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von Florian Olbrich
digitalwelt-Kolumnist für Digitales Leben

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Bei der Frage nach dem richtigen CMS stellen sich viele die Frage: Typo3 oder WordPress? Die Frage ist schnell beantwortet, wenn man weiß, dass Typo3 im Grunde nur noch in Deutschland bekannt ist und somit im Grunde ein Inselleben führt.

Die Verbreitung von Typo3 geht zurück auf Anfang 2000. Damals hat sich das Content Management System aufgrund seiner Reife und einfachen Bedienungsoberfläche vor allem im DACH (Deutschland, Österreich und Schweiz) verbreitet. Viele Agenturen und auch Hosts haben sich auf das moderne CMS spezialisiert, und haben dadurch ihr Geschäft erfolgreich erweitern können.

Allerdings hat sich Typo3 außerhalb der deutschsprachigen Länder kaum bis gar nicht verbreiten können. Die Folge ist, dass es auch weltweit kaum Entwickler für Typo3 existieren und ebenso die Entwicklung nur auf wenige in Deutschland lebende Programmierer beschränkt ist. Somit kann das System in der Open Source Community wenig von der kollaborativen Entwicklung teilhaben – kurz um: Es gibt kaum Weiterentwicklungen, und Spezialisten sind sehr selten anzutreffen. Und selbst in Deutschland ist Typo3 seit 2008 auf dem absteigenden Ast und viele moderne Unternehmen haben sich von dem mittlerweile veralteten CMS getrennt.

Verbreitung Typo3

Seit 2008 ist Typo3 kein Thema mehr.
Quelle: Google Trends

Verbreitung von WordPress

Aufgrund der sehr hohen und weltweiten Verbreitung hat sich stattdessen WordPress auf der ganzen Welt verbreitet. Angefangen mit dem Aufstieg in 2008 – und zwar relativ ähnlich mit dem Abgang von Typo3, hat WordPress in den Folgejahren bis heute immer weiter an Bekanntheit gewonnen (Quelle: Google Trends). Hinzu kommt, dass WordPress von einer sehr hohen Anzahl von Programmierern weltweit profitiert.

Typo3 versus WordPress

Im Vergleich zu Typo3 (blau) findet WordPress (rot) mehr als 2500% mal mehr Verbreitung weltweit. Typo3 fällt in der Skala kaum noch ins Auge.
Quelle: Google Trends

Vom Walde komm‘ ich her: Das Unternehmen Mittwald

Der Untergang von Typo3 hat auch Hosts schwer getroffen. Der Host Mittwald beispielsweise war einer der wenigen auf Typo3 spezialisierten Hosts am Markt. Der Rückgang von Typo3-Nutzern zwang das Unternehmen auf WordPress umzusatteln, damit kämpft das Unternehmen jedoch einer sehr hohen Anzahl von Wettbewerbern und kann hier kaum noch mithalten. Vor allem, weil derweil fast alle Hosts, inclusive die Massenanbieter wie 1&1 und Strato, und auch B2B-Hosts wie HostEurope WordPress-Tarife standardmäßig anbieten.

Und so sind letztlich auch Hosts wie Mittwald daran zugrunde gegangen und scheinen kaum noch Ressourcen übrig zu haben, um selbst zu wachsen. So stuft Mittwald beispielsweise bis heute noch (2019) englischsprachige Korrespondenz als Spam ein, da möglicherweise die Serverkonfigurationen seit Jahrzehnten nicht auf den aktuellen Stand gebracht worden sind.

Der Grund geht auch darauf zurück, dass das Unternehmen scheinbar die weltweite Entwicklung nicht mitbekommen hat. Nicht unbekannt ist die Tatsache, dass Nutzer sich öffentlich darüber beschweren, dass sie über Mittwadt keine Emails von ihren amerikanischen Kollegen mehr erhalten, da sie als Spam eingestuft werden. Weitere Nutzer beschweren sich darüber, dass Mittwald ihre Anfragen ignoriert. Es scheint, dass nur noch wenige Support-Mitarbeiter aufgrund der Existenznot des Unternehmens in der Lage sind auf zahlreiche Beschwerden einzugehen.

Die Moral von dieser Geschicht‘ – Typo3 bleibt ein sehr konservatives Produkt – samt der Hosts, die ihn zur Verfügung stellen. Man hat den Zug nicht verpasst, nur festgestellt, dass es eine alte Dampfmaschine ist – und die Dampfmaschine heißt Typo3 und Mittwald, während die Welt längst auf Elektroautos umgestiegen ist.


Update vom November 2018

Bereits vor 2 Jahren hatten wir von den veralteten Systemen von Mittwald gewarnt – siehe Artikel oben. Heute ist eine Meldung eingegangen, die unsere Ausführungen bestätigt.

Unbekannte haben die Mittwald-Server gehackt und möglicherweise auf alle Daten von Mittwald-Kunden zugegriffen. Mutmaßlich sind hierbei alle Daten von Kunden an fremde Hände gelangt, wie beispielsweise Name, Adresse, Kontodaten (Kreditkarten), Rufnummern und Emails. Es ist ebenfalls nicht auszuschließen, dass dabei auch folgende Daten gestohlen worden sind: Daten aus passwortgeschützten Bereichen (Kunden-Logins), Typo3-Installationsdateien (komplette Codes/Website-Design-Templates u.ä.), Online-Shop-Daten (Produktinformationen, Zugang der Kreditkarten und Verbindungen und zu genutzten Zahlungsssystemen), sowie Email-Newsletter-Daten.

Wir raten dringend davor ab das Typo3-System von Mittwald zu nutzen, da hier verheerende Sicherheitslücken vermutet werden.

Mittwald hat hierzu folgende Email an Kunden verschickt:

[…] seit Mittwoch, den 14.11.2018, besteht der Verdacht, dass möglicherweise auf Daten unseres Unternehmens zugegriffen wurde. Diesen Verdacht nehmen wir sehr ernst und arbeiten seither eng mit den zuständigen Polizeibehörden zusammen. Gemeinsam mit den Cybercrime-Experten der Polizei sowie externen Forensikern arbeiten wir derzeit intensiv an der Analyse des möglichen Sicherheitsvorfalls. Erste vorsorgliche Sicherheitsmaßnahmen wurden bereits ergriffen. Dazu gehört, dass wir das Kundencenter heute Morgen vorerst deaktiviert haben.

Beweise für einen erfolgreichen Zugriff auf Kundendaten durch Dritte liegen aktuell nicht vor. Die zuständige Datenschutzbehörde haben wir trotzdem fristgerecht über den möglichen Vorfall in Kenntnis gesetzt.

Die Ermittlungen der Polizeibehörden befinden sich noch in einem sehr frühen Stadium, weswegen diese bisher von einer öffentlichen Kommunikation abgeraten haben. Da die Sicherheit Ihrer Daten für uns aber höchste Priorität hat, möchten wir Sie dennoch vorsorglich informieren und um Ihre Mithilfe bitten.

Um einen möglichen Missbrauch Ihrer Passwörter zu verhindern, stellen wir im Laufe der kommenden Stunden eine spezielle Oberfläche zur Verfügung, über die eine schnelle Änderung aller Passwörter bequem möglich ist. Hierfür versenden wir in Kürze per E-Mail einen personalisierten Link inkl. individuellem Sicherheitscode an alle Kunden. Wir gehen derzeit davon aus, dass wir das Kundencenter im Laufe des Tages wieder online schalten werden.

Über weitere E-Mails sowie über ein eigens eingerichtetes Google Dokument versorgen wir Sie regelmäßig mit aktuellen Informationen. Unser Kundenservice steht bei Fragen unter der zusätzlich eingerichteten Rufnummer 05772 – 959 27 61 sowie per E-Mail unter support@mittwald.de persönlich zur Verfügung.

Wir sind uns bewusst, dass Ihnen durch den oben geschilderten Sachverhalt und die damit verbundenen Maßnahmen zusätzlicher Aufwand entsteht. Für diese Unannehmlichkeiten bitten wir Sie in aller Form um Entschuldigung!

Mit freundlichen Grüßen

Robert Meyer
Geschäftsführender Gesellschafter



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Florian Olbrich
digitalwelt-Kolumnist für Digitales Leben

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Florian Olbrich ist studierter Ökonom und Informatiker. Als Journalist verfasst er regelmäßig Beiträge für große deutsche Portale zu den Themen Informationsgesellschaft und Digitales Leben. Florians Heimatstadt ist die Medienstadt Köln und er ist zudem leidenschaftlicher Photograph.


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2 comments for “Typo3 oder WordPress?

  1. Holger,
    19. Juli, 2018 um 09:36

    Da merkt man, dass hier noch nie mit TYPO3 gearbeitet wurde.

  2. Redaktion,
    27. November, 2018 um 18:47

    Hallo Holger,

    danke für Dein Feedback. Ich habe erstmals Typo3 für Kunden in 2001 eingesetzt und habe bis Ende 2015 über 100 Projekte darüber realisiert. Zuletzt hatten wir in der Agentur sehr viel mit TempleVoila gearbeitet. Aufgrund der nicht mehr zeitgemäßen Technologie sind wir auf WordPress umgestiegen.

    Mit dem Artikel möchte ich Lesern das Leben vereinfachen. Ich war auch damals ein Typo3-Fan und der Umstieg fiel nicht leicht. Ich bereue es, nicht schon früher Typo3 aufgegeben zu haben.

    Liebe Grüße,
    Florian

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