Virenscanner für Smartphones: Absoluter Unsinn?

Warum niemand einen Virenkiller auf dem Smartphone braucht

Virenscanner Smartphone

Dr. William Sen

von Dr. William Sen
digitalwelt-Kolumnist für Computersicherheit und Informationsrecht

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Die Virenscanner, die es auf dem Markt gibt, sowohl für Android als auch für iPhone sind Virenkiller enorm beliebt.

Über 280 Virenkiller gibt für Android-Nutzer und nicht viel weniger für iPhone-Nutzer. Wir erklären, warum alle diese Apps keinen Schutz bieten – Sie täuschen einen Schutz vor, um ein Sicherheitsgefühl zu vermitteln. Das Ziel ist es den Nutzer zum Kauf der App zu motivieren. Geschützt wird allerdings fast nur das gute Gewissen, denn es handelt sich hierbei meistens um sogenannte Schein-Apps.

Virenscanner für iPhones

Apple lässt keine einzige App unter iTunes zu, welches auch nur annähernd ein Risiko für das Smartphone wären – kurzum: Jegliche App, die man als iPhone Nutzer aus iTunes installiert, ist bereits zu 100% sicher.



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Denn jeder App-Entwickler muss seine App durch Apple überprüfen lassen, welches bis zu 6 Wochen dauern kann. Und ständig werden Apps abgelehnt, die nicht den Richtlinien von Apple entsprechen. Zusätzlich hat Apple alle Geräte so aufgebaut, dass Apps vom übrigen System getrennt behandelt werden – das Prinzip nennt sich „sandboxing“. Somit hat eine schädliche Software keine Möglichkeit sich das iPhone zu beeinflussen bzw. dort Änderungen vorzunehmen. Apple verbietet somit selbst dem Virenkiller den Zugriff auf Systemressourcen auf dem iPhone.

Selbst wenn man einen Virenkiller installiert hat und der iPhone mit einem Virus befallen wäre, kann der Virenkiller also nichts unternehmen. Weder Virus noch Virenkiller haben also keine Möglichkeiten oder Rechte auf andere Systemressourcen des iPhones zuzugreifen. Eine Recherche in einschlägigen Internetforen und Blogs kann man nachlesen, dass zehntausende Menschen nach guten Virenkillern für den iPhone suchen… aber es gibt keinen einzigen Fall darüber, ob jemand tatsächlich schon mal von einem Virus befallen wurde. So stellt sich die Frage, wozu Hersteller Virenkiller für den iPhone überhaupt anbieten? Ganz einfach: Es gibt eine Nachfrage, also gibt es auch Apps dafür – die Virenkiller auf dem iPhone sind somit quasi zu Showzwecken erstellt worden und sollen letztlich den User zum Kauf der App bewegen.

Virenscanner auf Android-Smartphones

Auf der Google I/O Konferenz machte es der Sicherheitsschef Adrian Ludwig von Google deutlich, dass 99 Prozent aller Android-Nutzer von den Antivirensoftware gar keinen Nutzen ziehen.

Es stimmt – Virenscanner für Android-Systeme sind zwar im Trend, die Diskussion ist jedoch übertrieben. Anders als bei iPhones, bei dem das Betriebssystem komplett vor dem Zugang gesperrt ist und somit ein Virus sich nicht installieren kann, gibt es bei Android trotzdem einige Möglichkeiten, wie sich ein Virus zum System finden kann. Diese sind jedoch extrem unwahrscheinlich, so dass Viren auf Android-System so gut wie gar nicht anzutreffen sind.

Zunächst einmal sei gesagt, dass sich Viren durch die Google-Play-Plattform nicht installieren können, da Google alle Apps auf Herz und Nieren überprüft, bevor sie überhaupt auf der Plattform zugelassen werden. Gefahr droht letztlich jedoch, wenn Nutzer Apps aus fremdem Websites herunterladen, oder Email-Attachments öffnen, die Apps beinhalten. Während iPhone erst gar nicht solche Software zulässt, ist Android etwas freizügiger. Trotzdem hat Android mit einem sehr wichtigen Sicherheitsmechanismus vorgesorgt. Ob Virus oder nicht, jede App muss, bevor es auf Systemressourcen zugreifen kann, vom Nutzer manuell zugelassen werden. Wer also versehentlich einen Virus durch unzuverlässige Quellen auf seinem Android-Smartphone installiert haben sollte, müsste zusätzlich dem Virus also manuell und mit einem Aufwand noch den Zugang zu den Systemressourcen freigeben. Diese Barriere macht den Virenbefall somit extrem selten. Aus diesem Grund gibt es nur sehr wenige bis gar keine Virenprogrammierer, die sich auf das Android-Betriebssystem konzentrieren.

Die Fälle von virenverseuchten Android-Smartphones sind daher auf der Hand abzählbar. Wer trotzdem ganz sichergehen möchte und an seinem eigenen Menschenverstand zweifelt, kann mit einem Virenkiller sich vor diesem extrem seltenen Fall schützen. Die großen und renommierten Anbieter wie McAfee, Norton und Avira bieten bereits in ihren Standardpaketen auch den zusätzlichen Schutz für Android-Systeme an.

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Dr. William Sen

von Dr. William Sen
digitalwelt-Kolumnist für Computersicherheit und Informationsrecht

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Dr. William Sen ist Computerexperte seit über 20 Jahren. Er publizierte zahlreiche Bücher und Fachartikel im Bereich Netzsicherheit und Hackerkultur, unter anderem für den heise verlag (c't), taz, WDR Radio, und ist außerdem bekannt durch Auftritte und Rezensionen auf CNBC, Focus, Spiegel, Pro 7, Kabel 1, WDR, NDR, SWR, Handelsblatt, Financial Times, und viele mehr.

William ist Dipl. Inf.-Wirt (TH Köln) und promovierte zum Dr. phil. an der Uni Düsseldorf (Informationswissenschaften). Er lebt und arbeitet in San Diego, Kalifornien.

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