Die Zukunft von e-Learning

E-Learning Zukunft

von Dr. William Sen

Dieser Artikel ist aus unserem Archiv und erschien am 24. August 2004 im Magazin Wissenskapital (mittlerweile aufgelöst).


Begriffe wie Knowledge und Management scheinen heute mehr denn je an Bedeutung gewonnen zu haben. Es gibt heute mehr Wissens-Lösungen, -Projekte und -Studien als je zuvor. Kann e-Learning dabei helfen, diesen Wissensdurst zu stillen?

Wissen ist in der heutigen Informations- und Wissensgesellschaft ganz klar zu einer Schlüsselgröße geworden. Charakteristisch ist aber auch das rasante Tempo der Wissensvermehrung. In diesem Kontext ist auch der Begriff Wissensgesellschaft entstanden.

Täglich erscheinen mehr als 20.000 Publikationen zu verschiedensten wissenschaftlichen Themen weltweit in öffentlichen Medien. Insgesamt gibt es derzeit weltweit soviel Wissenschaftler, wie die gesamte Summe aller Wissenschaftler der letzten 200 Jahre.

Aber nicht nur die Anzahl der Wissenseinheiten, sondern auch die Halbwertzeit des Wissens hat heute einen anderen Stellenwert als früher. Gerade dann, wenn es um Fachwissen geht, kann theoretisch das Gelernte zu einem bestimmten Thema von heute auf morgen auf den Wert Null sinken. Ein gutes Beispiel dafür ist die Informationstechnologie (IT). Wer heute ein Experte in bestimmten Lösungen ist, hat nach ein paar Jahren seinen Expertenstand verloren, wenn er sein Wissen nicht ständig auf dem aktuellsten Stand hält. Neue Trends wachsen wie Pilze vom Boden und überschütten die Industrie mit neuen Informationen. Neuen Erkenntnisse, Theorien und Innovationen wollen also publiziert werden. Neben dem Problem der sinkenden Halbwertzeit, bereitet auch die exponentiell steigende Informationsflut oft Schwierigkeiten. Hinzu kommt die Zunahme von immer mehr Lernenden, als es Lehrende gibt.

E-Learning kann hier eine weitere technische Unterstützung sein, um dieses Problem ansatzweise anzugehen, indem es “Lernen ohne Lehrenden” ermöglicht, und das von jedem Ort der Welt stets abrufbar. Die Suchmaschine Google listet bei der Eingabe der Phrase “lebenslanges Lernen” ca. 154.000 Webseiten aus, und das allein im deutschsprachigen Raum (Google Suchanfrage, Stand 2005-03).

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Grund für diese rasante Entwicklung auf die Globalisierung der Wirtschaft, Wettbewerbsdruck und auf die zunehmende Privatisierung der Bildung zurückzuführen ist. Sowohl in der freien Marktwirtschaft, als auch in der Bildung, hat die Schnelllebigkeit dazu geführt, dass Mitarbeiter und Ausbildende sich neuen Anforderungen schneller anpassen müssen. Wer heute überleben will, muss dafür sorgen, dass seine Mitarbeiter sich weiterhin qualifizieren und Expertenwissen kontinuierlich aneignen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung veröffentlichte hierzu in seinen Studien:

“Lernen hört nach Schule, Ausbildung oder Studium nicht auf, denn Lernen ist das wesentliche Werkzeug zum Erlangen von Bildung und damit für die Gestaltung individueller Lebens- und Arbeitschancen. Lebenslanges Lernen heißt das Schlüsselwort, wenn man auf dem Arbeitsmarkt mithalten, einen Berufs- oder Schulabschluss nachholen oder sich einfach nur weiterbilden will.” (Quelle: bmbf.de)

E-Learning wird somit in der heutigen Zeit zu einem wichtigen Werkzeug des Lernens. Zum einen lässt e-Learning in der Regel ein globales Lernen zu, ohne dass gesonderte Lernräume benötigt werden. Zum anderen gibt es gute Möglichkeiten, die durch die starke Zunahme der Lern-Nachfrage entstandenen Kosten langfristig durch die an die Bildungs- und Wirtschaftsituation angepasste Lerntechnologie zu senken.

So schön und einfach das klingen mag, die eingesetzten e-Learning-Strategien sind aber relativ neu und bedürfen einer längeren Entwicklungs- und Testphase. Dazu kommt, dass die Erfolge von e-Learning oft nicht direkt in Zahlen messbar sind. Somit rückte das Thema, wie man Wissen messen kann in den letzten Jahren weiter in den Vordergrund. Themen wie Intellectual Capital werden dadurch immer interessanter, wenn auch derzeit klare Anweisungen und Schritte noch in Kinderschuhen stecken. Gerade in der Bildung verwendete e-Learning-Anwendungen werden im Laufe der Jahre erst dann gemesen werden können, wenn Absolventen ihr Wissen in der Praxis einsetzen.
Wie die Zukunft von e-Learning aussieht, ist derzeit noch abzuwarten. Momentan, so scheint es zumindest, kann die Nachfrage nur mit computergestützten Lösungen gedeckt werden. In letzter Zeit scheint e-Learning mehr auf Internet-Nachschlagwerke, e-Books und ähnliches abzudriften. Der multimediale Einsatz ist nicht nur sehr kostenaufwändig, sondern verlangt vom Nutzer eine Gewöhnungsphase ab.

Wichtig bleibt es aber, bei der Einführung von e-Learning dem Lernenden bereits am Anfang seiner Berührung mit dieser Technologie positive Erfahrungen zu vermitteln. Hierzu sollte e-Learning dem Lernenden bereits von Anfang an einen erheblichen Nutzungsgewinn erkennbar machen. Doch nicht die Lerninhalte allein können ein Erfolgskriterium für ein gelungenes e-Learning sein. Die gesamten Erkenntnisse der pädagogischen und psychologischen Lernmethodik müssen in die Technologie einfließen. Und schließlich müssen diese für die Nutzer interessant und benutzerfreundlich gestaltet werden.

Zumindest kann jedoch e-Learning heute bereits das Verständnis dafür wecken, dass Lernen zu einem kontinuierlichem Prozess geworden ist und e-Learning das Lernen global und ortsunabhängig zu einem geringeren Aufwand ermöglichen kann.


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