Raubkopierer sind Verbrecher – oder etwa nicht?

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Das Buch „NO COPY“ wirft erstmals einen umfassenden Blick auf die kurze Geschichte und die Gegenwart eines international virulenten Phänomens.

Während große Teile der Bevölkerung einen Großteil ihrer Zeit damit zubringen Musik, Filme und Software aus dem Internet herunterzuladen, während die Werbeindustrie einen eigenen Zweig herausgebildet hat, der an der Kriminalisierung von Datenklau arbeitet und die Musikindustrie einen Krieg gegen die Befürworter der offenen Informationsgesellschaft ausficht, gibt es zum Thema doch kaum grundlegende Literatur.

Zwar meldete sich mit Lawrence Lessig gerade wieder einmal die unumstrittene Koryphäe auf dem Feld der Urheberrechtsfragen zu Wort, doch artikulieren sich die Praktiker, Programmierer und Hacker noch immer hauptsächlich in ihrem angestammten Medium, dem Netz. Das jüngst erschienene „No Copy – Die Welt der digitalen Raubkopie“ ist somit wohl das erste Buch, dass das Thema ganz grundsätzlich und von den verschiedensten Seiten her aufarbeitet.

Die Autoren Jan Krömer und William Sen, Jahrgang 1979 und Jahrgang 1975, sind selbst Programmierer und Hacker und haben ihre ganz konkreten Erfahrungen im Underground der Netzkultur gesammelt. Sie erzählen in sehr lesbarer Sprache noch einmal die Geschichte der digitalen Raubkopie, von den ersten Hackern bis zum Massenphänomen des weltweiten Filesharings.

Dabei diskutieren sie die Frage, ob die Industrie mit ihrer weitgehenden Blockadehaltung gut beraten sind, wie berechtigt die Kriminalisierung der einzelnen User ist, und wer überhaupt die treibenden Kräfte hinter Tauschbörsen und der Umgehung von Kopierschutzcodes sind. Auf der anderen Seite beleuchten sie die Industrie und ihre Versuche, Daten zu schützen und ihre illegale Zirkulation zu verhindern. Die Autoren sind in ihrer Darstellung technisch präzise und bieten zugleich eine große Fülle unterhaltsamer Anekdoten aus der Welt der Cyberkultur.

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