Tetris

Leicht torkelnd stelle ich den Karton mit Handys auf den Boden, um meine Haustür zu öffnen. Der Fernseher ist noch an. Ich habe vergessen ihn auszuschalten, als ich heute morgen das Haus verließ. Im sportsender läuft ein

Baumfäller-Wettbewerb in der hundertsten Wiederholung. Das Rattern von Motorsägen hallt durch den Flur. Ich schmeiße meine Jacke in irgendeine Ecke und rufe nach Marie. Sie ist nicht da. Ich erinnere mich: Sie ist gestern wieder zu ihren Eltern gezogen. Ihre Mutter hat auf Band gesprochen, um mir auszurichten, dass Marie nicht mehr wiederkommen wird. Jemand hat am Mittag ihre Sachen mitgenommen und den Schlüssel auf den Küchentisch gelegt. Daneben ein Zettel. Obwohl ich weiß, was mich erwartet, falte ich das Papier auseinander und überfliege den maschinengeschriebenen Text. Am Schreibstil erkenne ich sofort, dass er von Maries Vater ist. Als Rechtsanwalt ist es ihm schon immer schwer gefallen, seinen Worten eine persönliche Note zu gehen. Ich versuche den Zettel wieder zu vergessen. „So nicht“, denke ich kopfschüttelnd und setze mich auf das Sofa im Wohnzimmer. Ihr grünes Kopfkissen liegt noch hier, der Duft ihres Parfüms steigt mir in die Nase. Eine Handbewegung genügt, und das Kissen landet auf dem Boden.

Dreißig Kanäle, einer wie der andere. Im Fernsehen läuft nur Mist! Ich schalte die Kiste aus und lehne erschöpft meinen Kopf nach hinten. Der Raum dreht sich. Ich versuche tief einzuatmen, um das Schwindelgefühl wenigstens für einen Moment unter Kontrolle zu bekommen. Mein Kopf schmerzt. Ich schließe die Augen und spüre den gleichmäßig pumpenden Druck in meinem Schädel, der mich dazu zwingt, den Nacken stillzuhalten.

Ich habe Marie vor drei Jahren an Silvester kennengelernt. Punkt zwölf stand sie plötzlich vor mir. Sie küsste mich, ich weiß nicht warum. Ich muss wie ein Penner ausgesehen haben, vom Alkohol völlig benebelt. Wir blieben bis zum frühen Morgen zusammen und feierten das neue Jahr. So wie unsere erste Begegnung war auch unsere ganze Beziehung. Wir verständigten uns ohne viele Worte. Ich brauchte nur wenige Tage, um zu erkennen, dass das die Beziehung war, nach der andere Menschen ihr Leben lang suchen. Etwa ein Jahr später lernte ich ihre Eltern kennen. Sie luden uns beide zu einem Weihnachtsessen ein. Obwohl sie mich als Freund ihrer Töchter akzeptierten, fühlte ich mich fehl am Platz. Marie schenkte mir einen goldenen Ring, den ich seitdem nicht mehr abgelegt habe. Immer wenn mir alles über den Kopf zu wachsen droht, berühre ich den Ring und höre ihre beruhigende Stimme. „Du bekommst das wieder in den Griff“, flüstert sie mir zu.

Noch ein kleiner Moment, und es ist nicht einmal mehr unangenehm. Jetzt geht es.
Das Telefon auf meinem Schreibtisch klingelt. Mir fällt ein, dass ich die Handys vor der Tür stehen gelassen habe. Es ist Holger. Er ist völlig aufgelöst und sagt mir, dass ich sofort vorbeikommen soll. Ich werde zu ihm in den Laden fahren müssen.
Vorher setze ich mich noch kurz an den Computer und lese meine Emails. Eine gute Ablenkung. Mein Monitor hat sich gestern verabschiedet. Mit meiner linken Hand muss ich das Kabel an der Hinterseite festhalten, damit die Verbindung zum Computer nicht durch die defekte Schnittstelle unterbrochen wird.
Uninteressante Nachrichten verstopfen mein Postfach. Massig neue CD-Bestellungen, ich kann sie kaum zählen. Dazwischen immer wieder Grüße von Leuten, die ich schon lange nicht mehr kenne. „Hallo Alex, wie geht’s“, „Hey Alex, lang nichts mehr von dir gehört“, und so weiter und so fort. Ich schreibe die üblichen Antworten und überfliege sie noch einmal. Wie ich von mir selbst erfahre, geht es mir blendend. Das CD-Geschäft läuft großartig. Das Set vom letzten Monat ist immer noch der absolute Verkaufsschlager.
Bevor ich losfahre, mache ich mir in der Küche noch einen Kaffee, lehne dabei meinen Kopf an den Dunstabzug und schließe kurz die Augen.
Ich kann den Wagen nur schwer in der Spur halten. Meine Augenlider sind wie Blei. Links und rechts zischen verschwommen Lichter an mir vorbei. Sollten mich die Bullen anhalten und mich in die Tüte pusten lassen, würden sie mich sicherlich auf der Stelle erschießen. Ich schüttle kräftig meinen Kopf und stelle den Lautstärkeregler meines Autoradios auf Anschlag. Das wird mich wach halten. Die Boxen klappern wie verrückt. Natürlich läuft „Only Love Can Break Your Heart“, ein alter Herzschmerz-Hit von Saint Etienne, den ich in voller Lautstärke mitbrülle. In Gedanken baue ich kleine CD-Türme, die ich Sekunden später wieder zusammenfallen lasse wie Kartenhäuschen. Pro Tausend bestellter CDs bekomme ich einen kleinen Rabatt beim Presswerk. Wie viele CDs müsste ich bestellen, um gar nichts mehr zahlen zu müssen: Es ist so verlockend, die Augen zu schließen. Konzentration, Alex, Konzentration!

„Bin ich eingeschlafen?“, habe ich sie gefragt. Sie lächelte und streichelte mir mit der Hand übers übers Gesicht. Ich versuchte so lange wie möglich wach, zu bleiben. Sie legte ihren Kopf auf meine Schulter, so dass ich ihren Atem auf meiner Brust spürte. Ihre langen dunklen Haare bedeckten meinen Oberkörper. Früher hasste ich es, Decke und Kopfkissen mit jemandem teilen zu müssen. Doch mit ihr war es anders. Kurz hielt sie den Atem an, und einen Augenblick später spürte ich, wie ihr Körper in einen tiefen Schlaf fiel.

Ich weiß nicht wie, aber ich habe es geschafft. Ich parke den Kombi schräg auf dem Gehweg vor dem Schaufenster. Auf zwei Monitoren flimmern unscharf Werbeslogans in einer Endlosschleife. Die Tür ist offen, es ist mitten in der Nacht. Holger erwartet mich bereits.
Das Licht im Laden ist leicht gedämpft. Im Verkaufsraum stehen sechs Tische, auf denen Computer aufgebaut sind. In den Regalen hinter der Glastheke liegen in geometrischen Mustern angeordnete Softwarepakete und Hardwareerweiterungen, die dem Kunden durch ihre farbige Aufmachung ins Auge fallen sollen. Dazwischen steht Holger in seiner Verkäuferpose. Glattes Hemd, schwarze Jeans und Turnschuhe. Mit den Händen auf die Glasablage gestützt schaut er mich ernst an. Sein Gesicht ist kalkweiß. „Einmal Gyros komplett“, scherze ich. Holger reagiert nicht. Ich mache einen Schritt auf ihn zu. Meine Schuhsohle löst sich mit einem Quietschen vom frisch gereinigten Fußboden. „Also, was gibt’s?“, frage ich und bemühe mich, nicht genervt zu klingen. „Ich glaube, die Bullen haben Wind von der Sache bekommen.“Ich ziehe die Augenbrauen ungläubig nach oben.
„Hier fährt ständig ein dunkler BMW die Straße auf und ab.“
Ich drehe mich um und schaue nach draußen. Außer meinem rostigen Kombi und einem Fahrrad, das an die Laterne auf der anderen Straßenseite gekettet ist, kann ich nichts Auffälliges erkennen.
„Ich sehe nichts“, sage ich.
„Die stehen bestimmt um die Ecke und warten, bis ich rauskomme.“
„Holger“, sage ich und blicke ihm in die Augen, „glaubst du nicht, dass du ein wenig übertreibst? Ich meine, du siehst einen BMW, der hier ein-, zweimal die Straße runtertuckert und rufst mich mitten in der Nacht an, weil du Angst hast, nach Hause zu fahren?“
Holger schweigt.
„Hockst du hier seit Ladenschluss?“
Ein vorsichtiges „Ja“ kommt hinter der Theke hervor. Leicht beschämt nimmt sich Holger ein Spielpaket aus dem Regal und beginnt daran herumzufummeln: „Ich habe schon vorher versucht dich zu erreichen, aber du warst nicht da.“
„Nein“, sage ich kopfschüttelnd. Ach war bei Forti.“
Holger kann manchmal wie ein kleines Kind sein. Ich zucke mit den Achseln und lasse meine Hände auf meine Oberschenkel klatschen. „Und was meinst du, was ich machen soll? Ich meine, jetzt, wo ich hier bin?“
„Keine Ahnung.“
„Dann gehe ich wieder, Holger, ich muss ins Bett. Ich habe jetzt keinen Bock auf sowas.“
Ich drehe mich um und will zur Tür. Plötzlich fliegt die große PC-Softwarebox an meiner Schulter vorbei gegen einen Computermonitor. Die Box schmettert auf den Boden, einige CDs und Spielanleitungen fallen heraus.
„Meinst du, ich hab Bock auf sowas?“, brüllt Holger völlig aufgebracht.
Mind Master, Puzzle Mania, Tetris Kingdom. Mit meinem Fuß kicke ich vorsichtig die Anleitungen der Plagiate umher. Ich bin nicht in der Stimmung für ein Problemgespräch mit Holger.
„Das ist mein Laden hier, ich lebe davon!“
„Beruhige dich, Holger, ich kann da jetzt auch nichts …“
„Nein, ich beruhige mich nicht!“, unterbricht er mich. „Wenn’s Ärger gibt, machst du dich immer aus dem Staub.“ Er holt tief Luft. „Du verdammtes Arschloch!“, sagt er dann etwas unsicher. Meint er mich?
„Was ist bloß los mir dir, Holger?“, entgegne ich ruhig.
„Ich sage dir was, Alex“, er schnappt nach Luft, „ich halte meinen Kopf nicht mehr für dich hin.“ Sein Gesicht wird knallrot, ich sehe das Blut in den Adern an seinem Hals pulsieren. Bei dem Anblick spüre ich wieder meine Kopfschmerzen. Holger plappert. Ich kann seine Stimme nicht mehr hören. Bla, bla, bla, er hört nicht auf.
Holger war Zeitsoldat beim Bund und manchmal verfällt er in einen endlosen Redeschwall. Damit hätte man ihn großartig zur psychologischen Kriegsführung einsetzen können. Wie immer gibt er mir die Schuld, da ich der Kopf unserer Truppe bin. Angeblich war ich nicht vorsichtig genug. Ich würde ihm am liebsten meine Faust ins Gesicht drücken, damit dieses ovale Ding endlich Ruhe gibt. Doch dazu wäre ich im Moment zu schwach.
„Hör auf, hier Saltos zu schlagen“, versuche ich zu schreien, doch meine Stimme lässt mich im Stich. Ich hätte im Auto nicht so laut mitsingen sollen. „Es ist nichts passiert … nichts!“, fiepst es aus meiner Kehle. Ich höre mich an wie ein Teenager im Stimmbruch.
Holger starrt mich an, als ob ihm sein eigener Sohn ins Gesicht gespuckt hätte. Was will er eigentlich? Wir sind weder Freunde noch miteinander verwandt. Außerdem haben wir alle Geld mit den CDs gemacht. Reno, Mick, Forti, Holger und ich. Und jetzt dreht er durch, nur weil ein dunkler BMW an seinem Laden vorbeigefahren ist.
Normalerweise bin ich nicht so leicht zu erschüttern, doch im Moment kann ich die Situation wirklich nur schwer ertragen. Ich lasse meinen Blick wieder auf die Spielebox auf dem Boden wandern. Tetris, denke ich schmunzelnd.

Marie hat nie etwas für Computer übrig gehabt. Das einzige, was sie mit der Kiste verband, war das Spiel Tetris. Sie liebte es, und wir verbrachten eine Menge Zeit damit, uns gegenseitig die Rekorde streitig zu machen. Ihrer Meinung nach hing ich zu viel vor dem Rechner. Sie beschwerte sich oft darüber, dass ich mir zu wenig Zeit für sie nahm. Doch ich wollte mir keine Gedanken darüber machen. So war es schon immer gewesen, und so sollte es auch bleiben. Wir hatten uns nie wirklich über diese Themen gestritten. Ich sah es nur immer wieder an ihrem Blick, wenn ich nachts nach Hause kam und mich noch an meinen Schreibtisch setzte, anstatt mich zu ihr ins Bett zu legen.

„Sag mal, ist dir das alles scheißegal, oder was?“
Also zugegeben, es wird langsam eng. Die Konkurrenz ist aufgeflogen. Ein paar Typen aus der Szene, über die ich mir bisher keine allzu großen Gedanken gemacht habe, sitzen seit November in Untersuchungshaft und schreien nach ihrer Mami. Holger bekommt das große Flattern, und übermorgen kommen noch ungefähr vierzigtausend CDs mit Schwarzkopien über die polnische Grenze. Und selbst wenn sich Holger die Niagarafälle in die Hosen pinkelt, die CDs kommen hier in diesem Laden an.
Ich räuspere mich: „Wir werden diese CDs verkaufen. Wir machen das!“Der tiefe Ton, der nun wieder in meiner Stimme liegt, beruhigt mich. „Die Akira-Serie ist im Arsch. Was meinst du, wie viele Leute in diesem Monat auf unsere CDs angewiesen sind?“ Noch während ich die Wörter ausspreche, bemerke ich, wie Recht ich mit dieser Aussage habe. Dadurch, dass das halbe Loopteam und mit denen fast die gesamte Akira-Mannschaft festgenommen worden ist, sind wir eine der wenigen Gruppen, die überhaupt noch CDs in dieser Größenordnung verkaufen. Wie die Akira-Serie hat jedes Set von uns vier bis sieben CDs. Meist tummeln sich auf solchen Ausgaben nahezu zweihundert brandneue, illegal kopierte Programme. Darunter Anwenderprogramme, einfache Tools, Software-Updates und natürlich jede Menge Spiele. Der eigentliche Verkaufspreis aller Originalprogramme kam im letzten Monat bei Set acht auf ungefähr fünfzehntausend Euro. Verständlich, dass unser Preis von etwa dreißig Euro pro Ausgabe für Zwischenhändler ziemlich attraktiv ist.
Meine in Falten gelegte Stirn entspannt sich. „Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich gleich noch dreißigtausend CDs mehr pressen lassen“
„Wir müssen diesmal sehr vorsichtig sein“, sagt Holger.
Den BMW scheint er wieder vergessen zu haben.
„Das werden wir!“, sage ich mit gespielt freundlichem Blick.
„Ich weiß es nicht“, er sackt wieder zusammen. „Ich weiß es einfach nicht.“
Ich brauche Holger und seinen Laden. Die nächste Fuhre ist bereits hierher unterwegs. Sollte er sie nicht annehmen wollen, kann ich alles vergessen. Dramatisch atmet er noch einmal durch und starrt mich dann mit diesem „Ich will nicht in den Knast“-Blick an.

Marie wartete draußen, als ich aus dem Polizeipräsidium kam. Es war nicht meine erste Verhaftung, das wusste sie. Zweihundertfünfzig CDs hatte die Polizei in einer Routinekontrolle in meinem Kofferraum entdeckt. Als man mich durchsuchte, fand man noch ein kleines Tütchen Gras in meiner Jackentasche. Marie war wütend. Sie machte sich Sorgen um mich, und ich mochte das. Ich musste ihr schwören, damit aufzuhören. Doch sie wusste, dass ich ihr damit nicht mehr vesprach, als in Zukunft vorsichtiger zu sein.
Einmal noch, Holger. Hey, dreh jetzt nicht durch. Wenn wir alle ganz cool bleiben, können wir noch mal so richtig abkassieren.“ Ich zaubere ein Robert de Niro-Lächeln auf meine Lippen.
Holger bewegt seinen Kopf. Er weiß selber nicht, ob daraus ein „Ja“ oder „Nein“ werden soll. Ich werde ihm Zeit geben, die Sache zu überdenken.
Der Schlüssel zu meinem Kombi ist total verbogen. Ich brauche eine Weile, um die Banane ins Schloss zu bekommen. „Übermorgen kaufe ich mir ’ne neue Karre“, denke ich und starte den Motor. Die kleine Digitalanzeige an meinem Armaturenbrett verrät mir, dass es kurz nach vier ist.
Mick ist bestimmt schon wach. Seine Freundin und er arbeiten bei einem Paketzustellungsdienst und müssen immer zeitig zur Arbeit. Ich fahre schnell nach Hause, um die Kiste mit den Handys mitzunehmen. Forti und ich haben uns von einem zwielichtigen Händler aus Italien hundert Mobiltelefone besorgt. Allerneuste Nokia-Teile. Forti wollte eigentlich gar nicht mit einsteigen, aber ich habe das Paket einfach an seine Adresse schicken lassen. Und als die Telefone dann bei ihm ankamen, war er damit einverstanden. Mick hat für die Dinger auf seiner Arbeitsstelle einen Käufer gefunden. Ich werde sie ihm vorbeibringen.
Micks Bude stinkt wie getrocknete Kotze. Ich kenne Mick seit fünf Jahren und kann mich nicht erinnern, dass das je anders gewesen wäre. Wir konnten uns damals schon nicht richtig ausstehen. Auf einer Party hab ich ihm einmal eine Portion Fritten mit Curryketchup auf sein Hemd geschmiert, weil er seine Finger nicht von Marie lassen konnte. Seine Klamotten waren auch schon vorher so verdreckt gewesen, dass es sowieso keinen Unterschied machte.
Micks Hauptarbeit bei uns besteht darin, die CD-Cover zu gestalten. Er modelliert am liebsten irgendwelche Raumschiffe an seinem Raytracer. Die Resultate sind meist in Ordnung. Das fertige Cover und somit die gesamte CD sieht dann auch auf den zweiten Blick wie ein gewöhnliches, kommerzielles Produkt aus. Die perfekte Tarnung.
Ich schaue mich um. Im Teppich klebt neben anderen Lebensmittelresten ein halber Snickers, den ich heute nicht zum ersten Mal entdecke. An der Wand über Micks Computer hängen Poster von UPS-Flugzeugen und -Lastwagen. Daneben ein Bild von zwei Katzenbabys in einem zerfetzten Lederstiefel, und etwas weiter rechts eine fünf Jahre alte, auf Micks Freundin ausgestellte Urkunde für die erfolgreiche Teilnahme am Lehrgang „Moderne Frisuren für den Mann“. Aufgrund einer Allergie hat sie ihren Traumjob aufgeben müssen und arbeitet seitdem mit Mick zusammen.
„Hallo Alex“, trällert es aus einer Ecke des Zimmers. Ich nicke Micks Dauerwellen-Freundin zu, die barfuß im Pyjama auf dem Sofa hockt und eine Kippe nach der andern qualmt. Sie blinzelt mir zu, zumindest sieht es von hier so aus. Die Augen, die mich fokussieren, werden niemals mehr als UPS-Fließbänder, Sofas und Fernseher sehen. Und das Schlimmste ist, dass sie glücklich damit sind.

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