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Eine Release Group kann immer nur so gut sein wie ihr Supplier. Wenn eine Gruppe nicht über Kontakte zu Szeneinsidern verfügt, die möglichst früh Zugang zu neuen Softwareprogrammen haben, wird sie sich kein Ansehen in der Szene erarbeiten können.

Die Herstellung und der Vertrieb eines neuen Softwareprogramms bieten zahlreiche Möglichkeiten, eine Version zu entwenden. Der Alptraum jedes Unternehmens ist ein Angestellter, der nebenbei für die Szene als Supplier tätig ist. Ahnungslos rätselt man dann über die undichte Stelle in der Herstellung, während der Maulwurf wenige Meter entfernt im Büro sitzt.

Mitarbeiter können die Software sogar in der Entwicklungsphase entwenden und sie dann an Szenegruppen weitergeben. Auf diese Weise finden unfertige Neuentwicklungen illegale Verbreitung, noch bevor sie im Handel erscheinen.

Daneben gibt es sogenannte Beta-Versionen der Hersteller, kurz Betas genannt. Dabei handelt es sich um Vorabversionen, die vor der Markteinführung noch getestet werden müssen. Auch Personen, die Beta-Versionen auf mögliche Fehler untersuchen, die Betatester, erweisen sich für Unternehmen oft als Sicherheitsrisiko. Auch die Anstellung bei einem Computermagazin ist eine Goldgrube für jeden Supplier. Schließlich erhalten die Zeitschriften viele Spiele und Anwendungsprogramme weit vor dem Veröffentlichungstermin, um rechtzeitig einen Testbericht verfassen zu können.

Außerdem gibt es von der Fertigstellung bis zum Erscheinen einer Software zahlreiche Schwachstellen, die sich ein Mitarbeiter zunutze machen kann, um an ein Exemplar zu gelangen. Einige Supplier arbeiten zum Beispiel für Kurierdienste, die das Master, also die Kopiervorlage der Software, an die Presswerke liefern. Wenn es dem Supplier gelingt, von diesem Master eine Kopie anzufertigen, gelangt eine Release Group in den Besitz einer Verkaufsversion, noch bevor die Exemplare überhaupt fabriziert worden sind. Auch Presswerke beschäftigen oftmals nichtsahnend einen Mitarbeiter, der zugleich Supplier einer Release Group ist. Hier fällt das Entwenden einer Kopie nicht schwer. Häufig liegen aussortierte Kopien, beispielsweise mit beschädigten Verpackungen, achtlos herum.

Zwangsläufig geht eine Software durch viele Hände, bis sie im Geschäft gekauft werden kann. Dadurch ist es den Herstellern beinahe unmöglich, sich gegen die Tricks der Release Groups zu schützen.


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