Verbreitungswege der Raubkopien

Woher kommen die Raubkopien eigentlich her?

Obwohl einer Studie des Kopierschutz-Herstellers Macrovision zufolge über die Hälfte aller Computerspieler regelmäßig Raubkopien nutzt,[1] wissen nicht alle von ihnen auch um den Ursprung dieser Kopien.

Da die meisten Raubkopien in den Internet-Tauschbörsen heruntergeladen werden, wird fälschlicherweise oft davon ausgegangen, dass die Kopien auch dort erstmalig in Umlauf gebracht wurden. Auch die Unterhaltungsindustrie ist sich des wahren Verbreitungsweges einer Raubkopie häufig nicht bewusst. Als der Film „Star Wars: Episode III – Revenge of the Sith“ im Mai 2005 als Raubkopie in Umlauf war, erklärte der Präsident der amerikanischen Filmgesellschaft MPAA, Dan Glickman, in einer Presseerklärung: „There is no better example of how theft dims the magic of the movies for everyone than this report today regarding BitTorrent providing users with illegal copies of Revenge of the Sith“.[2] Der Film war jedoch nicht über das Filesharing-Programm BitTorrent, sondern von der Release Group ViSA über szeneinterne Kanäle verbreitet worden.[3]

Rajagopal und Bojin stellt den illegal Distributionsweg der organisierten Raubkopierer in einer „Internet Chain of Pirate Distribution“ folgendermaßen dar:

Internet Chain of Pirate Distribution

Abbildung: Internet Chain of Pirate Distribution nach Rajagopal und Bojin [4]

Hier wird der Verbreitungsweg von Raubkopien in drei Stufen (Echelons) unterteilt. In die erste Stufe wird die Szene der Release Groups eingeordnet. Die Filesharing-Szene sehen Rajagopal und Bojin im untersten Rang der Raubkopienverbreitung. So findet die Erstverbreitung bzw. Erstellung der Raubkopien in der Release-Szene statt, bis zuletzt auch die Tauschbörsen-Nutzer an veröffentlichte Raubkopien gelangen.[5] Rajagopal und Bojin gehen in ihrer Studie jedoch nicht auf die FXP-Szene ein.

Eine weitere Klassifizierung der Szene findet sich bei der GVU, die gegen Raubkopierer ermittelt und auch dank einiger Undercover-Ermittlungen die Strukturen der Verbreitung von Raubkopien kennt.[6]

Hierbei nennt GVU ebenso wie Rajagopal und Bojin die Release-Szene als Verantwortlichen für die Erstverbreitung.[7] Wie in der Verbreitungspyramide der GVU zu erkennen, wird hier auch Bezug auf den kommerziellen Bereich der Raubkopierer genommen, in dem kommerzielle Portale und Flohmärkte als Umschlagplätze dienen. Von Bedeutung für diese Arbeit ist jedoch vielmehr die Einordnung der FXP-Szene im mittleren Bereich der Raubkopienverbreitung.

Verbreitungspyramide GVU

Abbildung: Verbreitungspyramide nach GVU [8]

Der Großteil der digitalen Raubkopien entsteht somit in der Release-Szene. Sie durchlaufen dann die FXP-Szene und sind erst am Ende dieses Verbreitungsweges sie auch in den Internet-Tauschbörsen zu finden (wie des auch Rajagopal und Bojin feststellten). Insofern lassen sich beide Studien zu einer Verbreitungsgrafik zusammenfassen, in der profitorientierte Raubkopierer außer Acht gelassen werden. Der Verbreitungsweg der Raubkopien lässt sich so in Form einer Pyramide darstellen, an deren Spitze die Raubkopien entspringen, immer weiter vervielfältigt werden und mit der Zeit von immer mehr Menschen aus dem Internet heruntergeladen werden können.

Verbreitungspyramide Schwarzkopien

Abbildung: Die Verbreitungspyramide

Das FBI beschreibt die Szene der organisierten Raubkopierer als hochorganisiertes Syndikat mit Mitgliedern „who get up in the morning and put in a day of stealing copyrighted music, movies, games, and software from the Internet, processing them, and distributing them (…) Online piracy and trading of music, movies, business, and gaming software adds up to lost revenues“.[9] Generell lassen sich somit vier Hauptgruppen von digitalen Raubkopien unterschieden: Musik, Filme, Software und Bücher. Dabei unterscheidet das FBI „business software“ von „gaming software“, wobei beide unter Software eingeordnet werden. Nach Rajagopal und Bojin lässt sich Piraterie in vier Formen nachweisen: Wares, Movies, MP3s und eBooks.[10] Diese vier Typen von Raubkopien werden in der Release-Szene erstellt und weiter verbreitet, wobei im Szenejargon das Plural-s durch ein „z“ ersetzt wird. Diese vier Erscheinungsformen sollen in den nächsten Punkten näher beschrieben werden.


[1] Vgl. N.n. 2004 (d).
[2] N.n. 2005 (f).
[3] Vgl. Joos 2005 (b).
[4] Rajagopal; Bojin 2004.
[5] Ebd.
[6] N.n. 2004 (l).
[7] Ebd.
[8] Ebd.
[9] N.n. 2004 (k).
[10] Rajagopal; Bojin 2004.

 

Bonusmaterial:

Verbreitung der Schwarzkopien

Ihren Anfang hat die Verbreitung einer Schwarzkopie in der Release-Szene. Dort haben noch realtiv wenig Personen auf die Kopie Zugriff. In der Release-Szene wird eine Kopie auf FTP-Server verteilt und mit der Zeit von immer mehr Szenemitgliedern heruntergeladen. So vermehrt sich eine Schwarzkopie rasch, bis sie zu einem Mitglied der FXP-Szene gelangt.

In der nun folgenden Stufe der Verbreitung, der FXP-Szene, haben bereits mehr Personen auf die Schwarzkopie Zugriff. Sie verbreiten sie über fremde FTP-Server, bis sie schlussendlich in eines der Filesharing-Programme gelangt.

Hier, in der letzten Stufe der Verbreitungspyramide, können Millionen Menschen weltweit die ursprünglich aus der Release-Szene stammende Schwarzkopie mit Hilfe der Internet-Tauschbörsen herunterladen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.