Ende von Palm

Das Ende von Palm

Palm, das sinkende Schiff

Dr. William Sen

von Dr. William Sen
digitalwelt-Kolumnist für Digitale Kultur

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Der Anbieter von Smartphones Palm geht langsam dem Ende zu. Im letzten Quartal 2008 hat Palm mehr als 50% weniger Einkommen gebucht. Die Aktie fiel im Vergleich zum letzten Jahr um fast 80%.

Das Unternehmen verbrennt Gelder und verliert nicht nur immer mehr Marktanteile an Apple (iPhone) und Research in Motion (Blackberry), sondern auch an weitere Herstellern wie Samsung und Nokia (Windows Mobile). Während das Unternehmen vor zwei Jahren Marktanteile von 23% hielt, hält es heute gerade noch 8%.

Ein kurzer Rückblick zu dieser Katastrophe: Blackberry hat frühzeitig seine Position im Business-Sektor als Smartphone platziert und bekam dadurch einen künstlichen Schub nach vorne – auch wenn die Zukunft des eher konservativ ausgerichteten Herstellers in diesem innovativen Markt düster aussieht.

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Apple fährt eine völlig andere Strategie und setzt auf Simplicity und Design. Dadurch spricht Apple nicht nur jüngeres Publikum und die Nachwuchsgeneration an, sondern bietet bereits bestehenden Apple-Fans eine Alternative zu anderen Smartphones. So kaufen sich bereits jetzt eine Menge Apple-Nutzer den iPhone, weil sie das Smartphone an ihr Apple-Betriebssystem besser anpassen können.

Dagegen bevorzugen viele Nutzer von Windows-Betriebssystemen auch das hauseigene Betriebssystem Windows Mobile auf dem Smartphone, wobei Windows keine wirkliche Innovation unter Beweis stellen konnte, was Smartphones betrifft.

Und Google versucht ein neues Modell und setzt auf Open Source mit ihrem neuen Smartphone-Betriebssystem Android. Bereits früher haben Anbieter, wie beispielsweise Sun Microsystems, die Open Source Community genutzt, um den notwendigen Schub zu erhalten. Bei der Open-Source-Strategie geht es darum die kritische Schwelle der Marktbekanntheit zu überwinden, um dann schließlich wieder die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und den Markt endgültig mit deutlichen Anteilen zu erobern. Somit ist Google’s Android mit den derzeit geringsten Marktanteilen trotzdem der schlafende Riese und eine Gefahr für alle Marktteilnehmer.

Doch Palm scheint mit seinem Betriebssystem völlig eher alleine dazustehen und eine Strategie ist nicht zu erkennen. Noch schlimmer: der Zug scheint mittlerweile längst abgefahren zu sein, Palm-Geräte gehören immer mehr zum Antiquariat.

Die letzte Chance, um den Markt wieder für sich zu gewinnen sah Palm in seinem neuen Betriebssystem, das im Januar 2009 auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas vorgestellt wurde. Vielleicht mag es den meisten Konsumenten aufgefallen sein, dass diese Nachricht keine allzu große Verbreitung gefunden hat, wenn auch die Aktie einen leichten Aufstieg erlebt hat (von €1,13 auf derzeit €5,83 – die Aktie lag in 2001 bei ca. €580,00).

Das Unternehmen hat noch ca. 215 Millionen Dollar an Geldern übrig und verbrannte im letzten Quartal ca. 33 Millionen. Der größte Geldgeber war bislang das Privat Equity unternehmen Elevation, das $325 Millionen an Palm gepumpt hat und nun das Ende miterleben darf. Aber selbst Elevation kämpft unter den extremen Wirtschaftsverhältnissen und konzentriert sich derzeit lieber auf wachsende Märkte, wie beispielsweise an sein derzeit stärkstes Unternehmen Electronic Arts – die Gaming-Industrie, denen große Wachstumszahlen vorausgesagt wird.

Sehr unwahrscheinlich also, dass Palm in der Zukunft noch Gelder für weitere Rettungsaktionen zur Verfügung haben wird. Unter diesen Umständen könnte Palm bereits Mitte 2010 die Luft ausgehen, wenn nicht bereits früher.

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Dieser Artikel wurde am 9. März 2009 von Dr. William Sen in seinem Blog (mittlerweile offline) verfasst und wurde in unser Digitalwelt-Archiv aufgenommen.

Dr. William Sen

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Dr. William Sen ist Informationswissenschaftler und Buchautor. Er war über 10 Jahre Geschäftsführer von infospeed, einem der größten Anbieter für Social Media Marketing und Monitoring in Deutschland. Er ist außerdem u. a. Gründer des ersten staatlich zertifizierten Lehrgangs zum Social Media Manager (TH Köln). Dr. William Sen lebt und arbeitet in San Diego, Kalifornien.

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