Selbstregulierung statt Kontrolle

Der Begriff der Selbstregulierung wurde 1929 vom amerikanischen Physiologieprofessor Walter B. Cannon eingeführt und kommt in der sogenannten Systemtheorie vor. Die Systemtheorie ist ein Forschungsansatz, der das Funktionieren von Systemen in Natur, Sozialleben oder Technik untersucht. Systemtheoretiker halten die Einhaltung von Systemregeln für notwendig, damit Systeme fehlerfrei arbeiten können. Wenn diese aber komplexer werden, wird eine Regulierung von außen immer schwieriger. Dann kann es von großem Vorteil sein, wenn ein System die Fähigkeit besitzt, sich in gewissem Maße selbst in einem stabilen Zustand zu halten. In der Natur ist dieses Prinzip allgegenwärtig. So stellt zum Beispiel jeder lebende Organismus ein selbstregulierendes System dar. Er kann die zu seinem Überleben notwendigen Bedingungen, wie zum Beispiel die Körpertemperatur, von sich aus konstant halten. Durch derartige selbstregulierende Funktionen können auch solche Systeme fortbestehen, die ansonsten durch ungehemmtes Wachstum oder nicht mehr beherrschbare Komplexität zusammenbrechen würden.

Die Idee der Selbstregulierung ist in den vergangenen Jahren im Zusammenhang mit dem Prinzip der freien Software immer mehr in den Vordergrund gerückt. Im Grunde hat sie das Internet aber von Anfang an geprägt. Gerade das Internet lebt und profitiert seit jeher davon, dass jeder Benutzer als Teil der Gemeinschaft nach Belieben Informationen publizieren kann. Oft wird als Gegenargument die mangelnde Qualität der Inhalte angeführt. Doch gerade die Masse der Teilnehmer macht es möglich: Wenn jeder genug Inhalte publiziert und möglichst viele Teilnehmer mitmachen, kann ein Vergleich wiederum Qualität garantieren.


 

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