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Der Tagesspiegel

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von P. Wildermann

Raubkopierer sind Verbrecher, das hat sich herumgesprochen, aber wo genau beginnt der Diebstahl geistigen Eigentums?

Fällt es unter minder schweren Mundraub, wenn man John Lennons „Give Peace a Chance“ zur Anti-Piraterie-Ballade umdichtet und mit eigenem Beat unterlegt? Was ist mit Filmen, die man so sehr liebt, dass man das Gefühl hat, sie gehören einem? Und verstößt es eigentlich gegen irgendwelche Copyright-Gesetze, sich selbst zu vervielfältigen?

Diese und ähnliche Fragen stellt sich die Künstlerin Rahel Savoldelli in ihrer originellen, zügig inszenierten Solo-Performance „CopyMe“ im Ballhaus Ost (wieder 25., 26., 27. Februar). Wer noch nicht wusste, wie viel komisches Potential in Savoldelli steckt, die zusammen mit Anne Tismer das Kollektiv „Gutestun“ gegründet hat, kann sich hier ein Bild davon machen. Savoldelli ist in Zwiesprache mit zwei Video-Wiedergängerinnen ihrer selbst auf der Leinwand zu erleben, mit denen sie eine Band gründet und über Fragen der forcierten Gratisverschwendung ihrer Kunst in Streit gerät.

Dazwischen projiziert sich Savoldelli in die schönsten Szenen aus Stanley Kubricks Filmklassiker „Shining“ und fährt auf dem Dreirad in die Twilight Zone der Plagiats-Hommage. Der englischsprachige Abend, eine Koproduktion unter anderem mit dem PushPush Theater Atlanta, besitzt eine mitreißende Unangestrengtheit und eine fröhliche Botschaft: Es lebe die Freibeuterei des Geistes!

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