Cologne Conference

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Januar 2000 | von William Sen, Denis Moschitto

Party Report

Szenemitglieder

Jubelnde Szenemitglieder
auf der Cologne Conference 99

Wenn sich Softwareentwickler zu einem besonderen Anlass an einem Tisch mit talentierten Demoscenern und Crackern ein Bier gönnen, ist das zweifelsohne kein gewöhnlicher Anblick. Bei der Cologne Conference, die am Samstag, dem 13. November 1999 in Köln zum gemütlichen Beisammensein einlud, war dieses Bild jedoch nichts besonderes. Wie auch die RADWAR Party schwören die Organisatoren der Cologne Conference eine Szene-Party ohne Computer zu sein. Dadurch rückt auf dieser Zusammenkunft das Gespräch und der gegenseitige Austausch in den Vordergrund. Die Cologne Conference 99 (CC99) wurde dieses Jahr parallel zu der Home Electronics World in Köln u.a. von den Autoren des Buchs “Hackerland” organisiert.

Es zeigte sich diesmal deutlich, dass die Besucherzahl der Party stark von der Messe abhängig ist. Trafen sich im letzten Jahr noch über zweihundert Computerfans und Szenemitglieder, fanden sich diesmal nur knapp einhundert Mitglieder der Scene im Gastro-Betrieb “Rheinländer” ein. Anwesend waren unter anderem Mitglieder der Gruppen Abyss, Animators, Bad Karma, Cellblock 4, Crest, Darkage, Drifters, Eremation, Exterminators, Faith, Hoodlum, Hotstuffers, Nuance, Omen, Paradox, Radwar, Remedy, RNO, Sanity und TRSI. Somit war die alte Garde wieder einmal beisammen und konnte diesmal in einer etwas geräumigeren und vor allem angenehmeren Atmosphäre über die guten alten Zeiten plaudern. Der Veranstaltungsraum, der nur etwa zwei Kilometer vom Messegelände gelegen war, bot neben einer kleinen Bühne, auf der ab 21 Uhr die Fun-Wettbewerbe abgehalten wurden, Platz für ungefähr hundertfünzig Leute. Die genaue Wegbeschreibung entnahm man den Plakaten, die nahezu an jeder Säule der Messehalle befestigt waren.

Competitions

Günther Freiherr von Gravenreuth

Günther Freiherr von Gravenreuth

Mittlerweile gilt die CC in Insiderkreisen schon fast als eine Art Klassentreffen der alten Szeneschule, auf dem gelassen bei einem Glas Bier in Erinnerungen geschwelgt wird. Die CC99 hatte aber in diesem Jahr weitaus mehr zu bieten, als bloß den Boden für eine kleine Plauderrunde: Die Organisatoren ließen sich verschiedene Spielchen einfallen, um die Stimmung im Saal zu keinem Zeitpunkt absinken zu lassen.

Die interessanten Sachpreise, die zum Teil von diversen Firmen gesponsert wurden, mussten sich Freiwillige auf der Bühne beim Hardware-Boule, einer Partie Dyna-Blaster oder Sensible-Soccer erkämpfen. Bei der 2400-Modem-Competition, bei der es darauf ankam, einen 2400-Baud-Connect mit der eigenen Stimme zu simulieren, demonstrierte der in der Scene bekannte Santa Claus aus Belgien der grölenden Menge, dass dieser am besten mit einem zünftigen Schluck Bier im Rachen gurgelnd imitiert werden kann. Beim Wettkampf um die heißbegehrten Commodore-Poster hatten die Teilnehmer nur eine Chance, wenn ihre Interpretation des Amiga Songs Back for the Future mit lautem Applaus honoriert wurde. Den Windows-PC-Zerstör-Wettbewerb ließen sich die Organisatoren diesmal nicht ausreden: Ein Windows-PC wurde somit zum Todtrampeln und Weitwerfen freigegeben. Dies zeigt wieder einmal, dass an dem gemeinsamen und traditionellen Feindbild Windows-PC immer noch gerne festgehalten wird.

Als ein ganz besonderer Leckerbissen stellte sich erneut der Gravenreuth-Dart-Wettbewerb heraus, bei dem auf eine Dartscheibe mit einem Konterfei des berüchtigten Münchener Anwalts geworfen werden durfte. Von Gravenreuth, der aus München angereist war, sah es gelassen und ließ es sich nicht nehmen, auch selbst einmal den Dartpfeil in die Hand zu nehmen. Eine nicht wesentlich bessere Figur gab von Gravenreuth bei einem Geburtstagsständchen für den Scener Mystic ab, bei dem schnell deutlich wurde, dass nicht gerade ein Goldkelchen an von Gravenreuth verloren gegangen war. Als Ehrengast und, Schreckgespenst der Szene, bekam er offiziell die Cologne Conference Trophäe “Golden Beer” überreicht. Der traditionelle “Golden-Beer-Song”, gesungen von Organisatoren, kann von der CC-Homepage nachträglich heruntergeladen werden.

Hacker PartyDer Münchener Rechtsanwalt kam nicht mit leeren Händen: Er stiftete zwanzig Exemplare seines nicht mehr ganz so aktuellen Computerlexikons “Computerrecht von A-Z” (dtv Verlag) und ließ diese an die Gewinner verschiedener Wettbewerbe vergeben. Der Kölner Tropen Verlag überließ den Competitions neben den Büchern “Hackerland” und “Broken Poems” die neueste Publikation “Der geheimnisvolle Fremde” von Mark Twain. Der absolute Publikumsliebling war aber die CD-ROM “Gute Zeiten, schlechte Zeiten” von Software 2000. Um die pinkrote Packung ihr Eigen nennen zu können, konnten diverse Sceneleute den GZSZ-Titelsong singen, und blamierten sich damit nicht selten bis aufs letzte. Zur Freude der Besucher war einer der Scener sogar des Textes von Oli Ps neustem Hit mächtig, diesen stimmte er gleich mehrmals am Abend an.

After Dark

Da von Gravenreuth seine geplante Podiumsdiskussion auf der Messe platzen lassen musste, äußerte er dann am späten Abend noch den Wunsch, diese auf der Party nachzuholen. Unter anderem ließ er sich mit Marcus Widerstein, dem Organisator der RADWAR-Party in Heinsberg, auf der Bühne nieder und erzählte der Szene Geschichten von Hausdurchsuchungen und Ermittlungen aus längst vergangenen Zeiten. Später nahm er Fragen aus dem Publikum an und nahm sogar bei Fragen nach der Breite seines Portemonnaies kein Blatt vor dem Mund.

Gegen Ende der Party begann dann das “Lionfeeding”: Die üppige Anzahl der noch übrig gebliebenen Preise wurde zu später Stunde lässig in die Menge geworfen, um auch die letzten hungrigen Besucher mit Preisen zu sättigen. Damit hatte dann auch jeder die Chance, einen der Preise für sich zu ergattern. Der Höchstpreis, der an diesem Jahr in einer Verlosung vergeben wurde, war ein A1200-Magic-Paket, das freundlicherweise von Amiga International zur Verfügung gestellt wurde.

Freier Eintritt zur RADWAR

Cologne Conference 99

Cologne Conference 99

Nebst den Berichten über die letzten Meetings, befindet sich auf der CC-Homepage auch eine detaillierte Gästeliste. Wer sich dort wiederfindet, kann sich das Eintrittsgeld (ca. 30-40 DM) zur angekündigten RADWAR Party sparen. RADWAR-Hauptorganisator Marcus Widerstein aka MWS genoss die Veranstaltung derart, dass er allen Gästen der Cologne Conference den freien Eintritt auf die wohl letzte RADWAR Party versprach, die im nächsten Jahr in Heinsberg stattfinden wird.

Fazit

Nicht nur die Sponsoren dieser Veranstaltung haben erkannt, dass sich die Veranstaltung innerhalb der Scene etabliert hat. Viele alteingesessene Mitglieder der Szene, die schon seit etlichen Jahren dabei sind, nutzen die Party als eine Gelegenheit, um alte Freunde wiederzusehen. Jedoch drängt sich nach der mäßig gelungenen November-Messe die Frage in den Vordergrund, ob die CC ohne die Messe überhaupt existieren kann. Die Besucherzahl dieses Scene-Meetings hat sich im Vergleich zum Jahr 1998 fast halbiert, obgleich sie in diesem Jahr für ein deutlich größeres Aufsehen bei der Presse sorgte. Ob auch im nächsten Jahr eine für die Veranstaltung ausreichende Zahl an Besuchern zu erwarten ist, bleibt fraglich. Darauf zu hoffen, wäre sicherlich allemal – bleibt doch die Cologne Conference doch die einzig interessante Scene-Veranstaltung im rheinischen Raum.


 

Die Cologne Conference in der Presse

ks215. November 1999
Kölner Stadtanzeiger

Mittendrin war der Hackerjäger:
Autorenparty für Computerfreaks