Digitale Piraten und Cracker

Libreas - Library ideas

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In den 1990er Jahren ist das digitale Kopieren auch im privaten Umfeld für viele zur Gewohnheit geworden und damit auch die so genannte Raubkopie als rechtswidrig hergestellte oder verbreitete Kopie urheberrechtlich geschützter Software, Filme und Musik.

Spätestens seit Napster und der ebenso verspäteten wie panischen Reaktion von Musik- und Filmindustrie tobt ein Kampf darum, welche immateriellen Monopolrechte an digitalen Werken legitim und durchsetzbar sein können und sollen. Die Auseinandersetzung und Berichterstattung beinhaltet in der Regel juristische, technische, moralische und wirtschaftliche Aspekte dieser Veränderung, während die Akteure oft als gewissenlose Piraten oder als idealisierte Datenbefreier dargestellt werden.

Mit „NO COPY“ zeigen Jan Krömer und William Sen (letzterer bereits bekannt durch zwei Bücher aus dem Hackermilieu), dass das Spektrum der „Cracker“ und „Raubkopierer“ weitaus differenzierter ist. In neun Kapiteln und fünf Kurzinterviews liefern sie ein detailliertes Bild der Szene oder genauer der Szenen: die Release-Szene, in der neue Software, Filme und Musik nicht selten bereits vor der offiziellen Veröffentlichung kursieren, die FXP-Szene, in der es darum geht, möglichst viele und aktuelle digitale Werke auf versteckten FTP-Servern zu sammeln, und schließlich die Filesharing-Szene, über die auch normale Nutzer an Kopien gelangen. Dabei stehen in der Release-Szene und FXP-Szene vor allem der sportliche Wettkampf im Vordergrund, was sich beispielsweise in internen Regeln und Rankings niederschlägt. Weitere Kapitel behandeln Cracker, die gezielt Kopierschutzmechanismen entfernen, sowie die rechtliche Situation und Versuche der Industrie, gegen illegale Kopien vorzugehen.

No Copy mit Fernsehturm und Zubehör

Das Buch ist kurzweilig geschrieben und enthält eine Fülle interessanter Details. Die plakative Verwendung des nicht unumstrittenen Begriffs der „Raubkopie“ deutet darauf hin, dass sich das Buch nicht primär an ein Fachpublikum wendet. Die Autoren liefern mit ihrer ausführlichen Beschreibung der Szene und der Motivation ihrer Beteiligten einen wichtigen Beitrag zur Versachlichung des Diskurses. Vom Thema beschränken sich Krömer und Sen die nur im Internet aktive, nicht-kommerzielle Szene.

NO COPY“ ist nicht nur unterhaltsam, sondern liefert auch einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung der häufig sehr emotional geführten Debatte um die digitale Raubkopie. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Darstellung der Praxis, während ethische und politische Aspekte am Ende behandelt werden. „No Copy” bietet einen anregenden Einblick in die Szene und kann für angemessene 15,80 Euro jedem zum Kauf empfohlen werden, der sich dafür interessiert, wo digitale Kopien geschützter Software, Filme, Musik, Bücher etc. herkommen und weshalb sie inzwischen aus unserer Kultur nicht mehr wegzudenken sind.

von J. Voß

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