NO COPY

von Jan Krömer und William Sen
Buchautoren und Journalisten

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Bill Gates gründet Microsoft

Ein anderer Hacker hingegen schlug einen für diese Zeit eher ungewöhnlichen Weg ein. William (Bill) Henry Gates III gründete 1975 zusammen mit Paul Allen das Unternehmen Micro-Soft (heute: Microsoft).[1] Seine Vorstellung war es, als Produkt nicht Hardware, sondern lediglich Software zu verkaufen. Diese Geschäftsidee wurde von fast allen Hackern verspottet. Die Vorstellung, für eine Software Geld zu verlangen, widersprach der Hacker-Ethik.[2] Diese sah schließlich vor, Informationen mit anderen frei zu teilen. Bill Gates verstieß damit gegen alle Ideale des Homebrew Computer Clubs. Die Meinungen von Wissenschaftlern, Studenten und des Homebrew Computer Clubs ignorierend, entwarf Gates schließlich sein erstes Softwareprodukt: Die Weiterentwicklung der Programmiersprache BASIC für den Altair 8800.[3] Sein Ziel war es, das Produkt so zu generieren, dass es einerseits technische Programmierung möglich machte und andererseits von der Masse akzeptiert wurde.[4]

Mit Hilfe der verständlichen Kommandos von BASIC, war es auch Anwendern mit weniger technischem Verständnis möglich, einen Computer zu programmieren. In der Computersprache Basic wurden für Laien kryptisch erscheinende Zahlenkommandos durch Wörter der englischen Sprache wie beispielsweise PRINT und SAVE ersetzt.[5]

Bill Gates erfindet die Raubkopie

Bill Gates Idee einer Vermarktung von Software platzte dennoch mitten in die idealistische Welt der Hacker. Schließlich waren sie der Meinung, dass jeder Programmierer sein Wissen durch andere habe und nur ein gemeinsamer und offener Austausch von Erfahrungen eine Weiterentwicklung gewährleisten könne.[6] Bill Gates wollte jedoch sein Wissen weder mit anderen Hackern teilen, noch sah er ein, dass seine Software von anderen ohne Bezahlung kopiert oder verändert werden konnte. Verärgert schrieb Bill Gates schließlich einen offenen Brief, den sogenannten Open Letter an den Homebrew Computer Club. Darin beschuldigte er diejenigen als Diebe, die seine Software ohne Bezahlung benutzten und kopierten. Der Gedanke einer „illegale Kopie“ sorgte für Verwirrung und weitere Antipathie gegen den jungen Bill Gates.[7]

Je mehr Marktanteile Microsoft gewann, desto mehr setzte sich die Überzeugung durch, dass Software nicht immer frei sein konnte. Es wurde in den Köpfen vieler Softwarenutzer zu einem kommerziellen Produkt, für das man zu bezahlen hatte. Die Hoffnung von Bill Gates, dass der Computermarkt eines Tages von Software beherrscht werden würde, ging somit in Erfüllung. So sehr sich manche Hacker auch gegen die Vermarktung von Software und Informationen wehrten, ein Gedanke ist erst durch diesen Open Letter entstanden: Die Idee, dass eine Software als Kopie illegal, also eine Raubkopie, sein konnte.

Bill Gates' Open Letter 1976

Abbildung: Bill Gates‘ Open Letter[8]

Der wirtschaftliche Erfolg der Software von Microsoft war jedoch enorm. In den Jahren nach seiner Gründung eroberte Microsoft den Softwaremarkt für Betriebssysteme zunächst mit dem Produkt MS-DOS (Microsoft Disk Operation System), später mit Microsoft Windows.[9]

 

Jahr Angestellte Umsatz ($ Mio)
1980 40 8
1985 910 140
1990 5.200 1.186
1995 17.800 6.075
2000 39.100 22.956
2005 61.000 39.788

Tabelle: Umsatz- und Mitarbeiterentwicklung Microsoft Corporation (Quelle: Hoover’s Inc., Financial History of Microsoft 1980-2004)

NO COPY

von Jan Krömer und William Sen
Buchautoren und Journalisten

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Jan Krömer und Dr. William Sen sind u. a. Autoren des Buchs "NO COPY - Die Welt der digitalen Raubkopie" - erschienen im Klett-Cotta Verlag. Das Buch sorgte vor allem in Deutschland für Aufklärung für das Verständnis für Raubkopien und untersuchte kritisch das gesellschaftliche und auch ökonomische Grundverständnis für "die Kopie".

Das Buch NO COPY ist kostenlos online verfügbar.

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1. Einleitung
1.1. Einleitung
1.2. Zielsetzung
1.3. Abgrenzung
1.4. Aufbau


2. Begriffsdefinitionen
2.1. Netzkultur
2.2. Hacker
2.3. Hackerkultur
2.4. Informationsgesellschaft
2.5. Raubkopie


3. Hacker und Raubkopierer in der Informationsgesellschaft
3.1. Informationsgesellschaft
3.1.1. Geschichte der Informationsgesellschaft
3.1.2. Bedeutung der Informationsgesellschaft
3.1.3. Information als Wirtschaftsgut
3.2. Strukturen der Erstellung und Verbreitung von Raubkopien


4. Typen von Raubkopierern
4.1. Release-Szene
4.2. FXP-Szene
4.3. Filesharing-Nutzer


5. Verbreitungswege der Raubkopien
5.1. Warez
5.2. MP3z
5.3. Moviez
5.4. eBookz


6. Bild der Raubkopierer in der Öffentlichkeit
6.1. Raubkopierer in den Medien
6.2. Schadenszahlen in der Öffentlichkeit


7. Formulierung der Thesen
7.1. These A: Die heutige Informationsgesellschaft ist von der Hackerkultur geprägt.
7.2. These B: Raubkopien sind das Produkt einer von der Hackerkultur geprägten Gesellschaft.
7.3. These C: Raubkopierer handeln destruktiv.
7.4. These D: Raubkopierer betrachten Raubkopieren nicht als kriminelles Vergehen.


8. Entstehung der Hacker
8.1. Die ersten Hacker (ab 1955)
8.2. Faszination der Software (1960 – 1975)
8.3. Entstehung der Hackerkultur (1975 – 1980)
8.4. Erste Gruppierungen von Hackern
8.5. Kommerzialisierung der Hardware
8.6. Kommerzialisierung der Software


9. Entstehung der Raubkopierer-Szene
9.1. Entstehung der ersten Cracker (1982 – 1999)
9.2. Die erste Generation
9.3. Cracking Groups
9.4. Qualität der gecrackten Software
9.5. Mitgliederzahl der ersten organisierten Raubkopierer-Szene
9.6. Verbreitung der Raubkopien
9.7. Entwicklung der 2. Generation


10. Elemente der Netzkultur
10.1. Die Idee des Teilens von Software
10.2. Freie-Software-Bewegung
10.3. Open-Source-Bewegung


11. Selbstregulierung statt Kontrolle
11.1. Internet als dezentrales u. freies Netzwerk
11.2. Selbstregulierende Projekte im Internet
11.2.1. Wiki-Konzept und Wikipedia
11.2.2. Open Source Directory Project (ODP) und Weblogs


12. Hacker-Ethik
12.1. Feindbilder der Hacker
12.2. Feindbild IBM
12.3. Feindbild Post


13. Konstruktive Destruktion
13.1. Demontage
13.2. Verbesserung
13.3. Kreation


14. Fazit Netzkultur


15. Verhaltenspsychologische Aspekte
15.1. Motivationsfaktoren der organisierten Raubkopierer-Szene
15.2. Motivationsfaktoren der Gelegenheitskopierer


16. Zusammenfassende Bewertung der Thesen
16.1. These A
16.2. These B
16.3. These C
16.4. These D


17. Optionen der Rechteinhaber für einen wirksameren Umgang mit Raubkopierern
17.1. Juristische Mittel
17.2. Kopierschutzmaßnahmen
17.3. Illegale Download-Angebote
17.4. Öffentlichkeitsarbeit
17.5. Resümee


18. Fazit
Literaturverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Danksagung


[1]Vgl. http://www.microsoft.com/presspass/inside_ms.mspx (Stand: 01.02.2006).
[2] Vgl. Gröndahl 2000, S. 63.
[3] Vgl. N.n. 2006 (e).
[4] Vgl. Ebd.
[5] Vgl. N.n. 2003 (a), S. 94.
[6] Vgl. Gröndahl 2000, S. 25.
[7] Ebd., S. 63.
[8] Freiberger; Swaine 1984
[9] Vgl. z.B. Microsoft Corporation, History, Hoover’s, http://premium.hoovers.com (Stand: 13.02.2006).

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