NO COPY

von Jan Krömer und William Sen
Autoren des Buchs NO COPY

digitalwelt logo

Viele Kinobesucher bekamen 2004 vor dem Hauptfilm unfreiwillig ein Propaganda-Video zu sehen. Darin wurden zwei junge Männer gezeigt, die ins Gefängnis eingeliefert werden.

Alt-Knackis beobachten, wie die Neuankömmlinge von den Wärtern zu ihren Zellen geführt werden, und erklären mit hämischem Grinsen, wie sehr sie sich schon auf die „knackigen Ärsche“ der „Raubkopierer“ freuen. Nicht nur die Zuschauer waren angesichts derartiger Kinowerbung fassungslos. Auch Volker Nickel, Geschäftsführer des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW), hielt „die Art und Weise der Kampagne in höchstem Maße für fragwürdig“. Der Virtuelle Ortsverein der SPD warf der Filmwirtschaft aufgrund der angedeuteten Vergewaltigung die Darstellung eines „menschenverachtenden Weltbilds“ vor. Der Spot sei ein Beispiel für eine „gravierende Werbeentgleisung“. Die umstrittene Werbung war Teil einer großangelegten Werbekampagne der deutschen Filmwirtschaft unter dem Dach der Zukunft Kino Marketing GmbH (ZKM). In Kinospots und Plakatmotiven sollte auf illegales Schwarzkopieren hingewiesen werden. Das Motto der Aktion „Raubkopierer sind Verbrecher“ erklärte Millionen Anwender pauschal zu Kriminellen.

Ohnehin erzielte die Kampagne bei den Kinobesuchern nicht die erhoffte Wirkung. Diejenigen Besucher im Saal, die noch nie eine illegale Kopie benutzt hatten, fühlten sich nicht angesprochen. Viele Zuschauer waren hingegen wenig erfreut, als Verbrecher bezeichnet zu werden, obwohl sie soeben Eintritt bezahlt hatten.

2005 startete die ZKM eine Neuauflage ihrer Kampagne, wenn auch ohne unterschwellige Gewaltandrohungen. Der Tenor blieb jedoch gleich: „Schwarzkopierer sind keine Kunden, sondern Kriminelle.“ Einige Besucher hatten derweil genug von regelmäßigen Kinogängen: „Ich bin ehrlich und verzichte gänzlich auf Kinobesuche, da ich mich nicht beschimpfen lassen möchte!“ schrieb Klaus Schmitz in einem Leserbrief an die Computerzeitschrift c’t. Jens Nurmann berichtete: „Seit sechs Monaten war ich nicht mehr im Kino. Ich sehe einfach nicht ein, dass ich Geld für den Genuß eines Filmes ausgeben soll, bei dem man mich vorher noch unter Generalverdacht stellt.“ Als Spottreaktion auf die Kampagne kursieren im Internet sogar T-Shirts mit dem Aufdruck „Raubkopierer sind Mörder“.


NO COPY

von Jan Krömer und William Sen
Autoren des Buchs NO COPY

digitalwelt logo

Jan Krömer und Dr. William Sen sind Autoren des Buchs "NO COPY - Die Welt der digitalen Raubkopie" - erschienen im Klett-Cotta Verlag. Das Buch sorgte vor allem in Deutschland für Aufklärung für das Verständnis für Raubkopien und untersuchte kritisch das gesellschaftliche und auch ökonomische Grundverständnis für "die Kopie".

Das Buch NO COPY ist kostenlos online verfügbar.

>> Mehr über Jan Krömer und William Sen


Zusatzmaterial: Raubkopierer sind Massenmörder

Folgende Satire wurde aus der ehemaligen Website no-copy.org nachträglich übernommen:

Und hier die langerwartete Folgekampagne zum Thema „Raubkopierer sind Verbrecher“. Wenn schon, denn schon, Raubkopierer sind nämlich in Wahrheit viel mehr als nur Verbrecher.

Raubkopierer sind Massenmörder

In jedem Raubkopierer steckt ein Massenmörder. Wer durch Kopien der Musikindustrie dermaßen schadet, kann direkt mit Massenmord anfangen. Da gibt es einfach keinen Unterschiede mehr.

Raubkopierer sind Kinderschänder

Raubkopierer sind Kinderschaender

Ist doch klar. Wer einen Zugang zu Raubkopien hat, der ist ein Schandtäter!

Raubkopierer sind Psychopathen

Raubkopierer sind Psychopathen

Wer ein mal in seinem Leben raubkopiert hat, der ist befangen in einer Welt, die ihn immer tiefer in die tiefen dunklen Ecken der Psyche bringt. Es folgen schlaflose Nächte, Alkoholsucht und zum Schluss der pure Wahnsinn.

Raubkopierer sind Terroristen

Raubkopierer sind Terroristen

Ist doch klar, oder glaubt ihr, dass Bin Laden seine Windows-Version per Telefon aktiviert hat?

Raubkopierer sind Karnevalisten

Raubkopierer sind Karnevalisten

 Das geht nun wirklich zu weit. Hier hört der Spaß nun wirklich auf. Einem Raubkopierer dies vorzuwerfen ist jenseits der Moral. Das ist nicht mehr witzig!

1 comment for “Raubkopierer sind Mörder

  1. John Fuzzyshredder Nash,
    7. Mai, 2018 um 02:38

    Unterhaltungselektronik ist geheime Militärelektronik.”
    Tauschbörsennutzung ist ein Propagandaverbrechen.
    Lebenslänglich Freiheitsstrafe wegen Hochverrats einschließlich Lobotomie.
    Das kommt doch mal krank.
    Fehlt der Traumfabrik halt das Budget, spendiert sie euch nur kaputte Träume.

Hinterlasse einen Kommentar: