Wie man die Link Popularity nutzt

Aktueller Hinweis: Dieser Artikel wurde am 28. Mai 2004 im Fachmagazin Wissenskapital.de veröffentlicht. Die hier angegebenen Angaben beziehen sich auf Suchmaschinen aus dem Jahre 2004. Digitalwelt.org hat aus historischen Gründen diesen Artikel aufbewahrt, um zu zeigen, wie die Welt der Suchmaschinen vor mehr als 15 Jahren aussah. Der Autor Dr. William Sen ist bis heute einer der führenden SEOs.


von Dr. William Sen

Den Begriff hat man schonmal irgendwo gehört: Link Popularity. Damit konnte man relativ einfach seine Webseite „populär“ machen: „Umso mehr Webseiten auf mich verlinken, desto höher werde ich in der Suchmaschine platziert“. Doch was ist eigentlich Link Popularity?

Das Problem ist bei den Suchmaschinen aktueller als je zuvor: Die Über-Optimierung von Webseiten führt immer öfter zu nicht-relevanten Treffern in Suchmaschinen. Der Benutzer sucht beispielsweise nach Kochrezepten und landet auf einer Erotik-Seite oder in einer eBay-Auktion für DVD-Player – die Resultate der Suchanfrage entspricht dann nicht immer den Erwartungen der Benutzer. Die Ursache: Spamming.

Eine intellektuelle Bewertung bei Milliarden von Webseiten scheint nahezu unmöglich. Öffentliche Suchmaschinen kommen nicht drumherum: Sie müssen Webseiten automatisch bewerten. Doch, wie weit kann man von einem Computer erwarten, dass er Inhalte von Webseiten nach Qualität beurteilt?

Google hat es vorgemacht: Vor einiger Zeit noch galt die Link Popularity zu den bekanntesten automatischen Algorithmen zur Bewertung von Webseiten. Umso mehr Links von anderen Webseiten auf eine andere Webseite verlinkten, desto wichtiger stieg sie in der Bewertung. Durch ein Ranking-Verfahren genannt PageRank wurden Webseiten Punkte vergeben und erkämpften sich so ihre Platzierung in der Auflistung nach einer Suchanfrage. Seit der großen Spam-Diskussion hat aber selbst die Link Popularity bei Google längst an Bedeutung verloren. Google hat erst Anfang des Jahres 2004 sein Algorithmus erneut verändert, nachdem Spammer mit künstlich geschaffenen „Linkfarmen“ Google-Platzierungen massenweise manipulierten.

Immer mehr Suchmaschinen setzen mittlerweile auch semantische Verfahren ein, um Webseiten besser zu bewerten, so auch Google. Dabei werden aber nicht nur einzelne Inhalte einer Webseite analysiert, sondern auch die Konsistenz zu der gesamten Webseite. So kann es passieren, dass bestimmte Nischenthemen hochgewertet werden können, während andere populäre Themen niedriger in der Bewertung ausfallen. Google setzt derzeit bei seinem neuen Algorithmus auf Portale und bewertet die Webseiten höher, die bestimmte Themen in großen Mengen anbieten: Quantität als Bewertungsmerkmal sozusagen.

Link Popularity geht hier einen anderen Weg.. Es handelt sich hierbei um ein Ranking System, das das Verhalten der Benutzer auswertet. Nicht also der Algorithmus der Suchmaschine hat Vorrang, sondern der Suchende selbst, ganz nach dem Motto: „Wenn wir den Benutzer verstehen, wissen wir, was wir ihm geben können.“ Bei Link Popularity wertet das System z. B. aus, wie lange ein Benutzer auf der Zielwebseite bleibt und dann wieder zur Suche zurückkehrt. Wenn beispielsweise viele Benutzer nach einer Suche nur kurz bei einer Webseite A bleiben, schlussfolgert die Suchmaschine, dass diese Webseite A scheinbar nicht relevant zur Suchanfrage war und wertet diese ab.

Bei diesem Algorithmus verlässt sich die Suchmaschine also auf die Benutzer. Doch, hier muss man sich die Frage stellen: Kann sich ein Algorithmus zur logischen und mathematischen Bewertung von Inhalten auf das menschliche Verhalten verlassen? Viele Untersuchungen zeigen, dass Benutzer eben nicht alle nach gleichen Mustern ihre Suche formulieren. Während ein Anfänger meist Boole’sche Operatoren nicht kennt (UND-ODER-Verknüpfungen), sucht ein Professional meist mit viel längeren Suchphrasen. Zudem kommt noch dazu, dass ein „Stöbern“ von einem Gelegenheitssurfer auch dazu führt, dass er nach einer relativ klar formulierten Suchanfrage von seinem Ziel inhaltlich abweicht und plötzlich sich auf einer Webseite befindet, die ihn trotzdem interessiert.

Ein weiteres Problem geht aber auch darauf zurück, dass nicht einzelne Benutzerprofile gewertet werden können. Die Suchmaschine hat nicht die Möglichkeit herauszufinden, welcher Benutzer nach welchen Interessensmerkmalen und Verhalten vorgeht und so beispielsweise eine Klassifizierung vornehmen. So wird bei Link Popularity jedes Verhalten eines beliebigen Benutzers nach dem gleichen Prinzip ausgewertet.

Die Meinungen zu Link Popularity gehen auseinander. Die Resultate der Suchmaschine können bei der Bewertung oft sehr ungenau sein. Trotzdem verlässt sich Link Popularity auf eine Selbstregulation. Wenn die höchste Anzahl der Benutzer nach einem bestimmten Muster Inhalte suchen, sind einzelne Ausnahmen bereits nicht mehr wichtig. Schließlich soll die Suchmaschine für die Allgemeinheit relevante Inhalte bieten, so zumindest ein Argument für den Einsatz von Link Popularity.

Link Popularity wird derzeit in geringem Maße als zusätzliches Feature von Yahoo, Lycos und AltaVista eingesetzt, jedoch nicht als Basis für den Gesamtalgorithmus. Google dagegen hat Link Popularity als Bewertungssystem ausgeschlossen, hier vertraut man auf ein von außen nicht beeinflussbares Bewertungssystem.
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