Stochern im Nebel

Schwarzkopierer sind die Sündenböcke

„Die größte Herausforderung für die Musikindustrie war schon immer,
das Kaufen von Musik leichter zu machen als das Stehlen.“

John Kennedy, Vorsitzender der IFPI

Immer wieder erfahren Zeitungsleser und Fernsehzuschauer vom Schaden, den „die Raubkopierer“ verursachen. Oft stützen sich derartige Berichte auf konkrete Zahlen.

Der Schaden, den die Schwarzkopierer anrichten, liegt laut diesen Berichterstattungen häufig im Milliardenbereich, diese enormen Summen würden den Unternehmen jährlich verlorengehen. Betrachtet man die Berichterstattungen allerdings etwas näher, lasst sich schnell feststellen, dass die Zahlen von den Vertretern der Rechteinhaber veröffentlicht werden.

Die Berechnung eines konkreten Schadens durch Schwarzkopien stellt sich als keine einfache Aufgabe dar. Anders als bei einem faßbaren Gut kann der Schaden, der durch die Benutzung einer Software entsteht, nur vage ermittelt werden. Schließlich handelt es sich bei einer Software um ein Produkt besonderer Art. Es ist nicht greifbar und kein materielles Objekt wie ein Auto oder ein Fernseher. Daher begibt man sich im Zusammenhang mit „Diebstahl einer Software“ oft in kontroverse Diskussionen. Beim Diebstahl eines materiellen Gutes besitzt der Dieb das Entwendete, der Bestohlene jedoch nicht mehr. Wird dagegen eine Information aus einer Quelle geladen, besitzt sie der Urheber weiterhin. Durch das Herunterladen einer Software geht also zunächst nichts verloren, denn Softwareprodukte sind unendlich oft reproduzierbare Informationspakete.

Um einen Schaden zu ermitteln, gilt es in Bezug auf „Softwareklau“ daher vielmehr zu klären, ob dem Urheber ein Einnahmeverlust entstanden ist. Von einem Einnahmeverlust kann man jedoch nur dann sprechen, wenn der Kopierende die Software gekauft hätte, anstatt sie zu kopieren. Der Schaden, von dem im Zusammenhang mit Schwarzkopien immer gesprochen wird, ist also eher ein Gewinnausfall. Oft sind es populäre Produkte wie beispielsweise das Programm Photoshop der Firma Adobe, die massenhaft schwarzkopiert werden. Sie können mit bis zu 1.000 Euro und mehr zu Buche schlagen. Worüber jedoch ungern gesprochen wird, ist die Tatsache, dass die meisten illegalen Kopierer es sich nicht leisten können, derart teure Softwareprodukte zu kaufen. Oft handelt es sich um Studenten, die zu Studienzwecken Software kopieren, da sie nicht über die finanziellen Mittel verfügen.

Einige Computernutzer gehen auch einfach nur einer digitalen Sammelleidenschaft nach. Sie kopieren unzählige Musikalben und Filme aus dem Internet, ohne sie jemals alle konsumieren zu können. Sie sind notorische Sammler, bei denen gar nicht jeder Download einem potentiellen Kauf entsprechen kann. Vor allem junge Schüler lagern oft Tausende illegal kopierte MP3-Musiktitel und Filme auf ihren heimischen Rechnern. Der Kaufpreis dieser gesammelten Dateien übersteigt dabei ihr Taschengeldbudget um ein Vielfaches.

Das beliebte Argument, dass ein schmaler Geldbeutel oder ein ausgeprägter Sammeltrieb keinen Diebstahl rechtfertigen, ist im Bereich der Software umstritten. Schließlich kann in der digitalen Welt ein Schaden immer nur durch potentielle Käufer entstehen, die wegen einer Schwarzkopie auf den Kauf verzichten.


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