Freundschaft und Sex
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Freundschaft und Sex

Vorteile, Nachteile und erstaunliche Erkenntnisse der platonischen Liebesbeziehung

Freundschaft ist etwas Wunderschönes. Sie lässt uns unabhängig von allen Einflüssen eine tiefe Verbundenheit mit einem anderen Menschen fühlen. Dem entsprechend hoch ist ihr Stellenwert. Niemand möchte auf seine Freunde verzichten. Doch was ist eine Freundschaft und wie weit reicht sie?

Ist sie eine platonische Liebesbeziehung? Oder darf man mit einem guten Freund oder einer guten Freundin auch ins Bett gehen und Sex haben? Wäre das dann noch eine Freundschaft oder was ist es dann? Wir sind dem Thema nachgegangen und haben Erstaunliches herausgefunden.

Freundschaft und Sex sind weit verbreitet

Für eine Freundschaft mit Sex haben sich verschiedene Bezeichnungen verbreitet: Freundschaft Plus, Freundschaft mit Extras oder Freunde mit Vorzügen. Mit dem Begriff Mingle ist sogar ein neues Wort entstanden. Es ist eine Zusammensetzung aus den englischen Begriffen „mixed“ und „Single“. Es bedeutet, Single zu sein sowie gleichzeitig in einer Art von Beziehung zu leben.

Die Freundschaft mit Extras ist heutzutage weit verbreitet. Das liegt darin daran, dass sich die herkömmlichen Geschlechterrollen und Stereotypen auflösen. Frauen müssen nicht mehr zwingend ihren Männern gehorchen und am Herd stehen; Männer nicht mehr unbedingt Frauen ernähren. Sowohl Männer als auch Frauen entwickeln ein neues Selbstverständnis. Dadurch entstehen neue Formen des Zusammenlebens. In einer Welt, in der Lebenspartner immer häufiger zu Lebensabschnittsgefährten werden, haben Freundschaften so für viele Menschen an Bedeutung gewonnen. Zunehmend mehr von ihnen fragen sich: Wie wäre es, wenn ich mit meinem besten Freund oder meiner besten Freundin nicht nur all meine Gedanken teilen und Pferde stehlen, sondern auch die angeblich schönste Sache der Welt erleben könnte?

Tiefes Vertrauen ist ideal für guten Sex

Mit dem besten Freund oder der besten Freundin zu schlafen, hat eindeutige Vorteile gegenüber Sex mit einem Fremden oder einer Fremden.

Die Sympathie und das tiefe Vertrauen, ohne das Gefühl Verpflichtungen eingehen zu müssen, sind ideale Voraussetzungen für entspannten, gefühlvollen, befriedigenden Sex. Die beiden Partner kennen einander. Dadurch können sie sich einfach fallenlassen und bestens aufeinander eingehen. Das schafft kein One-Night-Stand und keine Affäre.

Hinzu kommen Kleinigkeiten wie, dass Mann oder Frau nicht immer wieder aufwendig einen neuen Sex-Partner suchen und erst einmal beeindrucken muss. Dies ist in einer Welt, in der die Freizeit ein knappes Gut geworden ist, viel wert.

Unterschiedliche Erwartungen als Quelle von Problemen

Dennoch bringt eine Freundschaft mit Extras fast immer Probleme mit sich.

Ursache dafür sind unterschiedliche Erwartungen von Frauen und Männern an Freundschaft, Liebe und Sex. So hat eine Studie von Justin J. Lehmiller, Laura E. Vanderdrift sowie Janice R. Kelly unter Probanden in einer Freundschaft Plus gezeigt, dass für 72 Prozent der Männer Sex der Hauptgrund für eine Freundschaft mit Vorzügen ist. Dem gegenüber standen 56 Prozent der Frauen – also deutlich weniger. Analog dazu gaben 37 Prozent der Frauen gegenüber 25 Prozent der Männer an, dass die emotionale Verbindung ihr hauptsächlicher Beweggrund für die Freundschaft Plus ist. Das heißt: Männer wollen häufig primär Sex, während für viele Frauen die platonische Beziehung im Vordergrund steht. Dadurch glaubt mancher Mann: Sie will nur Freundschaft. Dabei stimmt das nicht unbedingt. Passend zu den unterschiedlichen Erwartungen wünschen sich 69 Prozent der Frauen in der Freundschaft Plus, dass sich die Beziehung nach dem Sex verändert, während die meisten Männer (60 Prozent) nichts daran ändern wollen.

Diese unterschiedlichen Erwartungen liegen in der Natur begründet. Denn sie resultieren aus Empfindungen, die im limbischen System verankert sind und nicht dem Bewusstsein unterstehen. So führt Sex bei einer Frau gewissermaßen zwangsläufig dazu, dass sich ihre Bindung an den Mann verstärkt. Will dieser sich nicht binden, entsteht in ihr ein Minderwertigkeitsgefühl – nämlich das, nur gut genug für Sex zu sein, aber nicht für eine Beziehung. Somit verletzt der Freund unbeabsichtigt ihre tiefen Gefühle. Womöglich fühlt er sich sogar betrogen, weil ja Liebe nicht vereinbart war.

Einfühlsame Kommunikation statt starrer Regeln

Grundsätzlich reicht es nicht aus, am Beginn der Freundschaft mit Extras Regeln aufzustellen. Starre Festlegungen wie „kein Kuscheln danach, weil dies bei Frauen die Entstehung des Bindungshormons Oxytocin fördert“, sind kontraproduktiv.

Denn sie leugnen, was ist. Stattdessen hilft anteilnehmende, permanente Kommunikation – in einer Freundschaft Plus besonders. Wenn sie klappt, kann Sex Freundschaften der Studie von Dr. Justin Lehmiller zufolge tatsächlich noch enger machen.

Denn in einer Freundschaft geht es darum, den anderen zu verstehen und ihn so zu mögen wie er ist. Über dieses Prinzip funktioniert eine Freundschaft Plus mit Kommunikation. Die grenzenlose gegenseitige Akzeptanz und der offene Austausch von Gedanken und Gefühlen ermöglichen es den Beteiligten, ihre eigenen Lösungen fernab von Zwängen zu finden. So könnte ein Ansatz darin bestehen, die Freundschaft nicht als minderwertig gegenüber der Liebe oder einer Beziehung zu bewerten. Schon der indische Philosoph Osho vertrat die Ansicht: „Freundschaft ist die reinste und höchste Form der Liebe. Es ist eine Form der Liebe ohne Bedingungen und Erwartungen, bei der man das Geben an sich genießt.“

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