Social Media Chaos in Unternehmen

Social Media Chaos

Erst verstehen, dann handeln

von Dr. William Sen

Social-Media-Experten können dieser Tage etwas Spannendes beobachten: Der Hunger von Unternehmen nach allem, was mit Social Media zu tun hat, ist dermaßen groß, dass erste negative Auswirkungen zu sehen sind.

Wie aus dem Nichts tauchen Social-Media-Berater und -Agenturen auf, die natürlich alle langjährige Erfahrungen versprechen und behaupten, die besten Experten zu sein. Angebliche Studien, die lediglich bezahlten Content beinhalten und Vorträge, auf denen immer wieder das Gleiche zu hören ist, gibt es wie Sand am Meer. Konnte man vor einem halben Jahr vielleicht ein Dutzend Bücher über Social Media finden, sind es mittlerweile hunderte – darunter jedoch nur wenige mit Relevanz für den deutschen Markt. Die Selektion wird dadurch immer schwieriger. Unternehmen finden sich in einem Angebotsdschungel wieder. Fehlentscheidungen sind vorprogrammiert.

Die Abnehmer sind durchaus mitverantwortlich für diese Entwicklung. Sie verlangen mittlerweile allumfassende Technologien, die zum Teil völlig an der Realität vorbeigehen. Technische Lösungen sollen jegliche KPIs bereithalten, in alle möglichen Systeme eingebunden werden können, und am besten das gesamte Social Web im Minutentakt automatisch auswerten. Für den gewieften Vertriebler kein Grund zur Sorge, denn er verspricht grundsätzlich schon mal „alles“. Wer vorsichtig anmerkt, dass Technologien noch in der Reifephase und konkrete Erkenntnisse immer noch rar sind, gilt als Bedenkenträger. So werden Anforderungen für Fantasieprodukte ausgeschrieben, fragwürdige Technologien nicht hinterfragt, werbegetriebene Inhalte als Ausgangspunkt genommen und Social-Media-Konferenzen mit zweifelhaften Veranstaltern und Referenten vorbehaltlos angenommen.

Dabei wäre das Prinzip so einfach: Erst verstehen, dann handeln.

Zudem müssen Maßnahmen und Entscheidungen immer nach wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Erkenntnissen beurteilt werden. Und drittens müssen Technologien nach dem Nutzen für das Unternehmen ausgewählt werden, und nicht nach dem Aussehen der Charts.

Spätestens dann, wenn der Vorstand im selbsternannten Kreis der Social-Media-Manager die richtige Frage stellt, fliegt alles auf: „Wobei hilft mir eigentlich diese bunte Tag Cloud?“.

Zumindest könnte man die Situation noch mit Humor retten: „Als Gleichnis für das Chaos, in dem wir uns befinden“

Dieser Artikel erschien als Editorial im Social Media Magazin Nr. 2011-II.


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