Ein weiteres Mittel um das illegale Kopieren von urheberrechtlich geschützten Werken zu verhindern, ist der Einbau von Kopierschutzmaßnahmen in das Originalmedium.

Auch diese Maßnahme ist umstritten. So entsprechen viele kopiergeschützte Musik-CDs nicht mehr dem Standard, wie er einst von den CD-Erfindern Philips und Sony festgelegt worden war. Von Kritikern werden diese Datenträger daher als „Un-CDs“ bezeichnet.[1] Philips-Sprecher Klaus Petri kritisierte bereits 2002 Schutztechnik der Musikindustrie: „Das sind Silberscheiben mit Musik drauf, die CDs ähneln, aber keine sind“.[2] Zudem zeigen sich vor allem bei früheren Kopierschutzverfahren Probleme. „Denn in vielen CD-Playern versagten die geschützten Tonträger ihren Dienst. Das Ergebnis waren aufwendige Rückrufaktionen, kostenintensive Neuentwicklungen von Sicherheitsverfahren sowie verärgerte Kunden, die eigentlich nur ihre Lieblingsmusik kaufen und hören wollten“.[3] Im Mai 2005 wurde entdeckt, dass SonyBMGs Kopierschutzverfahren XCP sich selbständig auf den Computern der Nutzer installierte und eine Reihe von Sicherheitslücken für böswillige Hackerangriffe enthielt.[4]

So sorgt ein Kopierschutz für ein grundlegendes Problem: Die Kopien geschützter Medien sind in gewissen Punkten qualitativ besser als das Original. Die Käufer werden aber „umso eher beim Originalanbieter verharren, je ausgeprägter dessen Alleinstellungsmerkmale sind“.[5] In einer Umfrage von Buxmann, Pohl, Johnscher und Strube gaben knapp 50% der Befragten an, keine Tonträger mit Kopierschutz zu kaufen.[6] „Insgesamt scheint es zweifelhaft, dass ein Kopierschutz sich tatsächlich in einer Erhöhung des Absatzes niederschlägt“.[7] Einen Schutz vor Vervielfältigung stellen die aktuellen Kopierschutzmaßnahmen ohnehin nicht dar. Die Mitglieder der organisierten Raubkopierer-Szene fühlen sich durch sie herausgefordert und bislang ist kein Kopierschutz bekannt, der nicht geknackt werden konnte. „Hinzu kommt, dass sich im Internet meist binnen kürzester Zeit Programme finden, die einen Kopierschutz aushebeln“.[8] Selbst viele Gelegenheitskopierern nutzen bekannte Möglichkeiten den Kopierschutz zu umgehen, auch wenn dies gesetzlich verboten ist. Ein Kopierschutz schützt daher die Industrie nicht vor dem Raubkopieren, sondern erhöht vielmehr den Wert der Kopien gegenüber dem Original.


[1] Vgl. Hansen 2003.
[2] N.n. 2002 (b).
[3] Buxmann; Pohl 2004, S. 513.
[4]Vgl. N.n. 2005 (p).
[5] Linde 2005, S. 96.
[6] Vgl. Buxmann; Pohl; Johnscher; Strube 2005, S. 124.
[7] Buxmann; Pohl; Johnscher; Strube 2005, S. 124.
[8] Buxmann; Pohl 2004, S. 513.

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