Aktuelle Maßnahmen der Urheber gegen Raubkopien sind unter anderem die rechtliche Verfolgung von Mitgliedern der organisierten Raubkopierer-Szene sowie Klagen gegen die Nutzer von Internet-Tauschbörsen. Bislang gab es mehrere Polizeischläge gegen die Szene, oftmals in weltweiter Koordination verschiedener Strafbehörden.

Große Aktionen waren zum Beispiel die Operation Buccaneer im Jahr 2001[1] und die Operation Fastlink 2004[2] durch das FBI oder die deutsche Operation Boxenstopp im Januar 2006.[3] Zwar wurden dabei immer wieder Release Groups und FXP-Boards zerschlagen, dennoch ließ sich der Strom von Raubkopien aus der Szene nicht eindämmen. Goldman sieht die Strafverfolgung von Szenemitgliedern als grundsätzlich aussichtslos an: „Although warez traders have codes of ethics, they are indifferent to externally imposed rules in which they do not believe. (…) no quantum of stiffened criminal penalties will eradicate warez trading. Warez trading is about ego, prestige, and reputation, and so long as intangible assets are fenced off, a group of enthusiasts will seek recognition for breaching the fences“.[4] Die Verfolgung der Szene sei sogar kontraproduktiv, da sie die Szenemitglieder zusätzlich herausfordere und in ihren Augen legitimiere: „Criminalizing warez trading may also reinforce the warez traders’ self-perception as do-gooders fighting unjust laws“.

Auch Klagen gegen private, illegale Nutzer von Internet-Tauschbörsen sind seit einiger Zeit ein Mittel der Urheber gegen die steigende Verbreitung von Raubkopien. Der Verband der US-Musikindustrie RIAA erhob zum Beispiel bis zum Januar 2006 über 16.000 Klagen gegen Filesharer.[5] Dabei ist auch der Erfolg dieser Maßnahmen fraglich. Zum einen ist eine umfassende Verfolgung angesichts Millionen Nutzer und der Eigenschaften des Internets nicht möglich. „Die vollständige globale Kontrolle und personalisierende Rückverfolgung aller Kommmunikation [sic] ist die einzige Möglichkeit, die Verbreitung unerwünschter Botschaften wenigstens prinzipiell auszuschließen. Der Preis, den die Gesellschaft dafür zahlen müsste, wäre jedoch der Verzicht auf jegliche Privatsphäre in der Kommunikation, wie sie z. B. die deutsche Verfassung in verschiedenen Bestimmungen ihres Grundrechtskatalogs festschreibt.“ Zum anderen mag zwar von Klagen gegen einzelne Nutzer in gewissem Maße eine abschreckende Wirkung ausgehen, sie vermindern jedoch auch das Ansehen der klagenden Urheber in der Öffentlichkeit und können eine generell negative Einstellung gegenüber der Unterhaltungsindustrie auslösen, die zu noch mehr Raubkopien führt. „(…) if prosecutors pursue behavior that average citizens commit every day, they will create mass panic and will undercut popular support for their mission.“ Die Konsumenten, die stellvertretend für Millionen Downloader verklagt werden, sind aber alle auch potentielle Kunden. Durch den Download einer Datei haben sie zumindest einen Bedarf aufgezeigt.

Das Verklagen potentieller Kunden ist daher eher der falsche Weg und führt zu einem Imageverlust, der sich auch in sinkenden Verkäufen niederschlagen könnte. „Die eigene Zielgruppe zu verklagen, ist der falsche Weg“, kritisierte zum Beispiel Markus Beckedahl (Vorsitzende der digitalen Bürgerrechtsorganisation „Netzwerk Neue Medien“) das erste Urteil gegen einen Tauschbörsen-Nutzer in Deutschland.[6] Der Chaos Computer Club rief im April 2004 zum Boykott der Musikindustrie auf.[7] Da die Klagen also im besten Fall wirkungslos, vermutlich aber sogar kontraproduktiv sind, sollten die Urheber die Einstellung der Klagen erwägen.


[1] Vgl. N.n. 2001 (a).
[2] Vgl. N.n. 2004 (i).
[3] Vgl. Stiebert 2006..
[4] Goldman 2005 (a), S. 26 f.
[5] Vgl. Mennecke 2006.
[6] Vgl. Patalong 2004 (c).
[7] Vgl. N.n. 2004 (j).

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