Zeit der Webwarez

Zieh es dir runter aus dem Web!

Zeit der Webwarez

Eine Entwicklung, die viele Szenemitglieder darin bestärkte, der Szene den Rücken zu kehren, war das Aufkommen der Webwarez. Dies waren Schwarzkopien, die auf Websites zum Download angeboten wurden. Die Dateien lagen dabei ganz offen, ohne Passwortschutz zum Download bereit. Ein einfacher Mausklick genügte, um sie auf dem heimischen Computer zu speichern.

Ähnelten die geheimen Quellen der Crackerszene noch Kellergeschäften, in die man nur durch persönliche Verbindungen und Nennung von Passwörtern gelangte, flogen die Schwarzkopien nun auf Websites herum wie kostenlose Mitnahmeprospekte in Läden.

Der Grund für diese Entwicklung war auch auf die Unerfahrenheit der Strafverfolgungsbehörden mit dem Internet zurückzuführen. Viele Ermittler wussten damals recht wenig mit dem Thema anzufangen. Die Infrastruktur für eine digitale Ermittlung gegen Schwarzkopierer im Web steckte noch in den Kinderschuhen. Eine Strafanzeige gegen Webbetreiber wurde oft aufgrund fehlender Beweise schnell wieder eingestellt. Dadurch fanden die Gelegenheitskopierer zunächst eine stabile Plattform, um Schwarzkopien zu verteilen.

Viele Webwarez-Betreiber gingen so weit, den Besuchern ihrer Seite eine Upload-Funktion anzubieten. Wer sich an der Website beteiligte, war eingeladen, etwas zum Angebot beizutragen. So war es Besuchern sogar möglich, selbst Verzeichnisse in einer Website zu erstellen. Da hierdurch auch die Pflege der Websites immer zeitintensiver wurde, bildeten sich wie einst bei den Cracking Groups organisierte Webwarez-Gruppen. Es gab einen Leiter, der einige Adjutanten für die einzelnen Bereiche ernannte. Die Mitglieder in der unteren Hierarchie hatten die Aufgabe, die Website mit Warez zu füllen.

Mit dem erweiterten Angebot stiegen die Besucherzahlen und damit wiederum die Zahl der Uploader. Die Anzahl der Webwarez-Sites wuchs auf diese Weise rasend schnell. Bald wurden Ranglisten erstellt, die die Top-Uploader mit ihren Pseudonymen auf den Webwarez-Sites auflisteten. Die Strukturen ähnelten sehr denen der ursprünglichen Szene. Wie auch bei den Crackern entstand zwischen den Websites ein Wettstreit: Den größten Ruhm ernteten die Sites, die die meisten und aktuellsten Schwarzkopien anbieten konnten. Mit Verachtung wurden hingegen jene Webwarez-Sites gestraft, die ihr Angebot zu erweitern versuchten, indem sie lediglich Links zu den Schwarzkopien auf anderen Websites setzten. Ihre Betreiber wurden vom Rest der Szene als Linkstealer geächtet. Sie galten als Schmarotzer, die die Sammlungen anderer ausnutzten. Auch hier galt der Grundsatz, dass nur eigene Arbeit mit Ruhm und dem Respekt der Mitstreiter belohnt wurde.

Der Musik- und Softwareindustrie sowie den Strafverfolgungsbehörden blieb das rege Treiben im Internet jedoch nicht lange verborgen. Die ersten Diskussionen darüber, dass das Internet nicht länger ein rechtsfreier Raum sein dürfe, kamen etwa ab 1996 in sämtlichen Medien auf.8 Durch die Industrie angetrieben, wurden auch die Ermittler dazu veranlasst, ihre Kompetenzen auf das Internet auszuweiten. Da die Webwarez-Sites nicht im verborgenen organisiert waren, stellte es sich als nicht allzu schwierig heraus, gegen ihre Betreiber vorzugehen. Außerdem wurden die Dienstleister, die den Speicherplatz für Websites vergaben, verpflichtet, die Verantwortung für ihre Dienstleistungen zu übernehmen.

Im Jahre 2000 war die Webwarez-Szene schließlich fast völlig ausgestorben. Heute gibt es aufgrund scharfer Kontrollen nur noch wenige Internetseiten, die über einen längeren Zeitraum Schwarzkopien zum freien Download bereithalten können.

Und doch zeigten die plötzlich entstandenen Webwarez eindrucksvoll, wie groß auch bei den Gelegenheitskopierern der Wunsch nach einer eigenen Szene war. Websites schienen zwar kein dauerhaft geeigneter Ort für Schwarzkopien zu sein, das Internet hatte jedoch dafür gesorgt, dass sich die Gelegenheitskopierer etwas in den Kopf setzten: die weltumspannende Verbreitung und Beschaffung von Schwarzkopien. Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis sich auch die Gelegenheitskopierer in einem zweiten Anlauf zu einer Subkultur formieren würden.


Zusatzmaterial zum Thema Webwarez:

Webwarez Gelegenheitskopierer

Webwarez
Schwarzkopien direkt vom Browser

Es gibt die organisierte Schwarzkopierer-Szene. Und dann gibt es den Rest der Welt, die ebenso einem Tauschtrieb nachgehen. Diese nutzen die üblichen Kanäle des Webs. Der Tausch der Webwarez sind somit die am häufigsten genutzten Kanäle zum Downloaden von Schwarzkopien.


IRC Release Groups

IRC Warez
Schwarzkopien aus dem Chat

Schwarzkopierer gab es vor dem World Wide Web. Und vor dem World Wide Web gab es den Chat. IRC, abkürzung für Internet Relay Chat ist das älteste und bis heute noch genutzte Chat-System im Internet, bevor der Browser erfunden wurde. Bereits in diesen IRC-Kanälen haben sich Schwarzkopierer-Gruppen organisiert.


2. Kopie der Kopie der Kopie



Release Szene Entstehung Schöne Neue Szene

Durch das Internet entstand eine neue Raubkopierer-Szene
Die organisierten Cracker hatten einst ohne das Internet ihre Verbreitungswege aufgebaut. Doch durch das Aufkommen des Internets entstand eine neuartige und viel größere Raubkopierer-Szene. Sie bilden noch bis heute die größte Organisation in der Hacker-Subkultur.


Ursprung Warez Der Ursprung aller Warez

Woher kommen die Raubkopien eigentlich her?
Softwareprodukte sind kopiergeschützt, d. h. jemand macht sich die Mühe diesen zu entfernen und die Kopie in Umlauf zu bringen. Daher hat jede Raubkopie hat seinen Ursprung. Doch woher stammen die Raubkopien?




















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