Die Verbreitung von Raubkopien beschränkte sich bis Anfang der 90er Jahre auf die persönliche Weitergabe und auf den Postweg.

Erst dann weitete sie sich auch auf Wege der Datenfernübertragung per Modem und Telefonleitung aus, um die Software weltweit besser und koordinierter verbreiten zu können. Die Verbreitung fand anfangs nur über geschlossene, ausschließlich den Szenemitgliedern zugängliche Netzwerke statt. Die Szene wählte sich mit Modems in spezielle Systeme, sogenannte Bulletin Board Systems (BBS) ein, und verbreitete dort täglich gecrackte Software. „Bulletin Board Systems, most often known by the (…) acronym „BBS,“ are the life-blood of the digital underground“.[1] Das Board bot den Mitgliedern in erster Linie die Möglichkeit, Dateien abzuladen und untereinander zu verbreiten.[2] Darüber hinaus konnten sie sich nun über die neusten Ereignisse der Szene austauschen und über neu veröffentlichte Raubkopien diskutieren.[3] Der Zugang durch Außenstehende wurde durch zahlreiche, sich ständig ändernde Zugangspasswörter in hohem Maße erschwert.[4]

Der Wettkampf der Cracking Groups um den schnellsten Crack einer Software wurde immer organisierter. Die Gruppen konkurrierten permanent um die Erstveröffentlichung neuer Raubkopien. Die illegal verbreitete Software war meistens erst am gleichen Tag in den Handel gekommen oder sie wurde, durch enge Kontakte zu den Mitarbeiten mancher Softwarehersteller, sogar noch vor dem offiziellen Erscheinungstermin in den Boards verbreitet. Auf derartige Supplier war die Szene bereits von Anfang an angewiesen: “ (…) there were plenty of companies throughout Europe, who delivered fresh games right on the first day with express courier. These companies were called suppliers. (…) Often members of different cracker groups got a job at these companies, to speed up their operations even more“.[5] Wie unter den Cracking Groups selbst, entstand auch unter den Betreibern der BBS (Sysops oder Ops genannt) ein Konkurrenzkampf darum, wer die aktuellsten Raubkopien auf seinem System anbieten konnte.[6]


[1] Sterling 1994, S. 77.
[2] Vgl. Walleij (b).
[3] Vgl. Sterling 1994, S. 77.
[4] Vgl. Moschitto; Sen 1999, S. 33 ff.
[5] Tamás 2005.
[6] Vgl. Sterling 1994, S. 78.

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