Dr. William Sen

von Dr. William Sen
digitalwelt-Kolumnist für strategisches Social Media Management

digitalwelt logo

Klassische negative Presse ist schon lange eine Herausforderung für jedes Unternehmen. Heute kommt der Konsument durch seine Möglichkeiten der Nutzung des Social Media noch zusätzlich als Risikofaktor hinzu. Unternehmen müssen nun Issue Management gleich an zwei Fronten betreiben.

Für diese neue Front hat sich noch kein richtiger Name entwickelt. Vor allem in Deutschland gibt man sich derweil mit dem Term „Shitstorm“ zufrieden. Der Shitstorm hat dabei zwei kontrovers diskutierte Phänomene: Gelassenheit und Angst. Die Gelassenheit trägt den Gedanken, dass jeder Shitstorm temporär ist. Oft wird sie fälschlicherweise mit „Nichtstun“ verwechselt. Dass nicht jede negative Äußerung gleich einen Shitstorm bedeutet, versteht sich von selbst. Auf dieser Tatsache aufbauend hört man oft den typischen Beraterspruch, „gelassen“ an die Sache heranzugehen. Wer nicht betroffen ist, hat natürlich gut reden.

Die Angst ist aus dreierlei Gründen nachvollziehbar. Erstens weiß man anfangs noch nicht, wer oder was sich hinter einem Shitstorm verbirgt. Social CRM steckt noch in den Kinderschuhen und aufgrund der Datenschutzgesetze kann sehr viel Zeit vergehen, bis Lösungen in diesem Bereich ausgereift sind. Wer indes während eines Shitstorms den einflussreichen Opinion Leader nicht sofort vom plumpen Krawallmacher trennen kann, ist logischerweise besorgt. Die Unklarheit führt zur Unsicherheit. Zweitens spielt Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Jeder Unternehmer weiß, dass kleine wiederholende Bilder das Gesamtbild eines Unternehmens langfristig festigen. Nachfolgende Spannungen führen bei der Zielgruppe zur Revitalisierung längst vergangener Geschichten. Wiederholen sich die Gewitter, entsteht schließlich ein Trend. Drittens haben sich die Reaktionsgeschwindigkeiten durch das Web verändert. Das Unternehmen muss extrem schnell planen und reagieren. Und dies auch noch mit einer „Gelassenheit“, deren Umfang nicht selten selbst ernannte Social-Media-Berater festlegen. Dass man es da mit der Angst zu tun bekommt, ist durchaus verständlich.

Die Reaktion der Unternehmen ist von elementarer Bedeutung. Denn sie ist die einzige Möglichkeit, den Shitstorm mehr oder weniger zu steuern, indem die Unternehmen Befürworter unterstützen und neue gewinnen. Die Angst bleibt somit weiterhin eine gesunde unternehmerische Reaktion auf negative Strömungen. Im Grunde spielt es keine Rolle, ob ein Unternehmen mit Gelassenheit oder panischer Angst reagiert. Es zählt einzig und allein die notwendige und vor allem schnelle Handlung. Und die wird sich jedes Unternehmen neu erarbeiten müssen, da alle Situationen individuell zu beurteilen sind. Dadurch bekommt Issue Management eine neue Qualität. Sicher wünscht sich so mancher PR-Experte die alte Zeit zurück, in der es noch einen Redaktionsschluss gab, auf den man sich „gelassen“ vorbereiten konnte.

Dieser Beitrag war das Editorial zum Social Media Magazin der Ausgabe 2012-IV.


Dr. William Sen

Dr. William Sen
digitalwelt-Kolumnist für strategisches Social Media Management

digitalwelt logo

Dr. William Sen ist u. a. Gründer des ersten staatlich zertifizierten Lehrgangs zum Social Media Manager (TH Köln) sowie Chefredakteur des ersten Social Media Magazins in Deutschland.

Als Lehrbeauftragter lehrte er u. a. an der TH Köln in den Bereichen Social Media Management, eEntrepreneurship, Digital Publishing, Communication Controlling und strategisches Marketing. Dr. William Sen lebt und arbeitet in San Diego, Kalifornien.

> Mehr über Dr. William Sen



Die letzten Artikel zum Thema Social Media:

Social Media am Beispiel bruno banani Markenstärkung durch Social Media am Beispiel bruno banani

Markenbildung, Markenstärkung und Markenmanagement müssen sich in Social Media neuen Disziplinen beugen: eine Case Study der Marke bruno banani.


Internet Trolle Trolle im Web: Bitte nicht füttern!

Wer in Internetforen Kommentare liest, kennt sie: Störenfriede, die keinen relevanten Beitrag leisten. Sie werden Trolle genannt und es gibt eine wichtige Regel zu beachten: Nicht füttern!


Social Media Finanzindustrie Banken in Social Media

Banken haben in den sehr viel Vertrauen verloren, vor allem durch die Finanzkrise vor einigen Jahren. Dieses Vertrauen versuchen sie nun durch Social Media Marketing wieder aufzubauen.


Mode Bloggerin Carl Zeiss: Social Media Best Practice

So engagierte Carl Zeiss ihre Social Media Kampagne mit Bloggern und wusste, wie man mit einer Social-Media-Strategie erfolgreich damit wird.


Mode Bloggerin Lifestyle und Mode Blogs in Deutschland

Welches sind eigentlich die größten Mode-Blogs? Erstaunlicherweise sind es nicht unbedingt die bekannten Lifestyle- und Mode-Magazine!


Social Media Fake Accounts Geister in Social Media

Wie viele Accounts in Social Media sind eigentlich Fakes? Die Untersuchung zeigt, dass viele Ghost Accounts existieren. Der Zweck ist Spaß, Betrug oder Manipulation von Meinungen.


Twitter Vogel Twittern wie Hitchcocks Vögel

Social Media Managerin Bianka Boock erklärt, wie man nicht twittert Es sei denn, man möchte twittern, wie Hitchcocks Vögel.

>> Alle Artikel zum Thema Social Media

Hinterlasse einen Kommentar: