Hacker beeinflussen unsere Informationsgesellschaft

Die heutige Informationsgesellschaft und damit viele Technologien, die das Leben der Menschen beeinflussen, sind grundlegend von den Gedanken der Hacker, der Idee der freien Informationen, der Selbstregulation und der Hacker-Ethik geprägt. Es ist praktisch unmöglich, einen Computer oder das Internet zu benutzen, ohne der Ideologie der Hacker zu begegnen.

Zudem sind Raubkopien jeglicher Art heute verbreiteter als jemals zuvor. Auch die immer härteren Maßnahmen der Rechteinhaber haben das illegale Kopieren nicht eindämmen können. Vielmehr ist Raubkopieren zu einem Massenphänomen geworden. Millionen Menschen weltweit downloaden und brennen CDs.

Die Hackerkultur hat dabei die Szene der heutigen organisierten Raubkopierer digitaler Güter in mehrfacher Hinsicht beeinflusst. Zum einen machten erst die Ideen der Hacker die heutige Informations- und Kommunikationstechnik möglich, auf denen sowohl die Informationsgesellschaft als auch die Verbreitung von Raubkopien basiert. Zum anderen beeinflusste die Hackerkultur auch direkt die Mitglieder der Raubkopierer-Szene. Der Gedanke des Überwindens technischer Barrieren, die Idee der freien Verbreitung von Informationen sowie eine grundsätzlich ablehnende Haltung gegenüber restriktiven Nutzungsbedingungen und die Verbreitung von Informationen einschränkenden Gesetzen, gelangten aus dem Kreis der ersten Hacker in die Szene der organisierten Raubkopierer. Dort werden sie seit mehr als zwanzig Jahren vertreten und an nachfolgende Szenemitglieder weitergereicht. Das Handeln der Szene sorgt für eine umfassende Versorgung der Computernutzer mit Raubkopien. Währenddessen ist die von den Ideen und der Ethik der Hacker beeinflusste Netzkultur immer wieder der Nährboden für alternative Entwicklungen. So entstehen Projekte wie zum Beispiel Linux oder Wikipedia als Alternative zu lizenzgebundenen Programmen und Informationen. Sie halten die Grundgedanken der Hackerkultur lebendig und machen sie auch gewöhnlichen Computernutzern bekannt.

Industrie hängt hinterher

Die Industrie widmete sich jedoch dem Thema Raubkopien, ohne das Phänomen wirklich erkannt und verstanden zu haben. Sie beachtete nicht, dass es seit mehr als zwanzig Jahren im Untergrund des Internets eine Szene des organisierten Raubkopierens gibt. Die Szene mit ihren eigenen, von der Hackerkultur beeinflussten Regeln und Werten abseits von Gesetzen und Gerichtsurteilen, fühlte sich durch die Verfolgung weiter herausgefordert. Auch die Motive der Gelegenheitskopierer wurden kaum beachtet. Klagen und Kriminalisierungskampagnen führten anders als erhofft nicht zu einem Rückgang des Raubkopierens. Millionen Tauschbörsen-Nutzer erhoben das Downloaden zum Prinzip und wurden als Käufer von Originalen verloren.

Um aber dem Problem der Raubkopien konstruktiv begegnen zu können, muss die Industrie die Geschichte des Raubkopierens verstehen. Sie muss erkennen, wie die Grundsätze der Hackerkultur sowohl die Szene der organisierten Raubkopierer als auch die Masse der Gelegenheitskopierer sowie die Entwicklung von alternativen freien Projekten, beeinflussen. Nur über ein solches Verständnis können Strategien entworfen werden, die es erlauben, trotz Raubkopien den Absatz der eigenen Produkte wieder zu steigern.

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