Dr. William Sen

von Dr. William Sen
digitalwelt-Kolumnist für strategisches Social Media Management

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aufgemacht
Die größte Angst von Unternehmen wird für den Schlosshersteller Kryptonite zur Realität. Ein Nutzer zeigt, wie man mit einem Stift innerhalb von Sekunden das Schloss knackt. Die Nachricht verbreitet sich in Foren wie ein Lauffeuer und das Unternehmen erlebt einen Umsatzeinbruch von 50%. Seitdem fehlt Kryptonite in fast keinem Vortrag über Social Media.

abgedreht
Die Kartoffelchip-Marke Doritos schafft es, die Community optimal für sich arbeiten zu lassen. Fans werden aufgerufen, selbstgedrehte Werbeclips zu veröffentlichen. Die eingesandten User Generated Videos sind teilweise besser als die Clips von professionellen Werbeagenturen. Die erfolgreiche Viralmarketing-Kampagne findet in fast allen großen Wirtschaftszeitschriften Erwähnung und wird zum Vorzeigeobjekt für erfolgreiches Social Media Marketing.

aufgesetzt
Der Autohersteller Chevrolet will es Doritos gleichtun und setzt eine ähnliche Kampagne auf. Er stellt der Community Videos zur Verfügung, worin der Chevrolet Tahoe über Wüsten- und Schneelandschaften fährt und stolz sein Interieur vorgeführt wird. Die Community dreht wie erwartet eigene Werbeclips, allerdings mit katastrophalen Image-Folgen für das Unternehmen: In einem Clip fährt der Tahoe über Wüsten- und Schneelandschaften, unterlegt mit dem Kommentar: „Ihr habt unsere Erde unbewohnbar gemacht“. Der Spot endet mit der Aussage „Wir haben für euch die ultimative Zelle gebaut“ und zeigt dabei das Interieur des Fahrzeugs.

abgefahren
Horst Schlämmer alias Hape Kerkeling lernt Autofahren. Sein witziger Umgang mit den Fahrlehrern und anderen Verkehrsteilnehmern begeistert die Community. Was die Zuschauer zunächst nicht erfahren: Die Aktion ist eine virale Kampagne von Volkswagen. Nachdem VW sich als Ersteller der Videos enttarnt, macht sich Empörung in den Blogs und Foren breit. Zahlreiche Studien untersuchen die Kampagne und ihre Auswirkungen. Bis heute ist der Erfolg der Kampagne umstritten.

ausgezahlt
Die niederländische DSB-Bank ist von Social-Media-Gerüchten über ihre angebliche Insolvenz überrascht und kann das Medium nicht richtig einschätzen. Zuerst in Foren und Blogs diskutiert, findet das Gerücht seinen Weg in die TV-Nachrichten. Alarmierte Kontoinhaber stürmen zur Bank und heben in wenigen Stunden 600 Millionen EUR ab. Die Website der Bank ist zunächst unerreichbar, wenige Zeit später ist die Bank bankrott und meldet Insolvenz an.

abgesetzt
Schon zwei Wochen vor dem Kinostart kann der Film Hulk im Juni 2003 als Kopie heruntergeladen werden. Bei dem im Internet erhältlichen Workprint fehlen jedoch zahlreiche Tonspuren und Spezialeffekte. Häufig schreit Hulk lautlos, in einigen Szenen fehlt ihm gar die Hose. Die Internet-Zuschauer nehmen fälschlicherweise an, die endgültige Fassung gesehen zu haben, und verreißen ihn daraufhin im Internet. Universal startet eine Pressekampagne, doch der Ruf von Hulk ist ruiniert. Der Film floppt.

ausgestorben
Auch Greenpeace entdeckt virales Marketing. Angeblich benutzt Nestlé zur Herstellung seiner Schokolade Palm-Öl, das durch die Zerstörung von Regenwäldern gewonnen wird, was wiederum zur Ausrottung der Orang-Utans führt. Greenpeace veröffentlicht dazu ein parodistisches Werbe-Video, was zur zahlreichen Boykott-Aufrufen gegen Nestlé führt. Zudem werden Facebook-Gruppen gegründet und zehntausende Blogbeiträge verfasst.

aufgenommen
Als während eines Video-Projekts an der kanadischen Highschool Saint-Joseph das Equipment unbeaufsichtigt im Raum steht, nimmt der korpulente Schüler Ghyslain Raza ein Video von sich auf. Mit einer Golfball-Angel legt er ein ungeschicktes Schwertkampf-Solo hin. Das Video kommt in die Hände seiner Mitschüler, die es prompt bei YouTube veröffentlichen. Innerhalb weniger Monate wird der Student zum Spott der gesamten Welt. Ghyslain Raza kommt daraufhin in psychiatrische Behandlung und die Eltern verklagen die Mitschüler auf 250.000 kanadische Dollar.

aufgerufen
Der Videographer Jason Steele ist von der Macht von YouTube überzeugt und veröffentlicht sein Video namens „Charlie the Unicorn“ frei im Netz. Die Geschichte handelt von Charlie, einem Einhorn, das von zwei weiteren Einhorn-Freunden überredet wird, sie nach Candy Mountain zu begleiten. Doch dort erwartet ihn ein äußerst überraschendes Ereignis. Das Video wurde mittlerweile über 50 Millionen mal aufgerufen und verzeichnet damit weltweit die höchsten Visits.

angemacht
Ailin Graef alias Anshe Chung gilt als die erste Millionärin in Second Life. Angefangen mit einem Investment von 9,95 US-Dollar baut sie in der virtuellen 3D-Welt ein Imperium auf. Sie lebt durch den Verkauf von virtuellen Kleidern und Objekten, für die Nutzer mit dem Spielgeld Linden-Dollar bezahlen, das man gegen echtes Geld eintauschen kann. Aufgrund ihres Erfolgs wird sie Opfer von zahlreichen virtuellen und obszönen Attacken, die sich gegen ihren Avatar richten. Sie wird unter anderem mit fliegenden Genitalien attackiert, die auch ausgerechnet während eines virtuellen CNN-Interviews auf sie einregnen. Die Bilder und Videos werden in zahlreichen Blogs und Foren verbreitet, woraufhin Ailin Graef die Verbreiter mit nur geringem Erfolg verklagt.


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Dr. William Sen ist u. a. Gründer des ersten staatlich zertifizierten Lehrgangs zum Social Media Manager (TH Köln) sowie Chefredakteur des ersten Social Media Magazins in Deutschland.

Als Lehrbeauftragter lehrte er u. a. an der TH Köln in den Bereichen Social Media Management, eEntrepreneurship, Digital Publishing, Communication Controlling und strategisches Marketing. Dr. William Sen lebt und arbeitet in San Diego, Kalifornien.

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