Erzogen von Hackern

Schon der Einstieg eines Interessierten in diese Netzwelt bereitet den Boden für eine grundsätzlich liberale Einstellung gegenüber Information. Wer gerne programmiert, wird sich früher oder später einer Gemeinschaft im Internet anschließen müssen, um sein Wissen zu erweitern. Und um an dem Netzwerk teilhaben zu können, wird es unumgänglich für ihn, auch sein eigenes Wissen mit anderen zu teilen.

Die Entwicklung zum Cracker beginnt mit einer Phase der digitalen Sozialisation. Er wächst in einer digitalen Umgebung auf, die sein Denken nachhaltig beeinflußt. Die Grundprinzipien der Cyberkultur sind im Internet stets präsent, insbesondere in den Untergrundkanälen der Szene. Jeder Cracker ist daher zwangsläufig Teil einer Entwicklung, die ihren Ursprung bei den ersten Hackern hat.

Für viele der jungen Cracker sind daher Software, aber auch Filme und MP3-Dateien nichts weiter als Informationen, die es zu tauschen gilt. Und selbst wenn Cracker nicht direkt von den Ideologien ihrer Vorgänger angetrieben werden, fehlt vielen einfach die Wertschätzung für kostenpflichtige Informationen, die die Industrie einfordert. Sie akzeptieren nicht, dass das Knacken und Verbreiten von Software oder Filmen nicht erlaubt sein kann. Sie cracken, weil sie damit aufgewachsen sind. Und je mehr sich die Unternehmen mit neuen Beschränkungen gegen Cracker wehren, desto mehr fühlen diese sich herausgefordert, sie auszuhebeln.

Es scheint, als würde die Netzwelt eine ganz eigene Computerethik in sich tragen, die wie ein genetischer Code an jeden weitergegeben wird, der sich auf sie einlasst. Ob Cracker, Hacker oder begeisterter Programmierer, viele von ihnen scheinen immer wieder auf die gleichen Prinzipien zu stoßen und ihnen zu folgen.


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