Tag Clouds: ein Wetterbericht

Warum es auf die Wolke ankommt

von Bianka Boock

Am digitalen Himmel wird es eng. Die vielfach zitierte „Cloud“ zum Speichern von Fotos und anderen Dokumenten die virtuelle Welt erobert.

Auch Wolken aus Begriffen sind fast überall aufgezogen – in Blogs, in Social-Bookmar-king-Diensten, auf News Sites und in Suchmaschinen, als Kasten oder Ellipse, starr oder beweglich, zusammen mit zahlreichen Tools zum Generieren dieser Informationswolken. Doch was bringen sie eigentlich?
Nicht immer ist der Nutzen einer Tag Cloud klar ersichtlich. Steht zum Beispiel „Community Social Gaming Social“ neben „Media Social Media“ und darunter „Marketing Social Media Studie Social“, löst die Wolke vor allem Verwirrung aus. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man: Es handelt sich um die einzelnen Tags „Community“, „Social Gaming“, „Social Media“, „Social Media Marketing“ und „Social Media Studie“.

Kaum klarer wird es, wenn sich eine Tag Cloud über eine ganze Page einer Website erstreckt. Dann scheinen die Tags ineinander zu verschwimmen. Taucht neben Abkürzungen und Substantiven plötzlich ein Adjektiv auf, bedeutet dieses nicht zwangsläufig einen Lichtblick. Stattdessen stiftet es in seiner Ausnahmerolle eher Verwirrung. Dabei sollen Tag Clouds das Gegenteil bewirken – nämlich Informationen visualisieren und sie auf einen Blick erfassbar machen.

Von der gewichteten Liste zur Tag Cloud

Ursprünglich hießen diese Instrumente auch nicht „Tag Clouds“, sondern ganz sachlich „gewichtete Listen“. Mit ihnen soll Jim Flanagan 2002 in seinem Blog Plugin „Zeitgeist“ erstmals dargestellt haben, mit welchen Suchabfragen User zu seinem Blog gelangten. Die Foto-Sharing-Applikation Flickr setzte dieses Instrument mit einigen Änderungen als erstes ein, um den Nutzern das Auffinden von Fotos zu erleichtern.1

Dies geschah parallel zur Herausbildung des Social Web, als sich passive Nutzer zu aktiven Autoren entwickelten. Immer mehr User begannen, gemeinsam an ihren Beiträgen zu arbeiten. „Die Kooperation endet nicht beim Bereitstellen von Content, sondern schließt bei einigen Web-2.0-Services auch die inhaltliche Erschließung des bereitgestellten Wissens mit ein“, erklären die beiden Wissenschaftler Isabella Peters und Wolfgang G. Stock in „Folksonomies in Wissensrepräsentation und Information Retrieval“.2 Um diese Erschließung zu ermöglichen, versehen die User Inhalte gemeinschaftlich mit frei gewählten Tags. Die dabei entstehenden Sammlungen werden als Folksonomien bezeichnet. Der Social-Book-marking-Dienst Delicious (ehemals Del.icio.us) wendete diese 2003 als erstes an.3 Die kollaborativen Tagging-Systeme, zu denen neben Flickr und Deli-cious auch Technorati zählt, wuchsen und mit ihnen wurde die Benutzung von Tags populär. Gleichzeitig entwickelte sich die Tag Cloud zu einer beliebten Methode zur Informationsvisualisierung.4

Ebenso zeitgemäß war, dass die einstige gewichtete Liste zur Tag „Cloud“ wurde. Denn die Wolke – einer der ältesten Bestandteile des Computer-Jargons – hatte sich gerade zur Metapher für so gut wie alle Internetelemente herausgebildet. Ob für Technologieunternehmen und deren Erfindungen oder gleich für das gesamte Internet – die Cloud wurde zum Symbol.5

Einfach scannen und klicken

Dass die Tag Cloud sich als Tool ausbreitete, ist zu einem großen Teil auf ihre Einfachheit zurückzuführen. Sie fungiert als simpel zugänglicher Einstiegspunkt für User mit unkonkreten Suchvorstellungen.
Denn sie ermöglicht ein Scannen bereits vorhandener Begriffe und gibt somit sofort einen Überblick über die Themen einer Quelle. Durch die größere Darstellung bedeutender Tags offenbaren sich Trends auf den ersten Blick. Darüber hinaus transformiert die Tag Cloud Wissen in Navigationselemente: Klickt ein User einen Tag an, leitet ein Binnenlink ihn zu den mit diesem Keyword gekennzeichneten Dokumenten. Somit liegt diesem Prinzip eine andere Basis zugrunde als dem Prinzip der Informationserschließung über Suchabfragen. Die Stärke: Das Scannen der Cloud und das Anklicken von interessanten Tags ist häufig einfacher als Suchabfragen zu formulieren, vor allem dann, wenn der Inhalt in einer fremden Sprache dargestellt ist. Der Zugriff auf möglicherweise komplexe Inhalte oder Dienstleistungen wird erleichtert.6

Probleme über Probleme

Jedoch zeigten sich schnell auch Schwächen der ersten Generation der Tag Cloud. Usability-Studien haben ergeben, dass Nutzer nicht verstehen, wie die Begriffe in der Schlagwortwolke sortiert sind (in der Regel alphabetisch). Auch ist ihnen nicht klar, warum einige Begriffe größer dargestellt sind als andere. Die Größe eines Begriffs beinhaltet in Tag Clouds die durchaus wichtige Information über die Häufigkeit dieses Begriffs. Sinn und Funktionsweise erschließen sich offenbar nicht intuitiv.7 Gleiches gilt für die Verwendung unterschiedlicher Farben. Insbesondere, wenn viele Tags in schwer zu unterscheidender Schriftgröße aneinandergereiht werden, geht die Übersichtlichkeit verloren. Der User hat kaum eine Chance, zu unterscheiden, welcher Tag bedeutender ist.

Marti A. Hearst und Daniela Rosner haben beobachtet, dass die Länge eines Tags sich auf dessen Größe auswirkt. Darum erwecken lange Tags den Eindruck, sie wären populärer.6 Außerdem werden in den Tag Clouds der ersten Generation Verwandtschaften zwischen den Tags nicht angezeigt. Eine Tag Cloud kann beispielsweise sowohl einen Singular-Begriff als auch einen Plural-Begriff, richtige und falsche Schreibweisen sowie synonyme Begriffe anzeigen, ohne dass jene zusammenstehen. Eine der Folgen: Trotz eventuell zahlreicher Begriffe dominieren oft wenige Themen die Wolke. Zudem haben es neue Themen schwer, sich zu etablieren, insbesondere dann, wenn auch die zeitliche Ebene fehlt, also nicht unterschieden werden kann, wann welches Thema welches Gewicht hatte. Da die „alten“ populären Tags bereits viele Male verwendet worden sind, verfügen sie über einen „Vorsprung“ gegenüber neuen Tags. Sie erscheinen auch dann noch in der Tag Cloud, wenn das Interesse an ihnen längst gesunken ist. Steht dann in einer Tag Cloud immer nur „Audi“ neben „Auto“ ist der informationelle Mehrwert sehr überschaubar.

Ein anderes Problem hat seine Ursache im hohen Datenaufkommen. Mit der Zeit wächst zwangsläufig die Anzahl der Tags. Werden zu viele Begriffe, vielleicht sogar alle, abgebildet, überfluten Informationen den Nutzer. Ein schneller Überblick ist unmöglich. Somit wird die Anwendung unhandlich und nutzlos. Doch auch schlanke Tag Clouds können negativ geladen sein. Der Grund für ihre Übersichtlichkeit besteht nämlich meist darin, dass sie Informationen vorenthalten. Sie filtern Daten, auch ohne dass der User erfährt, nach welchen Kriterien.8
Aus fast sämtlichen Untersuchungen geht hervor, dass es bei Tag Clouds der ersten Generation an Interaktion mangelt. Es bestehen kaum Möglichkeiten, das Aussehen der Tag Clouds zu beeinflussen. Hinzu kommt nicht selten ein zu großes Suchfeld. Das heißt: Klickt ein User einen Tag an, erhält er alle mit diesem Tag versehenen Inhalte angezeigt. Die Trefferliste ist lang und unübersichtlich.4

Vielfältige Verbesserungsvorschläge

Wissenschaftler und Entwickler haben versucht, diese Probleme zu beheben. Sie entwickelten beispielsweise Tag Clouds, deren Anzahl an Tags mit Hilfe von Frequentierungswerten bestimmt werden kann.7 Als besten Weg, dem großen Datenaufkommen zu begegnen, bezeichnet Kevin Hoffmann in seinem Papier „In Search of a perfect Tag Cloud“8 die Lösung des internationalen Social-Bookmarking-Projekts „Moniqer“. Hier gewährt die Tag Cloud dem User die Optionen „See more“ und „See less“. Mit diesen Funktionalitäten kann er selber einstellen, ab welchem Gewicht Tags in seiner Cloud erscheinen sollen. Er kann kontrollieren, wie die Daten, die ihm angezeigt werden, gefiltert werden. Erscheinen sie nicht, weiß er, warum sie ausgeschlossen wurden.

Zum Ermitteln der Schriftgröße haben Informationswissenschaftler verschiedene Algorithmen ermittelt.9 Zudem wird das Abrücken von der alphabetischen Anordnung der Tags als weitere Lösung gesehen. Es gibt Ansätze, nach denen die Tags beispielsweise horizontal, vertikal oder nach Semantik und Clustern angeordnet werden.10 Hinter den Tag Clusters verbirgt sich jedoch noch mehr. Bei ihnen handelt es sich um semantische Netze von Tags. Grob umschrieben werden Begriffe, die sich ähnlich sind, gruppiert und zusammenhängend angeordnet. Sie ermöglichen ein grafisches Retrieval und stellen eine sinnvolle Ergänzung bzw. Alternative zur Tag Cloud dar.11 Denn auf diese Weise dominieren beispielsweise nicht mehr nur einige Themen die Tag Cloud.

Ausführlich auf Lösungen zur Verbesserung von Tag Clouds geht Mogens Nielsen in „Functionality in a Second Generation Tag Cloud“4 ein. Demnach macht die ideale Tag Cloud die zeitliche Komponente nutzbar. Die Yahoo Research Labs bauten das Visualisierungstool Taglines auf, das 2006 vorgestellt wurde. Es ermöglicht Usern, auf Tags oder Vorschaubilder zu klicken und die Geschwindigkeit zu bestimmen, mit der sie sich durch diese bewegen können.12 Taglines schafft also die Möglichkeit, visuell nachzuvollziehen, wie sich Begriffe über einen bestimmten Zeitraum entwickeln. Das Nutzen von Time Stamps bietet hier viele Möglichkeiten. Dabei wird festgehalten, wann Tags verwendet werden. Somit kann der User nicht nur anzeigen lassen, welches die populärsten Tags über den gesamten Aufzeichnungszeitraum sind, sondern beispielsweise auch die am stärksten frequentierten Begriffe in einer bestimmten Zeitspanne. Somit werden Trends ersichtlich.

Delicious implementierte hingegen sogenannte „Tag Rolls“. Diese ermöglichen dem User, Parameter wie Schrift und Farbe zu bestimmen und so eine eigene Tag Cloud zu designen. Überhaupt werden viele Möglichkeiten genannt, wie eine Tag Cloud Mehrwert für den User erhalten kann. Dazu gehört auch das Verbessern der Cloud mit „Faceted Browsing“. Kurzum: Die Lösungsversuche sind ebenso vielfältig wie komplex.

„Jedem seine Tag Cloud“

Schöpfer von Tag Clouds stehen vor enorm großen Herausforderungen – häufig ohne zu ahnen, mit wie vielen Aspekten Tag Clouds verbunden sind. Somit befördern sie mit Hilfe verschiedener Programme Tag Cloud um Tag Cloud und Word Cloud um Word Cloud in unterschiedlichsten Ausprägungen ins Internet – im Glauben an einen Nutzen. Viele erhoffen sich einen optischen Anreiz. In vielen Blogartikeln und Forenbeiträgen geht es um „schöne“, „hübsche“ und sogar „sexy“ Tag Clouds. Andere erwarten positive Wirkungen im Sinne der SEO. Immerhin handelt es sich bei Tag Clouds um Listen von Links.

Doch das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“. Matt Cutts, Leiter des Google-Webspamteams, erklärt: „Wenn ihr es übertreibt, vertrauen wir diesen Links möglicherweise nicht. Außerdem kann es das Ranking eurer Site beeinflussen. Wenn es nur wenige Tags sind, hat dies wahrscheinlich keinen negativen Einfluss auf euer Ranking, aber es handelt sich dennoch um eine Anzahl von Links auf eurer Site, die vom PageRank durchlaufen werden. Wenn der PageRank eure Website durchlaufen soll, ist es möglicherweise sinnvoller, ihn auf die einzelnen Blog Postings zu verweisen, statt bestimmte Dinge als SEO oder Google oder ähnliches zu taggen.“ Er verwende in seinem Blog eher Kategorieleisten als Tag Clouds.13

Die Aussichten

Viele prognostizieren Tag Clouds keine gute Zukunft. Sie werden als Hype eingestuft, als Spielerei bezeichnet oder – wie bei einigen Online-Medien – nach einer Experimentierphase wieder von der Site entfernt. „Die Tag Cloud hat ausgeregnet“, heißt es beispielsweise im Blog von Rainer Meyer14. Sebastian Preuss stellt nach seiner Betrachtung der Schwächen und deren Lösungsversuche fest: „Der Nutzen für Web-Laien […] bleibt fraglich, denn die neuen Funktionen und Konzepte erhöhen die Intuitivität der Wort-Wolken nicht; im Gegenteil: Es ist zu vermuten, dass Tag-Clouds der zweiten Generation auf unerfahrene User noch komplexer und damit abschreckender wirken.“7 Er rät dazu, vor der Implementierung einer Tag Cloud über die Ziele nachzudenken, die Zielgruppe zu analysieren und zu überlegen, inwiefern die Tag Cloud Usern Mehrwert bieten kann.
In dieser Strategie liegt Potenzial. Ein Beispiel dafür, wie dieses erfolgreich genutzt werden kann, ist chefkoch.de. Hier wurde die Tag Cloud mit Kategorien verknüpft. Obwohl die Kategorisierung – im Gegensatz zum Tagging – auf einer Hierarchie aufbaut und die verschiedenen Sichtweisen limitiert, welche kollaboratives Tagging eröffnet4, ergänzt sie die Tag Cloud auf chefkoch.de vorteilhaft. Der User hat die Möglichkeit, sowohl die meistfrequentierten Tags in der Wolke anzuklicken als auch in den Kategorien zu stöbern. Erhaltene Treffer lassen sich wahlweise über eine neue Tag Cloud oder über Kategorien eingrenzen. Verschiedene Nutzertypen werden ideal angesprochen. Der User weiß intuitiv, wie er das Instrument benutzen kann.

Ein anderes Beispiel: Quintura15. Dabei handelt es sich um eine interaktive Metasuchmaschine, welche die Suche visuell mit Tag Clouds unterstützt. Wird ein Begriff ins Suchfeld eingegeben, liefert Quintura neben einer Trefferliste auch eine Tag Cloud, in der Begriffe erscheinen, die im Zusammenhang mit dem Suchbegriff stehen. Durch Klicks auf einen der Tags kann der User die Ergebnisse eingrenzen.

Die Aussichten für die Tag Cloud hängen also von ihrer jeweiligen Art, Ausprägung und Zielgruppenorientierung ab. Somit trägt die Tag Cloud übrigens das Prädikat einer Wolke zu Recht. Wie die verschiedenen Wolken entweder gewünschten Niederschlag, Sonne oder gar Gewitter bringen, haben die Tag Clouds Einfluss auf das Klima in ihrem Territorium. Und: Sie können wachsen oder schrumpfen, bleiben, sich auflösen oder weiterziehen und danach vielleicht wiederkommen.

Quellen

  1. Chao Zhou and Aurélien Bénel, „From the crowd to communities: New interfaces for social tagging“, http://coop.wineme.fb5.uni-siegen.de/proceedings2008/6_02_cZhou_al_242-249.pdf
  2. Isabella Peters und Wolfgang G. Stock, „Folksonomies in Wissensrepräsentation und Information Retrieval“, http://wwwalt.phil-fak.uni-duesseldorf.de/infowiss/admin/public_dateien/files/1/1204545101folksonomi.pdf
  3. „Social Tagging“, http://de.wikipedia.org/wiki/Social_Tagging
  4. Mogens Nielsen, „Functionality in a second generation tag cloud“, http://www.hig.no/content/download/9053/122120/file/Nielsen%20-%20Functionality%20in%20a%20second%20generation%20tag%20cload.pdf
  5. Geoffrey A. Fowler, Ben Worthen, „The Internet Industry Is on a Cloud — Whatever That May Mean“, http://online.wsj.com/article/SB123802623665542725.html
  6. Kathrin Knautz, Simone Soubusta, Wolfgang G. Stock, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, „Tag Clusters as Information Retrieval Interfaces“, http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/fileadmin/Redaktion/Institute/Informationswissenschaft/stock/Knautz_Soubusta_Stock.pdf
  7. Sebastian Preuss, „Sichtweisen auf Tag-Clouds (Teil 2): Usability-Probleme und Lösungsversuche“, http://blog.seibert-media.net/2009/01/12/sichtweisen-auf-tag-clouds-teil-2-usability-probleme-und-loesungsversuche/
  8. Kevin Hoffmann, „In Search of a perfect Tag Cloud“, http://files.blog-city.com/files/J05/88284/b/insearchofperfecttagcloud.pdf
  9. „Schlagwortwolke“, http://de.wikipedia.org/wiki/Schlagwortwolke
  10. Dozent: Prof. Manfred Thaller Tag clouds, Referentin: N.X. Duyen Tao-Pham, „Hauptseminar WS10-11: VRE“, http://www.hki.uni-koeln.de/sites/all/files/courses/3133/PhamTAG%E2%80%93CLOUDS.pptx
  11. Kathrin Knautz, „Von der Tag-Cloud zum Tag-Cluster. Statistischer Thesaurus auf der Basis syntagmatischer Relationen und seine mögliche Nutzung in Web 2.0-Diensten“, http://wwwalt.phil-fak.uni-duesseldorf.de/infowiss/admin/public_dateien/files/66/1227016633tag_cloud_.pdf
  12. „Taglines – tag visualization from Yahoo! Research“, http://tagsonomy.com/index.php/taglines-tag-visualization-from-yahoo-research/
  13. „Helfen oder behindern Tag-Clouds meine SEO?“, http://googlewebmastercentral-de.blogspot.de/2010/09/helfen-oder-behindern-tag-clouds-meine.html
  14. „Don Alphonso“, „Die Tag Cloud hat ausgeregnet“, http://blogbar.de/archiv/2007/09/28/die-tag-cloud-hat-ausgeregnet/
  15. www.quintura.com

Tag Clouds für Social-Media-Inhalte

Tag Cloud Beispiel

von Dr. William Sen

Die Tag Cloud ist eine der gängigsten und bekanntesten Methoden zur Visualisierung von Schlagwörtern. Hierbei werden aus einer Liste von Keywords diejenigen mit der häufigsten Nennung ermittelt und optisch hervorgehoben. So entsteht die namensgebende Wortwolke.

Im Social Media Monitoring kann eine Tag Cloud dazu dienen, Keywords in einer Datenbank zu gewichten. Grundannahme dieser Visualisierungsmethode ist, dass größer geschriebene Wörter mehr Aufmerksamkeit erregen.

Tag Clouds sind allerdings mit Risiken verbunden. In Social Media sind nicht unbedingt die Schlagwörter, die am häufigsten erwähnt werden, gleichzeitig Hinweise auf die wichtigsten Themen.

Tag Clouds können vielfältig dargestellt werden: So wirken vor allem interaktive Tag Clouds, oft durch 3D-Effekte unterstützt, auffällig. Diese Art des visuellen Blickfangs kann eventuell als Sales-Argument genutzt werden.

Der tatsächliche Nutzen von Tag Clouds wird von Experten jedoch kritisch hinterfragt und als gering bewertet. Bei genauer Betrachtung bringen Tag Clouds mehr Nachteile als Vorteile. Eine Datenbank mit Social-Media-Inhalten lässt sich nur schwer in einer Tag Cloud darstellen. Es ist kaum möglich, die große Menge an Wörtern auf eine einzige Visualisierung zu reduzieren. So beschränken sich die meisten Tag Clouds zwangsläufig auf die Wörter mit den häufigsten Nennungen. Die Erfahrung zeigt, dass es sich dabei oft um Wörter handelt, die in der Datenbank mehr als 5.000-mal vorkommen. Diese Art der Darstellung führt zu einem immensen Informationsverlust, da alle anderen Begriffe nicht angezeigt werden. Die entstehende Auswahl an Wörtern spiegelt die Themen der Community unter Umständen nicht adäquat wider. Es entsteht der Eindruck, dass nur diejenigen Begriffe und Themen wichtig sind, die mehr als 5.000-mal Erwähnung fanden. Vor allem Social Media ist allerdings dafür bekannt, dass nicht die Menge der Wörter die Wichtigkeit beeinflusst, sondern die Reichweite der Meinungen einzelner Nutzer.

Zwar besitzen einige Tag Clouds interaktive Funktionen. Doch auch sie bieten letztlich kein eindeutiges Bild der tatsächlichen Wichtigkeit der diskutierten Themen. Ein weiteres Manko vieler Tag Clouds ist die Unklarheit ihrer Aktualität. Da das Alter der Informationen meist nicht angegeben wird, zeigt sich nicht, welche Themen wann einen Höhepunkt verzeichnen konnten. „Es ist für neue Tags deshalb sehr schwer, prominent beziehungsweise überhaupt sichtbar zu werden“ (Preuss, 2009).

Die Mehrheit aller Tag Clouds lässt sich zudem nicht auf Themen eingrenzen, sondern bildet wahllos die Häufigkeiten aller Begriffe ab. „Viele groß dargestellte Tags beziehen sich auf das gleiche Thema, weshalb Tag Clouds häufig redundant sind“ (Preuss, 2009). Zwar gibt es wesentlich komplexere Tag Clouds, die auch in der Lage sind, Wörter Themen zuzuordnen, diese Variante widerspricht jedoch dem Prinzip der Einfachheit. Thematisch zugeordnete Tag Clouds sorgen durch ihre Komplexität für neue Anforderungen an den Nutzer. Letztlich sollte in Erfahrung gebracht werden, welche Handlungsempfehlungen aus der Tag Cloud abgeleitet werden können.

Laut Preuss (2009) stellen sich vor dem Einsatz einer Tag Cloud drei wesentliche Fragen:

  • Was möchte der Anbieter mit der Darstellung erreichen?
  • Welche Zielgruppe spricht die Darstellung an (erfahrene User oder Gelegenheitsnutzer)?
  • Welche Ziele haben die User und inwiefern hilft ihnen eine Tag Cloud dabei, diese Ziele zu erreichen?

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