „Microsoft-Spezialeffekt“ und erklärte, dass Microsofts Monopolisierung durch die Schwarzkopierer vorangetrieben worden sei. In der Informationswirtschaft werden derartige Auswirkungen als positive Netzwerkeffekte bezeichnet.

Auch das Auktionshaus eBay stand seinen Nutzern vor einiger Zeit noch unentgeltlich zur Verfügung. Erst im Februar 2000 wurden geringe Gebühren für das Einstellen von Artikeln erhoben. Nachdem eBay sich zu einem Quasimonopolisten im Bereich der Online-Auktionen entwickelt hat, sind mittlerweile Gebührenerhöhungen von bis zu 60% die Regel.

Sogar die Musikindustrie kann von derartigen Effekten profitieren. Zwar können einerseits durch den Download von Musik Umsätze verlorengehen. Andererseits werden aber auch mehr Menschen auf die Musikalben aufmerksam. Sie erwerben dadurch möglicherweise das Nachfolgealbum oder besuchen nachträglich das Konzert des Künstlers. Die in Deutschland seit Jahren steigende Zahl von Konzertbesuchern könnte ein Indiz hierfür sein.

Für Aufsehen sorgte auch „Schnappi, das kleine Krokodil“. In Form eines Kinderliedes stürmte es Anfang 2005 bis auf Platz eins der deutschen Charts und eroberte danach auch die Hitparaden vieler anderer Länder bis nach Neuseeland. Bereits 2001 war es von der Komponistin Iris Gruttmann geschrieben und mit ihrer fünfjährigen Nichte Joy als Sängerin aufgenommen worden. Das Kinderlied wurde zunächst auf der CD Iris Lieder – Lied für mich sowie zwei Jahre später auf einem Sampler veröffentlicht. Doch niemand schien sich für das Lied zu interessieren. Irgend jemand stellte es schließlich als MP3-Musikdatei ins Internet. Das Lied verbreitete sich zunächst als Insidertip unter den Downloadern. Als überdies die Radiostationen auf das Lied aufmerksam wurden und „Schnappis“ Beliebtheit immer weiter wuchs, erschien der Song im Dezember 2004 auch als Single-CD und schaffte den Durchbruch. Der Spiegel kommentierte: „Nach wie vor ist der Song kostenlos im Netz verfügbar – und trotzdem kaufen alle die CD. Die Musikindustrie wird sich eine andere Ausrede einfallen lassen müssen.“


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