Wie Polizei VPNs für Ihren Funkverkehr nutzen

VPN und Digitalfunk: Was Polizeifunk und VPN gemeinsam haben

Polizeifunk und VPN

Der aktuelle Film Nightcrawler mit Jake Gyllenhaal in der Hauptrolle zeigt, wie es geht: mit einem einfachen Polizeifunkgerät, den er in einem Pawn Shop (amerikanisches Pfandhaus) erworben hat hört er den Polizeifunk ab, fährt zum Ort des Geschehens mit Filmkamera und verkauft die Aufnahmen an die lokalen Nachrichtensender. Doch es geht auch ohne Funkgerät. Mit Apps wie „Scanner Radio“ kann man den Polizeifunk in fast allen amerikanischen Städten mithören.

Möglich ist dies dadurch, dass die fast alle Polizeieinsatzkräfte in den USA keine Verschlüsselungsmethoden nutzen. Die Polizei hat in den USA ihr Netzwerk bis heute nicht auf eine Verschlüsselung hin ausgerüstet – Stand 2020. Nur einige wenige Städte verschlüsseln ihr Funkverkehr, darunter die Stadt Ft. Collins in Colorado und Washington D.C.

Auf das Thema, weswegen VPNs und das Polizeifunk eine Gemeinsamkeit haben, hat uns der Artikel „Was ist eigentlich BOS-Funk bzw. TETRA“ von Drillisch Nachrichtentechnik aufmerksam gemacht.



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Doch vorher eine kleine Historie zwischen USA und Deutschland. Hier eine interessante Parallele, um zu verdeutlichen, dass die USA im Ausbau von Funk- und Digitalnetzwerken den Deutschen weit hinterherhängt:

Als in Deutschland das DSL-Netzwerk Mitte der 90er Jahre ausgebaut wurde, gehörte es weltweit zu den schnellsten und fortschrittlichsten. Während deutsche Kommunikationsdienstleister bereits Anfang des Jahres 2000 Leitungen bis zu 100 Mbit/s für ca. EUR 50 im Monat anboten, waren in den USA noch Leitungen über 1 Mbit/s nicht mal im Produktportfolio der Kommunikationsanbieter vorhanden. Die Geschwindigkeiten in Deutschland sorgten für verwundernde Blicke von Amerikanern, wenn ein Deutscher zu erklären versuchte, dass er zu Hause eine 100 Mbit/s-Leitung habe. Die erste Reaktion der Amerikaner war meist ungefähr so: „Du meinst sicherlich 50 Kbit/s. 50 Mbit/s haben nur große Rechenzentren und das kostet zehntausende Dollar“. Nein, entgegnete der Deutsche: „Ich habe 100 Mbit/s und ich zahle nur 50 Euro im Monat … this is Germany“.

Polizei- und Feuerwehrfunk in Deutschland: hoch fortschrittlich

Auch wenn es um den Ausbau von Funknetzen für Einsatzkräfte wie Polizei und Feuerwehr geht, ist Deutschland den Amerikanern weit voraus. In Deutschland ist nahezu jede Funkverbindung verschlüsselt. Der Standard nennt sich TETRA – so ähnlich wie DSL oder LTE haben Einsatzkräfte in Deutschland ihr eigenes Funknetzwerk.

Die offizielle Bezeichnung solcher Einsatzkräfte ist übrigens „Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben“ und wird mit BOS abgekürzt. Zu BOS gehören auch die Bundespolizei, das Bundeskriminalamt, der Verfassungsschutz, der Zoll, sowie jegliche Rettungsdienste wie die Feuerwehr, die Katastrophenhilfe, der Arbeiter-Samariter-Bund und viele weitere Organisationen. Aus diesem Grund wird das Funknetzwerk auch als BOS-Funk oder als TETRA BOSNET, oder einfach als „das deutsche Behördenfunknetz“ bezeichnet.

TETRA ist ein hochentwickeltes, hochgesichertes, modernes und digitales Funknetzwerk, wie man es sich von ein Funknetzwerk der Zukunft vorstellen kann. Es erlaubt Teilnehmern sogenannte Kanäle zu betreiben, unter der sie sich austauschen können. Und das interessanteste dabei, die Verbindung ist mit einem hochgefeilten Algorithmus (TEA-2) verschlüsselt. Hierbei werden Gespräche erst beim Empfänger entschlüsselt – wer das Gespräch also abhört, hört also nichts weiter als wirre und unverständliche Datengeräusche.

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Ausbau vom Polizeifunk TETRA in Deutschland

Wie sich solch ein Standard wie TETRA entwickeln konnte liegt an der Beteiligung von Unternehmen wie Siemens, Motorola, T-Systems, Vodafone, Airbus SE (Europas größtes Waffen-Rüstungskonzern), DB Telematik (Bahn-Tochter) und weiteren renommierten technologischen Organisationen. Alle diese Unternehmen wurden vom Bundesministerium des Inneren bereits im Jahre 2005 damit beauftragt, das deutsche BOS-Netzwerk in Deutschland auszubauen. Diese Organisationen gründeten sodann ein Konsortium – eine Denkfabrik ohne seinesgleichen, um das BOS-Funk in Deutschland auszubauen. Kostenpunkt: 4,5 Milliarden Euro.

Habt ihr schon mal ein mit Stacheldraht und Kameras abgesichertes Stück leeres Land von 5 Quadratmeter gesehen und euch gefragt, was dort wohl sei? In ganz Deutschland sind solche abgesicherten Orte angebracht – die Antwort liegt tief in der Erde vergraben. Dort sind sogenannte BOS-Stationen in ebenfalls abgesicherten Tresoren vorhanden, die vergleichbar sind mit VPN-Servern.

Polizeifunk und VPNs

Es ist nämlich so, dass das BOS-Funk ein noch weiteres interessantes Gimmick bietet: keiner der Funkteilnehmer kann zurückverfolgt werden, d. h. anpeilen ist nicht möglich. Und genau dafür sorgen die unter der Erde vergrabenen BOS-Stationen. Sie sind sogenannte Sammelstellen für den Funkverkehr, und leiten von dort die Verbindung an den Empfänger weiter. Somit kann jemand, der die Verbindung abhört sie auch nur bis zu dieser Station zurückverfolgen.

Das Prinzip ist somit VPNs sehr ähnlich, wenn nicht fast identisch. Jeder Teilnehmer im BOS-Netz baut eine verschlüsselte Verbindung zum Empfänger auf, und lässt sich zudem auch nicht über diese unterirdischen Server verbinden, die die Herkunft des Senders  verschleiern. Genannt wird dieses Verfahren harmlos als „Standortsicherheit“, doch in Wirklichkeit ist es nichts weiter als eine Herkunft-Verschleierung.

Digital- und Objektfunk

Anbieter wie Drillisch Nachrichtentechnik aus Köln haben sich seit mehr als 30 Jahren dazu spezialisiert solche Anlagen für Polizei, Feuerwehr und andere staatliche Sicherheitsorganisationen zu installieren, und zu warten. Der dortige Artikel „Was ist eigentlich BOS-Funk bzw. TETRA“ stellt es zudem auch relativ klar dar. Der Vergleich mit VPN ist auch dort erwähnt.

Wenn Hollywood Stoff für einen wirklich spannenden Film sucht, sollten sie mal Deutschland als Drehort und als Drehbuch zum Thema machen. Polizeifunk abhören in Deutschland – das wäre mal ein spannender Film.

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