Intelligent Computer Virus
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Der erste Computervirus war lebendig

Dieser Computervirus schockte die User

Dr. William Sen

von Dr. William Sen
digitalwelt-Kolumnist für Computersicherheit und Informationsrecht

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Erinnert ihr euch noch an den legendären Commodore AMIGA? Von Mitte der 80er bis Ende der 90er Jahren gehörte dieser Heimcomputer zu den meistverkauften Rechnern der Welt. Und genau auf diesem Rechner entstand der erste Computervirus der Welt. Und seine Worte waren: „Something wonderful has happened Your AMIGA is alive !!!“

SCA-Virus

So meldete sich der SCA Virus erstmals auf dem Commodore AMIGA

Dieser erste Virus auf dem AMIGA Computer war allerdings unschädlich. Lediglich die Meldung hatte die Nutzer verwundert, dass sie zu dem damaligen Zeitpunkt weder wussten, was ein Computervirus ist, noch solche Meldungen gewohnt waren. Die Verwunderung ist leicht nachvollziehbar, denn zu diesem Zeitpunkt waren Fehlermeldungen und überhaupt eine Kommunikation mit dem Computer auf wenige Wörter beschränkt. Das heißt, während Betriebssysteme wie Windows uns täglich mit neuen Fehlermeldungen überraschen, gab es auf den klassischen Computern der 80er Jahre nur eine Hand voll. Außerdem gab es nicht das Internet, und somit war der Begriff Informationsüberfluss auch gänzlich unbekannt. Kurzum: Man kannte alle Meldungen seines Computers geradezu auswendig, die meist der Meldungen wie „Software Failure“ bestanden. Kein Wunder also, dass diese Meldung, der eigene Computer sei plötzlich lebendig geworden, äußerst überraschend.

Commodore AMIGA 500

Der legändere Commodore AMIGA 500

Doch wer hatte sich diesen witzigen Computervirus eigentlich ausgedacht? Er ist auf die Cracker-Gruppe SCA zurückzuführen, wonach der Virus schließlich auch benannt wurde: Der SCA-Virus. Die Abkürzung SCA stand für Swiss Cracking Association: Eine organisierte Gruppe von Computerfans, die sich zum Ziel gesetzt hatten, den Kopierschutz von Computerspielen zu entfernen und dann in der Bevölkerung kostenlos zu verteilen. Durch den sogenannten „Schulhoftausch“ verbreiteten sich damals solche Kopien in Form von Disketten innerhalb kürzester Zeit über die ganze Welt. Solche Gruppen verfolgten durch die Verbreitung von Software folgende Hackerethik: „Misstraue Autoritäten, alle Informationen müssen frei sein“. Mit diesem Virus wollte die Gruppe lediglich auf sich aufmerksam machen.

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Übrigens, solche Gruppen wie SCA gibt es noch heute und sie sind bekannt als sogenannte Release-Groups. Allerdings werden sie heute vom FBI und Interpol verfolgt. Im Grunde sind es diejenigen Gruppen, die heute noch Kinofilme und Softwarecracks als illegale Kopien verbreiten. Und auch heute tun sie das kostenlos und deswegen weil sie immer noch die Ideologie der Informationsfreiheit verfolgen. Und damit auch jeder weiß, wem sie die Kopie zu verdanken haben, findet man auch heute noch die Signatur der Crackergruppen. Die Idee, seine Werbung als Virus zu tarnen, hatte allerdings bislang nur die Gruppe SCA.

Die gesamte Nachricht auf dem AMIGA lautete nämlich:

„Something wonderful has happened Your AMIGA is alive !!! and, even better… Some of your disks are infected by a VIRUS !!! Another masterpiece of The Mega-Mighty SCA !!“


Folgender Beitrag erschien außerdem in der Bonus-Sektion zum Buch NO COPY:

Die Crackerszene in den 80er Jahren

von William Sen und Jan Krömer

SCA - Cracking GroupMitte der 80er Jahre war die Cracker-Szene für Außenstehende noch völlig unbekannt. Das World Wide Web beispielsweise gab es zu dieser Zeit noch nicht, auch Filesharing-Programme waren noch nicht erfunden.

Die Cracker verbreiteten ihre Kopien zunächst in ihren eigenen, internen Reihen. Die Strukturen der Verbreitung waren jedoch bereits zu damaligen Zeiten hoch organisiert. Es hatte sich ein effizienter Verbreitungswegs frühzeitig etabliert. Die Struktur galt zunächst der Verbreitung von Kopien. Das Netzwerk bot der Szene beispielsweise die Möglichkeit effizient und flächendeckend Nachrichten über Szeneaktivitäten zu verbreiten. Das Verbreitungsnetzwerk brachte jedoch einige Cracker dazu, andere Möglichkeiten auszuprobieren. Das Ergebnis war einer der ersten Computerviren überhaupt genannt SCA.

Eigentlich war SCA die Abkürzung der Schweizer Cracking Group „Swiss Cracking Assosiacion“, die Raubkopien von Software veröffentlichte. Ihr Virus, der vom SCA-Mitglied CHRIS geschrieben worden war, war der erste Computervirus für den damaligen Commodore Amiga und tauchte im November 1987 erstmals auf. SCA konnte Disketten völlig unbrauchbar machen und exakt bei jedem 15. Start des Computers tauchten die folgenden Zeilen auf dem Bildschirm auf:

Something wonderful has happened
Your AMIGA is alive !!! and, even better…
Some of your disks are infected by a VIRUS !!!
Another masterpiece of The Mega-Mighty SCA !!Allerdings war SCA einer der wenigen Fälle, in denen eine Cracking Group als Virenprogrammierer in Erscheinung trat. Vielmehr wurden Viren von Cracking Groups prinzipiell nicht gerne gesehen, da sie das von den Softwareherstellern verbreitete Gerücht bekräftigten, kopierte Software sei virenverseucht. Dennoch entstanden in den nächsten Jahren unzählige Viren und mit ihnen eine neue Industrie, die von den Viren profitieren konnte. Die ersten Softwarefirmen mit Antivirensoftware konnten sich nun erfolgreich auf dem Markt behaupten.
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Dr. William Sen

von Dr. William Sen
digitalwelt-Kolumnist für Computersicherheit und Informationsrecht

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Dr. William Sen ist Computerexperte seit über 20 Jahren. Er publizierte zahlreiche Bücher und Fachartikel im Bereich Netzsicherheit und Hackerkultur, unter anderem für den heise verlag (c't), taz, WDR Radio, und ist außerdem bekannt durch Auftritte und Rezensionen auf CNBC, Focus, Spiegel, Pro 7, Kabel 1, WDR, NDR, SWR, Handelsblatt, Financial Times, und viele mehr.

William ist Dipl. Inf.-Wirt (TH Köln) und promovierte zum Dr. phil. an der Uni Düsseldorf (Informationswissenschaften). Er lebt und arbeitet in San Diego, Kalifornien.

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Bild in Anlehnung auf © Bill Bertram 2006, CC-BY-2.5

 

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