Der Hacker mit der Spielzeugpfeife

Fortsetzung (Seite 3) der Geschichte „Cap’n Crunch
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Woz

Apple I by Steve Wozniak and Steve Jobs

Der Arbeitsplatz in der Garage von Steve Jobs und Steve Wozniak beim der Bau des ersten Apple-Computers „Apple I“.

Nach meiner Entlassung spielte ich mit dem Gedanken, das Studium abzubrechen, weil ich durch die Pause nicht mehr so recht den Einstieg fand. In meiner Wohnung stauten sich die vielen technischen Bauteile, die ich vom FBI in nummerierten Kartons zurückerhalten hatte.

Ich fing an die Sachen Stück für Stück auszupacken, verspürte aber keine wirkliche Lust, sie wieder in meinen Schrank einzusortieren. In einer der Kisten fand ich eine Blue Box mit einem aufgemalten Totenkopf, die nicht mir gehörte. Womöglich hatte sie das FBI versehentlich zu meinen Sachen gepackt. In dem Chaos hatte wohl niemand mehr so recht gewusst, welches Teil aus welcher Wohnung kam, und sie hatten es einfach irgendwo mit hineingepackt. Ich hielt die Blue Box in der Hand und betrachtete sie einige Minuten. Ich hätte das Ding wohl besser aus dem Fenster werfen sollen. Doch stattdessen begann ich die Schrauben an dem Gerät zu lösen. Das Innenleben dieser Blue Box verblüffte mich ein wenig. Das erste, was mir ins Auge fiel, war ein kleiner Mikrochip, der auf einem Sockel befestigt war.

Während ich im Gefängnis meine Zeit mit der Modifizierung von Radios vergeudet hatte, war die Entwicklung der Mikrochips deutlich vorangeschritten. „Es gibt eine Menge nachzuholen“, dachte ich lächelnd. Fasziniert hielt ich den Chip in der Hand und überlegte ihn zu durchbohren, um ihn an meinem Schlüsselbund zu befestigen. Mit einem müden Blick auf den restlichen Technikmüll stellte ich mir vor, dass diese Bauteile vielleicht in tausend Jahren in Museen ausgestellt werden würden. Ich war mir sicher, dass sie zusammen mit der Nummerierung des FBI für reichlich Verwirrung sorgen könnten. So packte ich alle Sachen wieder in die Kisten und sperrte sie in meine Abstellkammer, um sie dort für die nächsten tausend Jahre in Frieden ruhen zu lassen.
Ich erinnerte mich an meine Zeit als Programmierer beim Militär, als ich an dem Programm „Work Furlough“ mitgearbeitet hatte. Mich packte wieder der Trieb zum Programmieren, und ich fand eine neue Arbeit als Fortran-Programmierer bei der Firma „California Microwave“.

Während dieser Zeit kam mir das Interesse eines jungen Studenten namens Steve Wozniak ziemlich recht. Ein Radiomoderator des Senders KPFA gab mir seine Rufnummer mit der Bitte, ihn anzurufen. Wozniak war ebenfalls Programmierer und kannte sich gut aus. Ich hatte einen interessanten Artikel über ihn gelesen und schlug gleich ein Treffen vor. Woz war sofort einverstanden. Der Grund dafür war offensichtlich: Er wollte alles über das Blue Boxing erfahren. Zusammen mit seinen zwei Kommilitonen Bill Claxton und Steve Jobs wohnte er in einem Studentenwohnheim. Letzterer hatte schon eine Menge Computererfahrung gesammelt, und ich unterhielt mich während meines Besuchs die meiste Zeit mit ihm. Aber auch Woz konnte mitreden, vor allem, wenn es um Hardware ging. Er erzählte mir von seinem Plan, einen eigenen Computer zu entwickeln. Er war voller Enthusiasmus, aber seine Pläne und Ideen schienen mir allzu fantastisch. Aus diesem Grund fiel es mir nach einer Weile schwer, ihn überhaupt noch ernst zu nehmen. Er träumte von einem selbstentwickelten Betriebssystem, das in Kombination mit eigener Hardware die Basis zu einem neuen Supercomputer bilden sollte. Die Entwicklung eines solchen Rechners hielt ich jedoch für komplizierter, als Woz sich das so vorstellte. Aber für den Fall der Fälle würde er meine Hilfe sicherlich gut gebrauchen können, und so ging ich auf seine Bitte ein, ihm alles mitzuteilen, was ich über das Blue Boxing wusste.

Obwohl ich mir sicher war, dass ich Steve nicht viel Neues erzählen konnte, hörte er mir konzentriert zu. Irgendwann packte er dann seine eigene Blue Box aus und legte sie lächelnd auf den Tisch. Nach meinen Reibereien, mit der Justiz, hätten mir in diesem Augenblick eigentlich alle Haare zu Berge stehen müssen. Ich blieb jedoch ruhig und ließ mich von den dreien sogar zu ein oder zwei Telefonaten überreden. Woz wollte unbedingt nach Rom durchdringen, um mal mit dem Papst zu sprechen, wie er sagte. Stundenlang versuchte er sich mit verschiedenen Methoden zum Papst durchzustellen. „Diese verrückten College-Kids … “ dachte ich mir. „Sollen sie doch ihren Spaß haben“

Woz und ich wurden Freunde. Woz konnte mir eine Menge über Hardware erzählen, und ich begann sein Wissen allmählich zu schätzen. Mittlerweile konnte ich mir durchaus vorstellen, dass sein verrückter Plan Erfolg haben würde. Woz lernte von mir alles Wissenswerte über das Blue Boxing. Ich machte ihn jedoch darauf aufmerksam, dass er die Informationen nicht missbrauchen durfte, die ich an ihn weiterreichte, und er gab mir sein Wort darauf. Im Gegenzug fokussierte ich mein Interesse stärker auf Computer. Schon bald legte ich mir selbst einen zu und begann meine Programme im Auftrag des Unternehmens zu Hause zu entwickeln.

Woz und ich arbeiteten gemeinsam an einer Art Textverarbeitungsprogramm für sein neues Betriebssystem. Sollte er mit sei nem Computer auf den Markt gehen, wäre das erste Softwareprodukt bereits vorhanden. Wir steckten all unser Wissen in die Entwicklung dieses Programms. Es sollte das erste seiner Art sein, mit dem man eine proportionale Schrift auf den Qume-Printer drucken konnte. Das Endprodukt war geradezu revolutionär und schlug alle Programme, die damals auf dem Markt waren um Längen. Ich nannte es „TextWriter“, doch Steve schlug den Namen „EasyWriter“ vor. Er war ein großer Fan des Films „Easy Rider“ und fand den Namen aus diesem Grund „cooler“. Ich erlebte diese Arbeit als derart faszinierend, dass ich mich mehr mit „EasyWriter“ beschäftigte als mit meinem Job bei California Microwave.

Ich saß wieder einmal an meinem Schreibtisch und schlug die Zeit tot, als es an der Haustür klingelte. Ich warf noch einen kurzen Blick auf die Arbeit der letzten Stunden und stand dann auf, um zu öffnen. Zwei Herren in dunklen Anzügen hielten mir einen Ausweis unter die Nase, den ich nicht zum ersten Mal sah.
„FBI“, murmelte einer von beiden.
Mein Tag war im Eimer.
Dieser völlig überraschende Besuch machte mich nervös. Auf dem Weg zum Revier fragte ich mich ständig, was ich denn nun schon wieder verbrochen haben könnte. Ich hatte ja mittlerweile weder mit Blue Boxing noch mit anderen illegalen Aktivitäten etwas zu tun.
Das Büro, in dem ich verhört wurde, war dem Raum sehr ähnlich, in dem ich schon einmal Rede und Antwort hatte stehen müssen. Die Architekten des FBI verstanden eine Menge davon, die Atmosphäre so unangenehm wie möglich zu halten. Die zwei Agenten saßen nahezu regungslos vor mir. Von Zeit zu Zeit machten sie kurze Bewegungen, um ihre Kaffeetassen an den Mund zu führen.

„Verkaufen Sie Blue Boxes? „, fragte mich einer der Beamten.
Ich dachte darüber nach, aus welchem Grund man mir diese Frage stellte, und schüttelte dann mit einem unwissenden Gesichtsausdruck den Kopf.

„Ist ihnen ein gewisser Steve Wozniak bekannt?“

Ich zögerte, dann nickte ich.

„Nun“, fuhr der Agent fort, „Steve Wozniak hat vor wenigen Stunden gestanden, dass er mit ihnen zusammen Blue Boxes verkauft hat.“

Ich war erschüttert. Woz verkaufte hinter meinem Rücken Blue Boxes und versuchte bei seiner Verhaftung anscheinend noch, eine Teilschuld auf mich abzuwälzen. Ich leugnete alles und versuchte zu erklären, in welchem Verhältnis ich zu Woz stand. Ich erzählte dem FBI jedoch nichts, was Woz und mich hätte belasten können. Die Beamten blickten mich stumm und ohne eine Miene zu verziehen an. Nachdem man alles zu Protokoll genommen hatte, ließ man mich wieder gehen.

Ich kochte vor Wut und fuhr gleich nach der Vernehmung zu Woz, um ihn zur Rede zu stellen. Ich musste minutenlang Sturm klingeln, bevor er mir öffnete.
„Was soll das, Steve?“, schrie ich ihn schon an der Tür an.
Steve wich meinen Blicken aus und kramte wortlos seine technischen Gerätschaften zusammen. Auf dem Boden seines Arbeitszimmers Türmten sich Blue Boxes, die er ohne mein Wissen verkauft hatte und nun zu vernichten suchte.
„Das ist wirklich das Allerletzte!“, schrie ich ihn an. Meine Stimme bebte: „Du hast die Dinger hinter meinem Rücken verkauft.“
Steve blickte mich wortlos an. Ich konnte diesen Blick nicht ganz einordnen. Es lag jedoch nicht der Hauch einer Entschuldigung darin. Mir war klar, dass wir von nun an getrennte Wege gehen würden.

Später erfuhr ich von anderen Leuten, dass Woz mehrere hundert Blue Boxes für hundertfünfzig Dollar das Stück an Studenten verkauft harte. Mit dem Geld war es ihm möglich, seinen Traum von einer eigenen Firma zu realisieren. Erst jetzt begriff ich, wieso sich Steve überhaupt für das Blue Boxing interessiert hatte. Da das FBI keine handfesten Beweise gegen ihn hatte, mussten sie ihn laufen lassen. Ich wusste nicht, ob ich mich mehr über den Vertrauensbruch aufregen sollte oder darüber, dass mein Name wieder einmal in Verbindung mit Blue Boxing beim FBI aufgeraucht war.
Einige Monate später kam der erste Computer von Steve Wozniak unter dem Namen seiner eigenen Firma mit dem Logo eines abgebissenen Apfels auf den Markt. Neben dem Gehäuse erschien auch das dazu kompatible Schreibprogramm „EasyWriter“.

Auf Schmalem Grat

Der Computer entwickelte sich langsam aber sicher zum einzigen Bezugspunkt in meinem Leben. Um die Enttäuschungen der letzten Jahre zu verdrängen, programmierte ich teilweise bis tief in die Nacht.

Gefängnis Schweinefarm

Irgendwann wurde ich wegen meiner Unzuverlässigkeit von der Firma gefeuert und konnte meine Miete nicht mehr zahlen. Also zog ich in ein ziemlich schäbiges Ein-Zimmer-Apartment in Mount View, Los Angeles. Da ich bald auch mein Studium nicht mehr finanzieren konnte und der Weg zur Universität sowieso viel zu weit war, nahm ich das zum Anlass, mein Studium endgültig abzubrechen.

Meinen spärlichen Unterhalt verdiente ich mit der Entwicklung einiger kleinerer Programme, die ich an verschiedene Unternehmen verkaufte. Mein Hauptinteresse galt längst nicht mehr den Tiefen fremder Telefonsysteme, sondern nur noch der Entwicklung diverser Computerprogramme. Als eine Telefongesellschaft mir den Auftrag erteilte, ein Programm zum Schutz vor Telefonmanipulation zu entwerfen, wurde ich zwangsläufig wieder mir dem Thema konfrontiert. Ich konzentrierte mich dabei auf das Wesentliche und hielt mich von allem fern, was mit Blue Boxing zu tun hatte. Die Angst vor dem FBI und der Wunsch, nie wieder in der „Schweinerei“ arbeiten zu müssen, waren stärker als die Annehmlichkeit, kostenlos telefonieren zu können. Außerdem hing mir das Telefonieren zum Hals heraus. Ich war also die meiste Zeit damit beschäftigt, auf sogenannten Call-Computern komplizierte Filter-Programme zu schreiben. Und nach einer Weile begann es mir sogar Spaß zu machen.
Während dieser Zeit erreichte mich ein Anruf von einem gewissen Adam Bauman. Adam erzählte prahlerisch von seinen Kenntnissen über die Schwachstellen des Telefonsystems. Er beteuerte, alles selbst herausgefunden zu haben, und wollte sich daher unbedingt mit mir treffen. Da ich ja mittlerweile selbst an Programmen schrieb, die Schutz gegen solche Manipulationen bieten sollten, nahm ich die Gelegenheit wahr und stimmte einem Treffen zu. Trotzdem wollte ich mein Wissen auf keinen Fall mit ihm teilen und nahm mir fest vor, dass dies ein einseitiger Informationsaustausch werden würde.

Adam brachte unangekündigt einen Freund mir, Dave, ein recht geselliger Typ, der ebenfalls behauptete, Programmierer zu sein. Ich war nicht mehr auf dem neuesten Stand der Dinge, und Adam schaffte es tatsächlich, mich mit seinem Wissen zu verblüffen. Er weihte mich in die neuesten Entwicklungen bei der Manipulation von Telefonleitungen ein.
„Man kann die Systeme der Telefongesellschaften mittlerweile mit Hilfe eines Computers manipulieren“, sagte er mit Begeisterung in den Augen.
Ich schaute ihn mit einem müden Lächeln an. Jeder, bei dem ich diesen Blick schon einmal beobachtet hatte, war früher oder später dem FBI in die Hände gefallen.
„Ich weiß, wie man in das interne System von Southern Pacific eindringen kann.“
„Mit dem Computer?“, fragte ich.
Adam nickte.
„Die Firma benutzt eigens entwickelte Computer“, erzählte er hastig weiter. „Auf den Rechnern aber läuft eine fremde Netzwerksoftware mit dem Namen ARPANet.“
„Ein Fehler“, ergänzte Dave lächelnd.
Und was für ein Fehler das war. Dave und Adam erzählten mir, dass das ARPANet ursprünglich nur intern vom Militär und von verschiedenen Universitäten genutzt wurde. Der Zugang zu den Netzwerkcomputern wurde daher nur einer bestimmten Gruppe gewährt.
„Sicherheitsbarrieren und Passwortabfragen sind somit überflüssig“, sagte Adam. Das Lächeln in seinem Gesicht schien nicht abbrechen zu wollen.

„Heißt das, dass jeder, der Zugang zum ARPANet hat, auch automatisch auf alle anderen Informationen innerhalb des Netzwerkes Zugriff hat?“, fragte ich.
Adam nickte. Er war jetzt erst richtig in Fahrt gekommen. „Die Telefongesellschaft, die jetzt ebenfalls ARPANet bei sich installiert hat, muss den Mitarbeitern zwangsläufig den Zugang von außen erlauben, damit auch Filialen Zugriff auf das Telefonsystem haben.“ In Adams Stimme lag etwas Verheißungsvolles. „Somit könnte aber auch jeder andere, der zufällig an die internen Rufnummern der Gesellschaft gelangt, in das Netzwerk eindringen.“ Dave erzählte mir von einem Gerät, mit dein man Computerdaten über das Telefonnetz versenden konnte – der sogenannte Akustikkoppler, der die Verbindung von Computer zu Computer über die Telefonleitung ermöglicht.

Bei unserem nächsten Treffen brachte Adam seinen Akustikkoppler und einen eigenen Computer mit. Ohne dass ich ihn davon abhalten konnte, verschaffte er sich mit meiner Leitung Zugang zu den Systemen der Southern Pacific, was mir überhaupt nicht gefiel. Dennoch war ich über die neuen Möglichkeiten verblüfft. Das stellte Blue Boxing absolut in den Schatten. Man konnte sogar Rufnummern von Kunden ändern, löschen und neue hinzufügen.

Adam versorgte mich mit einer unglaublichen Fülle von Informationen, die eigentlich nur für enge Mitarbeiter von Telefongesellschaften bestimmt waren. Im Grunde genommen war ich daran gar nicht interessiert, da ich mich damit auf Terrain befand, auf dem ich nie wieder operieren wollte. Aber Adam war kaum zu bremsen. Er versuchte mir mit aller Gewalt zu zeigen, wie man mit diesem Netz umgehen konnte. Er hörte einfach nicht auf, mich auf alles Wissenswerte hinzuweisen. Ich zeigte deshalb nur mäßiges Interesse an seinen Ausführungen und sprach lieber mit Dave über einige Programm-Routinen, an denen ich arbeitete. Die beiden blieben die ganze Nacht und verließen mich erst im Morgengrauen.

List und Tücke

In der Nähe von Fresno gab es ein Hotel mit dem Namen Finegold Ranch. Unmittelbar in der Nähe der Ranch lagen weitere Bauernhöfe und eine private High School. Adam erzählte mir von diesem Ort und sagte, dass es dort an Wochenenden sehr ruhig sei und man nicht auffalle.

Hotel Kalifornien

Ich ließ mich zu dem kleinen Ausflug überreden, und wir fuhren an einem Samstagmittag gemeinsam hin. „Tatsächlich waren dort nur ein paar Schüler zu sehen, und man konnte sich in den Anlagen aufhalten und sich an der schönen Natur erfreuen. Ich hoffte, inmitten der Natur in aller Ruhe über einige Dinge nachdenken zu können, und sah den Ausflug als Gelegenheit an, dem versmogten Los Angeles zu entfliehen. Vielleicht würde ich hier ja auch Adam besser kennen lernen. Doch noch bevor wir uns überhaupt die Umgebung anschauen konnten, begann er damit, sich Zugang zum schuleigenen Telefonsystem zu verschaffen. Mit seiner Blue Box in der einen und dem „Telefonhörer in der anderen Hand fummelte er sich mit piepsenden Geräuschen durch die Leitung. Ich beobachtete ihn eine Weile dabei und bemerkte, dass seine Blue Box nicht richtig konfiguriert war.
„Was machst du da?“, fragte ich ihn. „Lass uns mal was rausgehen.“ Adam ignorierte mich, er war viel zu sehr in seine Arbeit vertieft, um mich wahrzunehmen.
„Hey“, sagte er dann nach einiger Zeit. „Du kennst dich doch aus, kannst du das mal reparieren, ich glaube da stimmt was nicht! “
Mein Blick verriet ihm mein mäßiges Interesse an dem Problem. „Ich möchte nur mal schauen, ob das Ding funktioniert.“

Ich zögerte. In der Hoffnung, ihn vielleicht auf diesem Weg vom Telefon locken zu können, begann ich die kleine Kiste zu bearbeiten. Die Einstellung nahm mehr Zeit in Anspruch, als ich angenommen hatte, und ohne es zu merken, war ich wieder voll in meinem alten Element. Adam war seit geraumer Zeit aus dem Zimmer verschwunden. Wahrscheinlich trieb er sich in der Schule herum und flirtete mit einigen Teenagern. Nachdem ich das Ding richtig kalibriert hatte, wollte ich ausprobieren, ob es auch funktionierte, damit Adam endlich Frieden geben würde und ich beginnen konnte mich hier ein wenig umzusehen. Ich schnappte mir den Telefonhörer und probierte verschiedene Frequenzen aus, als Adam mit einigen älteren Herren in Anzügen hereinmaschiert kam. Einer von ihnen griff gelassen in seine Tasche und zog eine Plastikkarre heraus, auf der deutlich die drei blauen Buchstaben „FBI“ zu erkennen waren.

Monatelange Verhandlungen, Anwaltskosten und eine Menge Ärger. Das war alles, was das FBI mit seiner Lockaktion erreicht hatte. Zwar konnten sie kein richterliches Urteil oder sonstige Maßnahmen gegen mich durchsetzen, doch der Stress war meine größte Strafe. Das FBI hatte wissen wollen, ob ich meine Blue Box-Aktivitäten fortsetzte. Adam war aber nicht nur ein Spitzel gewesen, er hatte mich auch wieder zum Blue Boxing bewegen sollen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn ich tatsächlich darauf eingegangen wäre. Das FBI hatte jedenfalls genug Akten über mich, um damit einen ganzen Schrank zu füllen. Beschlagnahmung von Hardware und zahllose Beschuldigungen zogen eine lange schwarze Spur hinter mir her, die mich bis in mein Zimmer verfolgte. Ich ließ die letzten Jahre noch einmal vor meinem geistigen Auge Revue passieren – von meiner Zeit als Radiofreak bis zu diesem Trümmerhaufen, vor dem ich stand. Ich hatte keine andere Wahl, als irgendwo noch einmal von vorne zu beginnen. Neue Menschen, eine neue Wohnung. Ich fühlte, dass dies der einzig richtige Weg war. Nun saß ich hier in meiner unbezahlten Ein-Zimmer-Wohnung und schaute auf die Sachen, die ich für den Umzug bereitgestellt hatte: einen Rucksack und einen Schlafsack, mehr brauchte ich nicht. Irgendwo würde ich schon unterkommen und irgendwie würde es schon weitergehen, dachte ich. Martin hätte sicherlich noch ein Zimmer in seiner Wohnung in San Jose für mich frei. Verstohlen blickte ich auf den Schreibtisch, auf dein mein Telefon thronte. Ein Anruf kam nicht in Frage, nicht um alles in der Welt …


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